Wake up – auf Reisen

In dieser Ausgabe der Sendung „Wake up“ behandeln wir das Thema „Reisen“.

Gerade in der nahen Frühlingszeit kann ein Thema interessant werden, nämlich das Reisen. So zB nach

Barcelona:

Barcelona (kat. [bəɾsəˈɫonə]; span. [baɾθeˈlona]; dt. [baʁtseˈloːna], zunehmend auch [baʁseˈloːna]) ist die Hauptstadt Kataloniens und zweitgrößte Stadt Spaniens. Sie liegt am Mittelmeer, circa 120 Kilometer südlich der Pyrenäen und der Grenze zu Frankreich. Barcelona ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz und der Comarca Barcelonès.

Innerhalb des Stadtgebietes leben etwa 1,6 Millionen Menschen, darunter 15,9 Prozent Ausländer (Stand: 31. Dezember 2005). Somit ist Barcelona die elftgrößte Gemeinde der Europäischen Union, nach Hamburg die zweitgrößte, die nicht die Hauptstadt eines Mitgliedstaates ist und die nach Paris am dichtesten besiedelte Millionenstadt Europas. Zusammen mit den in der Àrea Metropolitana de Barcelona zusammengeschlossenen Gemeinden der Agglomeration beträgt die Einwohnerzahl 3,16 Millionen. Im weiteren Einzugsbereich der Metropolregion (Àmbit Metropolità de Barcelona) leben insgesamt 4,86 Millionen Menschen.

Barcelona liegt im Nordosten der iberischen Halbinsel an der Küste des Mittelmeeres auf einem fünf Kilometer breiten Plateau, das von der Bergkette Serra de Collserola und den Flüssen Llobregat im Süden sowie Besòs im Norden begrenzt wird. Die Pyrenäen liegen circa 120 Kilometer nördlich der Stadt.

Die Serra de Collserola, Teil des Küstengebirges, bildet den sanft gerundeten Hintergrund der Stadt. Ihr höchster Punkt, der Tibidabo, ist 512 Meter hoch und wird von dem 288,4 Meter hohen und weithin sichtbaren Sendeturm Torre de Collserola überragt. Der höchste Punkt der Stadtmitte ist der 12 Meter hohe Mont Taber, auf dem die Kathedrale gebaut ist. Die Stadt ist von kleinen, meist bebauten Hügeln durchzogen, die den auf ihnen errichteten Vierteln den Namen gaben: Carmel (267 Meter), Monterols (121 Meter), Putxet (181 Meter), Rovira (261 Meter) und Peira (133 Meter). Der Berg Montjuïc (173 Meter) liegt im Südwesten und überblickt den Hafen. Auf ihm liegt auch die Festung aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die als Ersatz für die Ciutadella die Stadt kontrollierte. Heute ist die Festung ein Militärmuseum, und der Berg beherbergt einige olympische und kulturelle Einrichtungen sowie bekannte Gärten.

Im Norden grenzt die Stadt an die Gemeinden Santa Coloma de Gramenet und Sant Adrià de Besòs, im Süden an L’Hospitalet de Llobregat und Esplugues de Llobregat, im Südosten liegt das Mittelmeer und im Westen liegen Montcada i Reixac und Sant Cugat del Vallès sowie Cerdanyola del Vallès.

Die Geschichte Barcelonas begann vor 2000 Jahren mit der iberischen Siedlung Barkeno. Ihre leicht zu verteidigende Lage auf einer Küstenebene zwischen dem Collserola-Kamm und dem Mittelmeer auf dem Weg von Mitteleuropa zur Iberischen Halbinsel hat die Bedeutung dieser Stadt durch alle Zeiten sichergestellt.

Über die Ursprünge von Barcelona ist nur wenig bekannt. Aus der Zeit vor der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer finden sich auf der Ebene Barcelonas Artefakte aus der Jungsteinzeit und der Kupfersteinzeit. Später, im dritten und zweiten vorchristlichen Jahrhundert, wurde die Landschaft von den Laietani, einem iberischen Volk, besiedelt, die in Barkeno am Táber-Hügel (die heutige Ciutat Vella) und in Laie (oder Laiesken) am Montjuïc lebten. In beiden Siedlungen wurden Münzen geprägt, die heute noch erhalten sind. Um dieselbe Zeit wurde eine kleine griechische Kolonie namens Kallipolis in der Region errichtet, deren genaue Lage jedoch unbekannt ist. 218 v. Chr., am Beginn des Zweiten Punischen Krieges, wurde die Gegend von den Karthagern unter der Führung Hannibal Barkas’ erobert. Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Nordgrenze der karthagischen Territorien am Ebro, also 150 Kilometer südlich. Diese militärische Besetzung wird oft als Gründung von Barcelona bezeichnet.

Es gibt zumindest zwei weitere Versionen über die Gründung Barcelonas, die ihren Ursprung bei Historikern aus dem fünfzehnten Jahrhundert haben. Eine schreibt die Gründung dem karthagischen General Hamilkar Barkas, dem Vater Hannibals, zu. Er soll die Stadt um 230 vor Christus als Barkenon, Barcelino oder Barci Nova gegründet haben. Wegen der Namensähnlichkeiten der karthagischen Dynastie Barkas und der heutigen Stadt wird angenommen, dass der Name Barcelona auf die Gründung oder Eroberung dieser Siedlung durch die Dynastie der Barkas zurückgehen könnte.

Die zweite Version (zweifellos aus dem Reich der Mythen) behauptet, dass der Halbgott Herakles die Stadt um 1153 vor Christus gegründet hat (also rund 400 Jahre vor der Gründung Roms). Während der vierten seiner Arbeiten schloss sich Herakles Jason und den Argonauten bei ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies an, die in neun Schiffen das Mittelmeer bereisten. Als eines der Schiffe wegen eines Sturmes an der katalanischen Küste verloren ging, machte der Held sich auf die Suche danach und fand es bei einem kleinen Hügel, zwar zerstört aber mit geretteter Mannschaft. Dieser sei von der Schönheit der Gegend so fasziniert gewesen, dass er eine Stadt namens Barca Nona (italienisch Neuntes Schiff) gründete. Dagegen spricht, dass zu dieser Zeit auf der iberischen Halbinsel weder Latein noch die romanischen Sprachen (zu der die Italienische Sprache zählt) gesprochen wurden, die ja erst mit der Verbreitung des Vulgärlateins durch das Römische Imperium viele Jahrhunderte später entstanden.

Es gibt nur wenige Informationen über den Zeitraum zwischen 218 vor Christus bis zur Zeitenwende. Die römische Republik übernahm zunächst die Kontrolle über den Landstrich und eroberte danach die restliche Iberische Halbinsel in den Kantabrischen Kriegen, die unter Augustus 19 vor Christus beendet wurden. Der Nordosten der Halbinsel war die erste Region, die unter römische Kontrolle fiel, und diente daher als Basis zur weiteren Eroberung. Obwohl sich die Römer in Barcino niederließen, war es viel weniger bedeutend als die Hauptstädte Tarraco und Caesaraugusta. Der Name Barcino wurde am Ende der Herrschaft von Augustus, Roms erstem Kaiser, beschlossen. Es war die Kurzform für die 133 vor Christus gegründete Colonia Faventia Iulia Augusta Pia Barcino. Als Kolonie war es dazu ausgesehen, Land für pensionierte Soldaten bereitzustellen. Der römische Geograph Pomponius Mela berichtet von Barcino als eine Anzahl kleinerer Ansiedelungen unter Kontrolle Tarragonas (Taracco). Dennoch erlaubte die strategische Position der Stadt an einem Arm der Via Augusta ihre wirtschaftliche Entwicklung, und sie genoss so Steuerfreiheit.

In der Zeit des Kaisers Augustus hatte Barcino das Aussehen eines castrums (also eines Militärlagers) mit seinen üblichen rechtwinkligen Hauptstraßen, die Cardo in Nord-Süd und die Decumanus in Ost-West Richtung. Das Forum (heute die Placa de Sant Jaume) lag auf dem Mont Taber, der heute die höchste Erhebung des Barri Gòtic ist. Die Mauern erstreckten sich über eine Länge von 1,5 Kilometer und schlossen 12 Hektar ein. Im zweiten Jahrhundert war die Stadt schon zu einem richtigen oppidum gewachsen und hatte eine Bevölkerung von 3500 bis 5000 Menschen. Die Wirtschaft basierte auf der Kultivierung des umliegenden Landes und dem Weinbau. Die archäologischen Funde dieser Periode (Skulpturen, Mosaike, Amphoren) bezeugen eine relativ reiche Bevölkerung, obwohl die Stadt keines der wichtigen öffentlichen Gebäude besaß, wie ein Amphitheater oder einen Circus, die in wichtigeren römischen Städten wie auch Tarragona existierten. Es gab nur ein öffentliches Gebäude, und zwar den Tempel, der Augustus geweiht war und wahrscheinlich am Anfang des ersten Jahrhunderts gebaut wurde. Er war ziemlich groß – gemessen an der Größe Barcinos – 35 Meter lang und 17,5 Meter breit und von korinthischen Säulen umgeben.

Als sich der Niedergang des Imperiums näherte, kam es auch zu ersten germanischen Einfällen um das Jahr 250, worauf die Befestigungsanlagen in den späteren Jahren des dritten Jahrhunderts unter Claudius II. verstärkt wurden. Die neue Doppelmauer war mindestens zwei Meter hoch (an manchen Stellen bis zu acht Meter) und von 78 Türmen gesäumt, die 18 Meter hoch waren. Diese neuen Anlagen waren die stärksten in dieser römischen Provinz und sollten später für die steigende Bedeutung Barcinos im Vergleich zu Tarragona wichtig sein.

Die ersten christlichen Gemeinschaften in der Provinz Tarragonas wurden während des dritten Jahrhunderts gegründet. Die Diözese von Tarragona entstand im Jahr 259, als deren Bischof, der Heilige Fructuós und die Diakonen Augurus und Eulogus auf Befehl Kaiser Valerians getötet wurden. Die christliche Gemeinde von Barcino scheint in der späteren Hälfte des dritten Jahrhunderts aufgebaut worden zu sein. Die Verfolgung der Christen unter Diokletian am Beginn des vierten Jahrhunderts führte zu einem Märtyrer in der Region Barcinos, dem heiligen Cucufato. Angeblich von afrikanischer Abstammung, arbeitete Cucufato in einigen Gebieten der Provinz (Barcino, Egara – heute Terrassa – und Iluro – heute Mataró), bevor er im Castrum Octavium (das heutige Sant Cugat del Valles in der Nähe Barcelonas) gekreuzigt wurde. Die heilige Jungfrau Eulalia soll auch eine Märtyrerin aus Barcelona sein. Das Edikt von Mailand unter Kaiser Konstantin dem Großen (313) gewährte den Christen Religionsfreiheit im römischen Imperium und beendete jedwede Verfolgung. Der erste bekannte Bischof Barcinos war Pretextat (starb um 360), der die Synode von Sofia im Jahr 347 besuchte. Der Heilige Pacia und Lampi (starb 400) folgte ihm nach (310–390). Pacia ist besonders für seine Arbeiten De baptismo („Über die Taufe“) und Libellus exhortatorius ad poenitentium („Über die Buße“) bekannt. Die erste Kirche, die Basilica de la Sant Cruz am Ende der modernen Kathedrale, wurde am Ende des vierten Jahrhunderts gebaut.

Am Ende des fünften Jahrhunderts begann sich der Fall des weströmischen Reiches durch einige schwere Angriffe germanischer Völker abzuzeichnen, die Angriffe auf das Imperium verübten. 410 wurde Rom unter dem Westgoten Alarich I. erobert. Alarichs Stiefbruder und Nachfolger Athaulf führte die westgotischen Truppen nach Südgallien, und nach der Niederlage gegen die römischen Streitkräfte bei Narbona (414) floh er über die Pyrenäen in die Provinz von Tarragona. Athaulf errichtete seinen Sitz in Barcino, wo er von seinen eigenen Truppen 415 ermordet wurde.

Der Tod Athaulfs veränderte die Beziehungen zwischen Römern und Westgoten. Unter Walia (415 bis 419) wurden sie zu Bundesgenossen, um die anderen germanischen Stämme in Spanien zu kontrollieren. Walia war darin so erfolgreich, dass Kaiser Flavius Honorius das Gebiet der Westgoten um die Provinzen von Aquitania und Gallia Narbonensis erweiterte. Walia hatte seinen Sitz in Tolosa (heute Toulouse). Barcino blieb jedoch ein bedeutendes Zentrum des westgotischen Königreichs, aufgrund seiner hervorragenden Verteidigungsmauern.

Nach dem Tod von Alarich II. in der Schlacht von Vouillé gegen die Franken (507) machte sein Nachfolger Gesaleic (507 bis 511) Barcino zur Hauptstadt seines Reiches. Barcino kehrte zu seiner Rolle als Provinzstadt mit der Erhebung Toledos zur Hauptstadt unter Leovigildus 573 zurück. Die Westgoten stellten nur eine Minderheit der städtischen Bevölkerung dar, hatten jedoch die Machtpositionen inne. Die ersten Herrscher waren zunächst Arianer, tolerierten jedoch, dass die meisten Einwohner katholisch waren. Das religiöse Zentrum wechselte von der Basílica de la Santa Cruz (die zu einem arianischen Tempel wurde) zu der Kirche Sant Just. Katholische Konzilien wurden 540 unter Bischof Nebridi und 599 unter Ugern in der wiedergeweihten Basilica abgehalten. Zweifellos war die damals gesprochene Umgangssprache Vulgärlatein, das auch von den westgotischen Herrschern angenommen wurde. Langsam veränderte sich das lateinische Barcino (zum Beispiel Barcinone, Barcinonem, Barcinonam, Barchinona).

Die Truppen der Mauren erreichten die iberische Halbinsel im Jahr 711. Nach der Zerstörung Tarragonas im Jahr 717 ergab sich Barcelona und wurde dadurch vor größerer Zerstörung bewahrt. Die Herrschaft der Mauren in Barcelona dauerte weniger als ein Jahrhundert. Die Kathedrale wurde in eine Moschee umgewandelt, und die Steuern für Andersgläubige wurden erhöht.

Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, eroberte 801 Barcelona nach einer mehrmonatigen Belagerung. Die Stadt sollte die südlichste seiner Eroberungen von den Mauren sein, da er in Tortosa und bei den Flüssen Llobregat und Cardener zurückgeschlagen wurde. Diese Grenzregion wurde als Spanische Mark bezeichnet. Sie wurde von mehreren Grafen verwaltet, die vom König eingesetzt wurden. Barcelona wurde zum Sitz eines Grafen. Die ersten karolingischen Grafen Barcelonas waren nur wenig mehr als königliche Beamte, doch im Lauf der Zeit gewann ihre Position an Macht und Unabhängigkeit von der Zentralgewalt und den schwachen karolingischen Königen. Außerdem wurden mehrere Gebiete einem Grafen zugeteilt.

Der letzte Graf Barcelonas, der von den Karolingern eingesetzt wurde, war Wilfried I., der Haarige. Davor war er schon Graf von Cerdanya und Urgell gewesen und erhielt 878 die Grafschaften von Barcelona, Girona und Besalú. Als er 897 starb, wurden Wilfrieds Besitztümer unter seinen zwei Söhnen Wilfried II. und Miro dem Jüngeren aufgeteilt, was die Einführung des Erbadels in der Spanischen Mark bedeutete.

Wilfried II. war der letzte Graf, der dem karolingischen Hof Treue schwören musste, obwohl das Lehen eigentlich erst 1258 im Vertrag von Corbeil abgeschafft wurde. Die Vorherrschaft der Grafen von Barcelona unter den Herrschern der Spanischen Mark war zum Teil die Folge ihrer militärischen Fähigkeiten, wodurch es ihnen gelang, weitere Territorien von den maurischen Herrschern zu erobern. Sie versuchten außerdem, wieder Einwohner im Inland anzusiedeln, dessen Bewohner durch zwei Jahrhunderte Krieg dezimiert worden waren. Barcelona mit seinen leicht zu verteidigenden und exzellenten Wehranlagen blühte durch die steigende Macht seiner Herrscher auf, während die anderen Grafschaften nur wenig vielversprechende Aussichten hatten.

Durch den Ehevertrag zwischen Ramon Berenguer IV., Graf von Barcelona, und der erst einjährigen Petronella, Erbin der Krone Aragoniens, entstand 1137 aus Aragonien und den im 12. Jahrhundert mit Katalonien weitgehend identischen Ländern der Grafen von Barcelona eine Staatsgemeinschaft, die als „Krone Aragonien“ bekannt ist. Durch weitere dynastische Verbindungen sowie Eroberungen wurde sie im Hoch- und Spätmittelalter zur führenden Macht des westlichen Mittelmeerraumes. Ihr wirtschaftliches und kulturelles Zentrum war der katalanische Teil der Staatsgemeinschaft, das Prinzipat Katalonien, dessen Handelsflotte den westlichen Mittelmeerraum beherrschte und Handelsvertretungen in zahlreichen Häfen hatte. Barcelona war zu jener Zeit bereits die größte Ansiedelung Kataloniens und eine wichtige Einkommensquelle des Landes.

Die Hochzeit von Ferdinand II. von Aragonien mit Isabella I. von Kastilien im Jahr 1469 vereinigte die zwei Königsgeschlechter Spaniens. Dadurch verlagerte sich das politische Zentrum nach Madrid und degradierte die einstige Krone Aragonien zur Provinz. Darüber hinaus musste Barcelona, wie viele spanische Städte am Mittelmeer, einen gewaltigen Handelsrückgang und Bedeutungsverlust durch die Entdeckung Amerikas hinnehmen.

Im Konflikt zwischen Spanien und Frankreich Mitte des 17. Jahrhunderts ergriff Katalonien Partei für Frankreich, saß jedoch dann beim Friedensschluss von 1659, dem Pyrenäenfrieden, zwischen allen Stühlen und wurde zweigeteilt: Die katalanischen Gebiete nördlich der Pyrenäen (Nordkatalonien) gingen an Frankreich verloren.

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1700–1713), in dem es um die Thronfolge nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Karl II. ging, ergriff Katalonien Partei für den Habsburger Thronprätendenten Erzherzog Karl und gegen den Bourbonen Philipp von Anjou – später als Philipp V. bekannt. Nach der Belagerung von 1705 zog Karl in die Stadt ein. Der im Frieden von Utrecht als Sieger hervorgegangene Philipp V. bestrafte Katalonien dafür hart: 1714 wurde Barcelona von französischen Truppen erobert und besetzt, und die katalanischen Institutionen wurden aufgelöst, womit die katalanische Selbstverwaltung endete.

Die Stadt war im 19. Jahrhundert Schauplatz mehrerer Aufstände. Unter anderem kam es im November 1842 zu Protesten gegen die von der spanischen Regierung auferlegten Belastungen. In der Stadt gewannen die Aufständischen die Oberhand, das Militär zog sich auf die Festung am Montjuïc zurück. Auf Befehl von Regent Baldomero Espartero begann am 3. Dezember 1842 ein Beschuss der Stadt, der 12 Stunden dauerte. Er führte zu erheblichen Zerstörungen und kostete etwa 100 Menschen das Leben. Am Tag darauf ergaben sich die Rebellen und wurden entwaffnet.[2]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung und wurde ein Zentrum der industriellen Entwicklung Spaniens, wodurch Reichtum und politischer Einfluss in die Region zurückkehrten. Gleichzeitig entwickelte sich Barcelona im Zuge der Industrialisierung und der extremen sozialen Unterschiede zwischen der Großbourgeoisie und der Arbeiterschaft zu einer Stadt, in der der spanische Anarchismus besonders viele Anhänger fand. Sie war in den 1890er Jahren Schauplatz zahlreicher anarchistischer Anschläge. So verübte hier am 24. September 1893 der Anarchist Pallas ein Bombenattentat auf Arsenio Martínez-Campos, bei dem mehrere Personen getötet und verwundet wurden.[3] Pallas wurde am 5. Oktober vor ein Erschießungspeloton gestellt.[4] Um seine Hinrichtung zu rächen, wurde am 7. November bei einer Vorstellung im Gran Teatre del Liceu ein weiteres Attentat verübt, bei dem 23 Personen getötet und etwa 40 verletzt wurden.[5]

Nach Abriss der mittelalterlichen Stadtmauern 1854-1856 wurde der neue Stadtbezirk Eixample (wörtlich: „Ausdehnung“) geplant und angelegt. Der Verfasser des städtebaulichen Entwurfes war Ildefons Cerdà, der ein isomorphes Raster vorschlug, welches bis heute den Stadtraum prägt. 1888 war Barcelona Gastgeber der Weltausstellung, die zu einer großen Ausdehnung der Stadtfläche vom Parc de la Ciutadella bis zu Barceloneta führte. 1897 wurden sechs umliegende Ortschaften, darunter Gràcia und Sants, eingemeindet. Der Wohlstand der Stadt führte auch zu ihrer Wiedergeburt als kulturelles Zentrum. Mit der Exposición Internacional de Barcelona wurde 1929 eine zweite große internationale Ausstellung organisiert, die zur Urbanisierung der Gegend um die Plaça d’Espanya und zum Bau der U-Bahn führte.

Nach dem Wahlsieg der spanischen Linken, die sich 1936 zum Frente Popular (zur „Volksfront“) zusammengeschlossen hatte, sollte Barcelona Austragungsort einer Volksolympiade werden, einer Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen von Berlin im nationalsozialistischen Deutschland. Mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 mussten die Wettkämpfe jedoch abgesagt werden. Einige der Athleten schlossen sich in der Folge den sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Milizen zur Verteidigung der spanischen Republik an, die eine Keimzelle der späteren Internationalen Brigaden wurden.

In Barcelona, einer Hochburg republikanischer Kräfte, wurden die aufständischen Truppen schnell von Milizen und regierungstreuen Verbänden der Guardia Civil zerschlagen. 1937 kam es in der Stadt dann aber zu einer bewaffneten Auseinandersetzung innerhalb des republikanischen Lagers, zwischen Anarchisten und Linksmarxisten einerseits und Kommunisten und Sozialisten andererseits – den sogenannten Maiereignissen von Barcelona, einem Bürgerkrieg im Bürgerkrieg, der erst nach Tagen und hunderten von Todesopfern beendet werden konnte.

Im Jahr 1938 war Barcelona das Ziel zahlreicher schwerer Luftangriffe durch die Aufständischen, an denen sich auch deutsche Flugzeuge der Legion Condor beteiligten. Mit dem nahenden militärischen Zusammenbruch der zweiten Republik erreichten die nationalistischen Verbände Ende 1938 die Grenzen der Stadt, die am 26. Januar 1939 unter die Kontrolle der Truppen Francos fiel.

Unter Franco

Der massive Widerstand Barcelonas gegen den Putsch Francos hatte nach der Niederlage der republikanischen Regierung verheerende Folgen für Katalonien. Die autonomen Institutionen der Region – wie die Generalitat de Catalunya – wurden abgeschafft und der Gebrauch der katalanischen Sprache in der Öffentlichkeit, der Ausbildung und dem Verlagswesen unterdrückt, wodurch Barcelona seine Rolle als politisches und kulturelles Zentrum einbüßte. Dennoch blieb es eines der wirtschaftlichen und industriellen Zentren des Landes und zog in den folgenden Jahrzehnten viele Immigranten aus ärmeren spanischen Regionen an (vor allem aus Andalusien und Galicien). Der Anstieg der Einwohnerzahl führte zu einer beschleunigten Urbanisierung, zur Entwicklung des U-Bahn- und Straßennetzes, aber auch zum Bau großer Schlafstädte am Stadtrand. Darüber hinaus verstärkte die Zuwanderung spanischsprechender Bevölkerungsschichten die vom Franco-Regime betriebene Zurückdrängung der katalanischen Kultur in Barcelona, eine Entwicklung, von der sich die Stadt nach Ende der Franco-Ära zügig erholte.

Der Tod Francos im Jahr 1975 führte zu einer Demokratisierungsbewegung in Spanien, der Transición, die insbesondere auch in Katalonien breite Unterstützung fand. Im Jahr 1977 kam es in Barcelona zu einer Großdemonstration mit über einer Million Menschen, die im Zuge der politischen Erneuerung Spaniens die Wiederherstellung der katalanischen Autonomie forderten. Diese wurde bereits kurz darauf mit der Rückkehr von Josep Tarradellas – des Präsidenten der Generalitat im französischen Exil – und dem Gesetz zum Autonomiestatut Kataloniens, dem Estatut de Autonomia, wieder eingerichtet.

Die Entwicklung Barcelonas wurde in den folgenden Jahren durch zwei bedeutende Ereignisse gefördert: den Beitritt Spaniens zur EU 1986 und die Olympischen Sommerspiele 1992. Die Stadt entwickelte sich zu einem beliebten Touristenziel mit stetig ansteigenden Besucherzahlen. Da viele Familien aus der dicht bebauten Innenstadt in die Vororte zogen, sank die Bevölkerungszahl in den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts um 17 Prozent, stieg seit der Jahrtausendwende auf Grund einer starken Zuwanderung (vor allem aus EU-Staaten, Lateinamerika und Marokko) jedoch wieder an. Die städtebauliche Entwicklung der Stadt ist in den letzten Jahren von zahlreichen Großprojekten gekennzeichnet, die eine Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensqualität zum Ziel haben, wie zum Beispiel der Sanierung der Strände, dem Neubau des Viertels Diagonal Mar anlässlich des Internationalen Forums der Kulturen 2004 und dem Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke AVE von Madrid über Saragossa und Barcelona nach Frankreich.

Bürgermeister der Stadt ist seit dem 1. Juli 2011 Xavier Trias i Vidal de Llobatera (CiU).

Das Zentrum der Stadt bildet als Verkehrsknotenpunkt die Plaça de Catalunya, von hier aus sind zu Fuß die römischen Ruinen, die mittelalterliche Stadt und die moderne Planstadt Eixample zu erreichen, die für ihre quadratischen Häuserblocks mit den abgeschrägten Ecken (kat. Xamfrans) und den vielen Modernisme-Bauten bekannt ist. Vom Plaça de Catalunya aus zieht sich der Passeig de Gràcia, eine große Einkaufsmeile, in Richtung Norden. Hier findet man neben zahlreichen spanischen Fillialisten auch exklusive Boutiquen. Darüber hinaus befinden sich dort mit dem Casa Milà und dem Casa Batlló zwei bekannte Bauwerke des Architekten Antoni Gaudí.

Im historischen Stadtkern, dem Barri Gòtic (‚Gotisches Viertel‘), stehen zahlreiche schöne architektonische Zeugnisse der mittelalterlichen Königs- und Handelsstadt wie La Catedral, die Kathedrale der heiligen Eulàlia, der Königsplatz (Plaça del Rei), das Frederic-Marés-Museum und das Rathaus (Ajuntament). Die bekannteste Straße Barcelonas ist die Flaniermeile La Rambla (oder Mehrzahl kat. Les Rambles), eine breite Allee, die vom Zentrum bis zum Hafen führt. Dort finden sich zahlreiche Blumen- und Vogelverkäufer, Zeitungskioske, Straßenmusikanten, Akrobaten, Cafés und Restaurants sowie der bekannte Markt Mercat de la Boqueria und der Plaça Reial mit seinen Arkaden und Palmen sowie typische Lokale und das weltberühmte Opernhaus Gran Teatre del Liceu. Am hafenabgewandten Ende der Rambles befindet sich der Trinkbrunnen Font de Canaletes, dem nachgesagt wird, dass jeder, der einmal daraus getrunken hat, immer wieder nach Barcelona zurückkehrt.

Am südlichen Ende der Rambla steht auf der Plaça Portal de la Pau eine Statue von Christoph Kolumbus mit ausgestrecktem Arm, der aufs Meer hinaus zeigt, die gedachte Linie geht knapp an Mallorca vorbei und trifft als nächstes Festland Algerien. Ganz in der Nähe der Statue befinden sich am Alten Hafen, dem Port Vell, auch die mittelalterlichen Schiffswerften, die Drassanes (Drassanes Reials = königliche Werften), die heute das Schifffahrtsmuseum Museu Marítim beherbergen. Es erzählt die Geschichte der katalanischen Seefahrt im Mittelmeerraum und stellt unter anderem den 1:1-Nachbau der Galeere Real, des Flaggschiffs des Don Juan d’Austria bei der Seeschlacht von Lepanto (1571), aus.

Der Hafen beherbergt das moderne Freizeitzentrum und Einkaufszentrum Maremagnum, das nebst zahlreichen Diskotheken, Boutiquen, Kinos (unter anderem ein IMAX-Kino) auch das größte dem Mittelmeer gewidmete Ozeanarium enthält. Barcelona wurde von seinen Bewohnern selbst bis zu den Olympischen Sommerspielen 1992 als „die Stadt mit dem Rücken zum Meer“ (Katalanisch: „la ciutat d’esquena al mar“) tituliert. Industriegebiete versperrten Sicht und Zugang zum Meer. Im Zuge der Organisationsmaßnahmen für die Olympischen Spiele 1992 standen dann genügend Gelder zur Verfügung, um die Innenstadt im Bereich des alten Hafens und des nord-östlich angrenzenden Küstenstreifens über den alten Fischerstadtteil Barceloneta hinaus mit einem breit angelegten, attraktiven Strand gegenüber dem Meer zu öffnen. Eine ältere Sehenswürdigkeit stellt die Hafenseilbahn Barcelona dar, welche den Torre Jaume I mit dem Torre Sant Sebastià verbindet und bis auf den Montjuïc hinauffährt.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Barcelona eine eigene Form des Jugendstils, der Modernisme. Ihr prominentester Vertreter ist Antoni Gaudí, der in Barcelona gelebt und unterstützt durch den Industriellen Eusebi Güell gearbeitet hat. Von ihm sind etliche berühmte Gebäude zu besichtigen. Dazu zählen unter anderen die
Casa Milà (La Pedrera)
Palau Güell
Park Güell
Casa Batlló
Casa Vicens
Casa Calvet und
die noch unvollendete Kirche Sagrada Família, an der seit 1882 gebaut wird.

Seit 1984 beziehungsweise 2005 gehören diese Bauwerke zum Weltkulturerbe der UNESCO. Seit 1997 kann Barcelona mit zwei Bauten von Lluís Domènech i Montaner weitere Welterbe-Stätten aufweisen. Dabei handelt es sich um das Hospital de Sant Pau und den Palau de la Música Catalana.

Wichtige Museen der Stadt sind das Museum Fundació Joan Miró, das Museu Picasso mit zahlreichen, weniger bekannten Werken von Pablo Picasso, das Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC), das bedeutende romanische Wandmalereien und andere mittelalterliche Kunstwerke enthält, und das von Richard Meier entworfene Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA).

Architektonisch interessant sind der von Sir Norman Foster entworfene Fernsehturm Torre de Collserola, der Torre Telefónica von Santiago Calatrava sowie der erst im Jahre 2004 fertig gestellte futuristische Torre Agbar mit 142 Meter Höhe, der von dem französischen Architekten Jean Nouvel geplant wurde. Zur Weltausstellung 1929 entwarf Ludwig Mies van der Rohe den deutschen Pavillon, der zum Ende der Weltausstellung abgerissen, dann jedoch 1983 bis 1986 wieder am Fuße des Montjuïc rekonstruiert wurde, unterhalb des Poble Espanyol, eines Kleinspanien, das ebenfalls Teil des damaligen Weltausstellungsgeländes war. Großer Beliebtheit bei Besuchern erfreut sich die ebenfalls am Montjuïc gelegene Font Màgica, eine Springbrunnenanlage mit Fontänen, die in den Sommermonaten abends zu Musikuntermalung gesteuert und beleuchtet werden. Interessant auch der städtische Friedhof Cementiri de Montjuïc am Südrand des Montjuïc mit Gräbern berühmter Söhne und Töchter der Stadt, darunter die von Francesc Ferrer i Guàrdia und der anarchistischen und antifaschistischen Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg Francisco Ascaso und Buenaventura Durruti.

Östlich des Barri Gòtic finden sich der Triumphbogen Arc de Triomf und der Parc de la Ciutadella, der zur Weltausstellung 1888 hier an Stelle einer abgerissenen Festung angelegt wurde. Ein Teil des Parks wird vom Zoologische Garten (Parc Zoológic) eingenommen

Veranstaltungen [Bearbeiten]
1888: Weltausstellung
1929: Weltausstellung, zusammen mit Sevilla
1982: Fußball-Weltmeisterschaft u. a. ausgetragen im Camp Nou und im Estadio Sarriá
1988: Hinspiel des Finales des UEFA-Pokal 1987/88
1989: Endspiel des Europapokal der Landesmeister 1988/89
1992: Olympische Sommerspiele in Barcelona
1999: Endspiel der UEFA Champions League 1998/99
2004: Von Mai bis September das Internationale Forum der Kulturen
2010: Leichtathletik-Europameisterschaften

Hausbesetzerszene [Bearbeiten]

Besetztes Haus Can Vies in Barcelona-Sants
In Barcelona gibt es seit vielen Jahren eine der aktivsten Hausbesetzerszenen Europas.[7] Eine wesentliche Ursache hierfür liegt in der Tatsache, dass über 80 Prozent der Wohneinheiten Barcelonas Eigentumswohnungen sind – und somit für Jugendliche und junge Erwachsene unbezahlbar.

Im Jahr 2000 waren rund 70 Häuser im Raum Barcelona besetzt, vor allem in den zentral gelegenen Stadtteilen Sants und Gràcia. Heute ist von bis zu 200 die Rede, von denen allerdings nur rund ein Viertel als Sozial-, Kultur- und Veranstaltungszentren – also als offene Häuser – geführt werden.[8][9] In diesen finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die auch in einem gemeinsam geführten, wöchentlich aktualisierten und öffentlich ausgehängten Terminkalender bekannt gegeben werden sowie im Internet abrufbar sind.[10]

Religion [Bearbeiten]

Mit etwa 90 % ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung römisch-katholisch, die restlichen 10 % bilden Protestanten, Juden und Muslime.[11]

Verkehr [Bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr [Bearbeiten]

U-Bahn-Station Espanya

Bicing Mietfahrräder
Barcelona ist ein wichtiger Knotenpunkt der RENFE, der spanischen Staatseisenbahnen. Die wichtigste Station für Vorortzüge ist Sants-Estació. Die AVE-Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona ging 2008 vollständig in Betrieb und ab 2013 verkehren Hochgeschwindigkeitszüge auch nach Frankreich.[12] RENFE und die katalanische Staatsbahn Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC) betreiben ein weitverzweigtes S-Bahn-Netz (genannt Rodalies).

Der Verkehrsbetrieb von Barcelona, Transports Metropolitans de Barcelona (TMB), ist der Betreiber eines sehr dichten Netzes von U-Bahnen und Bussen. Barcelona besitzt seit 2004 auch wieder zwei verschiedene, noch nicht miteinander verbundene Straßenbahnnetze, genannt Trambaix und Trambesòs. Diese werden in den nächsten Jahren durch die Mitte Barcelonas miteinander verbunden und ausgebaut (zurzeit in Planung). Das alte Straßenbahnnetz wurde 1971 geschlossen.

Seit dem Jahr 2007 gibt es mit bicing auch ein Netz von Fahrrad-Mietstationen. Diese können allerdings nur von Personen genutzt werden, die in Spanien gemeldet sind, da man sich vorher auf der entsprechenden Website registrieren muss und nur eine spanische Adresse akzeptiert wird. Es gibt aber viele Fahrradverleih-Shops in der Nähe des Placa Catalunya. Darüber hinaus können in der Innenstadt auch Touren mit dreirädrigen Fahrrädern von privaten Anbietern gebucht werden.

Das außerstädtische Bahnnetz beschränkt sich nicht nur auf die RENFE, sondern speziell fürs Hinterland hinter dem Tibidabo sind die Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya zuständig.

Individualverkehr [Bearbeiten]

Das Autobahnnetz rund um Barcelona ist außerordentlich dicht und (außer einem Teilstück der C-16 Richtung Terrassa) nicht mautpflichtig. Das Straßennetz hat in der Innenstadt eine Schachbrett-Struktur. Eine der wichtigsten Straßen ist die Avinguda Diagonal, die sich quer durch die ganze Stadt zieht. Barcelona hat allerdings erhebliche Probleme mit der Verkehrsdichte, d. h. Staus sind in der Innenstadt eher die Regel als eine Ausnahme.

Ein beträchtlicher Teil des Straßennetzes ist als ein System von Einbahnstraßen angelegt, mit abwechselnd entgegengesetzter Richtung.

In der Innenstadt sind die Parkräume sehr begrenzt und die vielen Tiefgaragen nur für PKW brauchbar. Entsprechend sind die Parkgebühren überdurchschnittlich hoch. Ein Park-and-ride-Angebot ermöglicht das Parken außerhalb der Stadt als Alternative.

Flughafen [Bearbeiten]

Barcelona ist hauptsächlich über den eigenen Flughafen El Prat, jedoch auch über die Flughäfen von Girona, Reus und Lleida-Alguaire einfach zu erreichen. Alle Flughäfen außerhalb von Barcelona haben einen Zugang zum Hochgeschwindigkeitszug AVE, um Barcelona (Stadt) schnell zu erreichen, sowie Zugänge zu Autobahnen zu der katalanischen Hauptstadt.

Hafen [Bearbeiten]

Kolumbus-Säule und Hafenamt

Blick auf den Hafen von Barcelona vom Montjuïc aus
Der Hafen von Barcelona ist einer der größten Häfen Europas und des Mittelmeeres. Er ist unterteilt in drei Bereiche: den Port Vell (‚Alten Hafen‘), den großen Industriehafen unterhalb des Hausberges Montjuïc, den Port Franc de Barcelona – hier verkehren die Fähr- und Kreuzfahrtschiffe, aber auch Containerschiffe – und den kleinen, 1992 gebauten Yachthafen Port Olímpic (‚Olympiahafen‘).[13]

Bildung [Bearbeiten]

Barcelona hat fünf öffentliche Universitäten:
Universitat de Barcelona (UB) (gegr. 1450)
Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) (gegr. 1968)
Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) (gegr. 1971)
Universitat Pompeu Fabra (UPF) (gegr. 1990)
Universitat Oberta de Catalunya (UOC) (gegr. 2000)

Dazu kommen noch diverse private Hochschulen (siehe auch Liste der Universitäten in Barcelona).

Bildungswesen für Immigranten und Austauschstudenten [Bearbeiten]

Barcelona beherbergt viele deutsche Immigranten und verfügt deshalb auch über die Deutsche Schule Barcelona[14], an der die allgemeine Hochschulreife nach bayerischem Lehrplan erworben werden kann. Ebenfalls findet man in Barcelona eine Schweizer Schule[15], an welcher alle Schulstufen bis und mit Gymnasium angeboten werden.

Für ein Auslandssemester in Barcelona, zum Beispiel an der Universitat Politècnica de Catalunya oder der Universitat Autònoma de Barcelona (in Cerdanyola del Vallès), ist die Kenntnis der katalanischen Sprache von Vorteil, da die meisten Lehrveranstaltungen auf Katalanisch gehalten werden. Es werden allerdings auch Vorlesungen auf Spanisch sowie Französisch und immer mehr auf Englisch angeboten.

Das Olympiastadion Lluís Companys
Sport [Bearbeiten]

Der bedeutendste Sportverein ist der FC Barcelona, dessen Stadion Camp Nou gleichzeitig das größte Stadion Europas ist. Der Sportverein von Espanyol Barcelona, der bis 2009 im Olympiastadion auf dem Montjuïc spielte und nun in das neu errichtete Estadi Cornellà-El Prat im Stadtteil Cornellà umgezogen ist, ist der zweitgrößte Sportverein in Barcelona. Des Weiteren finden seit 1991 regelmäßig Formel-1-Rennen auf dem Circuit de Catalunya nördlich von Barcelona statt. Die Handball-Sparte des FC Barcelona ist die bis heute erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt, sie gewann unter anderem achtmal die Champions League. Die Heimspiele werden im Palau Blaugrana ausgetragen, einer 8250 Zuschauer fassenden Arena. Barcelona gilt zudem als „Mekka für Skateboarder“, es finden in der Stadt regelmäßig Skateboarding-Veranstaltungen statt.

Natürlich darf auch ein Land nicht fehlen:

Frankreich:

Frankreich (amtlich Französische Republik, frz. République française, Kurzform (la) France?/i [fʀɑ̃s]) ist ein demokratischer, zentralistischer Einheitsstaat in Westeuropa mit Überseeinseln und -gebieten auf mehreren Kontinenten. Metropolitan-Frankreich erstreckt sich vom Mittelmeer bis zum Ärmelkanal und der Nordsee sowie vom Rhein bis zum Atlantischen Ozean. Es wird aufgrund seiner Landesform oft als Hexagone (Hexagon) bezeichnet. Frankreich ist flächenmäßig das größte Land der Europäischen Union und das drittgrößte in Europa, hinter Russland und der Ukraine.

Für eine lange Zeit hatte das Land eine europäische Führungsrolle und Vormachtstellung inne, insbesondere in der zweiten Hälfte des 17. und Teilen des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit besiedelte Frankreich einen Großteil Nordamerikas und bildete während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das zweitgrößte Kolonialreich der Geschichte, zu dem ein Großteil Nordamerikas, Zentral- und Westafrikas, Südostasiens und viele Inseln im Pazifik gehörten.

Die wichtigsten nationalen Leitideen werden in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte zum Ausdruck gebracht. Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt.[8] Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk“. Frankreich ist eines der höchstentwickelten Länder der Erde.[9] Es hat, gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt, die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und die dritthöchste Kaufkraftparität Europas.[6] Das Land genießt einen hohen Lebensstandard sowie Bildungsgrad und besitzt eine der höchsten Lebenserwartungen auf der Erde.[10] Das Gesundheitssystem Frankreichs wurde von der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2000 als das beste weltweit eingestuft.[11] Als meistbesuchtes Land der Welt empfängt Frankreich außerdem rund 79,5 Millionen ausländische Touristen pro Jahr.[12]

Frankreich hat den viertgrößten Rüstungsetat der Welt,[13] die drittstärksten Streitkräfte innerhalb der NATO und die größte Armee der Europäischen Union. Abgesehen davon ist es einer der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und hat als Nuklearmacht die dritthöchste Anzahl an Kernwaffen in der Welt.[14] Das Land ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und der Vereinten Nationen, Mitglied der Frankophonie, der G8, G-20, NATO, OECD, WTO und der Lateinischen Union.

Insgesamt hat das „französische Mutterland“ in Europa, das aufgrund seiner Form als Hexagone (Sechseck) bezeichnet wird, eine Fläche von 547.026 Quadratkilometer. Frankreich hat Meeresküsten im Süden zum Mittelmeer, im Westen und Norden zu Atlantik, Ärmelkanal und Nordsee. Es grenzt im Südwesten an Spanien und Andorra, im Norden und Osten an Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien sowie im Südosten an Monaco. Das Landschaftsbild wird überwiegend von Ebenen oder sanften Hügeln geprägt. In der Südosthälfte ist das Land gebirgig, Hauptgebirge sind die Pyrenäen, das Zentralmassiv, die Alpen sowie im Osten die Vogesen. Der höchste Berg Frankreichs und der Alpen ist der Mont Blanc (4810 Meter).

Als eines der größten Länder Europas weist Frankreich zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedlich geprägte Landschaftsformen aus. Am Ärmelkanal gelegen, zählen die Bretagne, die manchmal auch dem Westen zugeordnet wird, gemeinsam mit der Normandie, der Picardie und dem Nord-Pas-de-Calais (Gebiet um Calais) zum französischen Norden.

Zum Osten gehören die Champagne (mitsamt den Ardennen), Lothringen (mit den Westvogesen), das Elsass (mit der westlichen oberrheinischen Tiefebene und den Ostvogesen), die Franche-Comté (mit dem Französischen Jura) und die Rhône-Alpes (Französische Alpen).

Mit ihrer Lage am Mittelmeer gehören die Provence, die Côte d’Azur (Französische Riviera) und das Languedoc-Roussillon gemeinsam mit der Provinz Midi-Pyrénées (mit den mittleren Pyrenäen) zum Süden Frankreichs.

Am Atlantischen Ozean im Westen liegen Aquitanien, Poitou-Charentes, Pays de la Loire (Länder der Loire) und die Bretagne.

Die Regionen Île-de-France, Burgund, Auvergne, Limousin und Centre liegen in Zentralfrankreich.

Städte [Bearbeiten]

Der mit Abstand wichtigste und größte Ballungsraum ist die Hauptstadt Paris mit über zehn Millionen Einwohnern in der Agglomeration (Region Île-de-France). Die Großräume um Marseille und Lyon haben ebenfalls deutlich mehr als eine Million Einwohner.

Die größten Städte Frankreichs (Stand 1. Januar 2009):

Rang

Name

Stadt[15]
(Einwohner)

Großraum[16]
(Einwohner)

1.

Paris

2.234.105

10.413.386

2.

Marseille

850.602

1.557.950

3.

Lyon

479.803

1.536.974

4.

Toulouse

440.204

871.961

5.

Nizza (frz. Nice)

340.735

941.490

6.

Nantes

282.047

586.078

7.

Straßburg (frz. Strasbourg)

271.708

450.091

8.

Montpellier

255.080

387.155

9.

Bordeaux

236.725

836.162

10.

Lille

226.827

1.015.744

Siehe auch: Liste der Städte in Frankreich

Naturschutz [Bearbeiten]

Frankreich unterhält Naturschutzgebiete verschiedener Kategorien im europäischen Kernland und in den Übersee-Départements. Es sind dies derzeit:
neun Nationalparks mit einer Fläche von etwa 4,5 Millionen Hektar
45 Regionale Naturparks mit einer Fläche von mehr als sieben Millionen Hektar sowie
eine Vielzahl von Schutzzonen, wie Naturreservate (Réserve Naturelle), Natura 2000 – Gebiete der EU und Biosphärenreservate der UNESCO

Bevölkerung [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Franzosen

Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]

Die Bevölkerung Frankreichs wurde für 1750 auf etwa 25 Millionen geschätzt. Damit war es mit Abstand das bevölkerungsreichste Land Westeuropas. Bis 1850 stieg die Einwohnerzahl weiter bis auf 37 Millionen, danach trat eine im seinerzeitigen Europa einzigartige Stagnation des Wachstums ein.[17] Als Ursache hierfür werden der relative Wohlstand und die fortgeschrittene Zivilisation Frankreichs angesehen. Empfängisverhütendes Sexualverhalten wurde praktiziert und war verbreiteter als in anderen Ländern, zugleich war der Einfluss der katholischen Kirche bereits geschwächt. So wuchs die Einwohnerzahl in knapp 100 Jahren nur um drei Millionen: 1940 zählte Frankreich, trotz starker Zuwanderung nach 1918, nur etwa 40 Millionen Einwohner. Diese Bevölkerungsstagnation wird als eine der Ursachen dafür angesehen, dass sich Frankreich während der beiden Weltkriege gegen den dynamischeren Nachbarn Deutschland nur mit großer Mühe behaupten konnte. Noch dazu hatte Frankreichs Armee bereits in den Jahren 1914/18 die relativ höchsten Verluste aller kriegführenden Nationen erlitten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war dann nach langer Zeit wieder ein Geburtenzuwachs und Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen, der zum Teil auch verursacht war durch verstärkte Zuwanderung vor allem aus dem Bereich der früheren französischen Kolonien. Für das Jahr 1990 wurden 56,6 Millionen Einwohner ermittelt, für den 1. Januar 2010 wurde die Bevölkerung einschließlich der Menschen in den Überseegebieten auf 64,7 Millionen geschätzt.[18] Davon entfielen 62,8 Millionen auf die France métropolitaine.[19]

Am 18. Januar 2011 gab das nationale statistische Amt (INSEE) bekannt, dass zum 1. Januar 2011 insgesamt 65.027.000 Menschen in Frankreich lebten. Damit hätte das Land erstmals die 65-Millionen-Marke überschritten.[20]

Die Zuverlässigkeit der Erhebung ist allerdings umstritten: 2004 stellte das INSEE die Methode von einer Totalzählung im Fünf-Jahres-Rhythmus auf permanente Erhebung anhand von Hochrechnung lokaler Daten um. Danach ergaben sich unerklärliche Sprünge in der Bevölkerungsentwicklung. Städte, deren Bevölkerung zuvor kontinuierlich abgenommen hatte, insbesondere Paris, nahmen plötzlich sprunghaft zu. Bei anderen Städten, beispielsweise Nizza und Nîmes, verhielt es sich umgekehrt. Auch in Bezug auf die aktuellen Gesamtzahlen ist das Bild uneinheitlich. Das INSEE selbst wies Ende Juli 2012 auf zwei seiner Internetseiten zum einen 65,35 Millionen, zum anderen 64,304 Millionen aus. Gérard-François Dumont, Professor an der Sorbonne und Herausgeber der Zeitschrift Population et avenir, führt das unter anderem darauf zurück, dass aufgrund von Umzügen manche Personen der Erhebung entgehen, während andere doppelt gezählt werden.[21]

Nach Deutschland nimmt Frankreich in der Europäischen Union den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl ein; weltweit liegt es auf Platz 20. Innerhalb der EU hat Frankreich einen Bevölkerungsanteil von 13 Prozent[22]

Die Bevölkerung wuchs im Jahr 2009 um 346.000 Personen oder 0,5 Prozent. Das Wachstum verlangsamte sich leicht gegenüber den Vorjahren (2006: 0,6%, 2007 und 2008: 0,6%). Die Geburtenbilanz des Jahres 2009 war positiv: es wurden 275.000 Menschen mehr geboren als starben; die Wanderungsbilanz ist ebenfalls positiv: es wanderten 71.000 Menschen mehr zu als aus.[22] Die französische Bevölkerung wird im Durchschnitt älter: Der Anteil der Unter-20-Jährigen ist zwischen 2000 und 2010 von 25,8 Prozent auf 24,7 Prozent gesunken, gleichzeitig nahm der Anteil der Menschen über 65 von 15,8 Prozent auf 16,6 Prozent zu.[22]

2009 wurden 256.000 Ehen geschlossen, nachdem es zehn Jahre zuvor noch mehr als 294.000 waren. Dafür wählten mehr Franzosen den Zivilen Solidaritätspakt als Form des Zusammenlebens. Diese Pacs genannte Partnerschaft wurde 1999 eingeführt; 2009 wurden 175.000 Pacs geschlossen.[22] Das Durchschnittsalter der ersten Ehe lag 2008 für Männer bei 31,6 Jahren und für Frauen bei 29,7 Jahren. Es stieg seit 1999 um fast zwei Jahre.[22] Die Fruchtbarkeitsrate in Frankreich liegt mit 2,0 Kindern pro Frau (2008) europaweit an dritter Stelle nach Irland und Island;[23] sie ist jedoch von drei Kindern pro Frau in den 1960er Jahren gesunken.[24] Die Kindersterblichkeit 2009 betrug 3,8 ‰ nach 4,4 ‰ im Jahr 1999.[22]

Die Lebenserwartung, die um 1750 bei knapp 30 Jahren gelegen war, betrug 1987 72 Jahre für Männer und 80 Jahre für Frauen.[25] Bis 2008 stieg sie auf 84 Jahre für Frauen und 78 Jahre für Männer.[22]

Migration [Bearbeiten]

Aufgrund des langsamen Bevölkerungswachstums kannte Frankreich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Problem des Arbeitskräftemangels. Seit Beginn der Industrialisierung kamen deshalb Gastarbeiter aus den Nachbarländern (Italiener, Polen, Deutsche, Spanier, Belgier) nach Frankreich, etwa in den Großraum Paris oder in die Bergbaureviere und Montangebiete von Nord-Pas-de-Calais und Lothringen. Ab 1880 lebten und arbeiteten somit etwa eine Million Ausländer in Frankreich; sie stellten sieben bis acht Prozent der Erwerbstätigen.[26] Das Phänomen einer Massenauswanderung, das gleichzeitig in Deutschland herrschte, kannte Frankreich nicht. Während des Ersten Weltkrieges waren etwa drei Prozent der Bevölkerung Frankreichs Ausländer, es kam zu ersten ausländerfeindlichen Tendenzen.[26] Bis 1931 wuchs der Ausländeranteil auf 6,6 Prozent; Frankreich behielt bis 1974 eine sehr liberale Einwanderungspolitik bei. Der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 2006 betrug 5,8 Prozent, dazu kommen 4,3 Prozent Français par acquisition, also Menschen, die im Ausland geboren sind und die französische Staatsbürgerschaft bekommen haben.[27]

Starke Verschiebungen hat es bei den Herkunftsländern der Ausländer in Frankreich gegeben. Europäer, vor allem Italiener und Polen, machten 1931 mehr als 90 Prozent der ausländischen Bevölkerung aus.[26] Dieser Anteil lag in den 1970er Jahren nur noch bei etwa 60 Prozent, den stärksten Anteil stellten nun die Portugiesen.[26] Heute sind die meisten Ausländer in Frankreich nordafrikanischen Ursprunges (Algerier, Marokkaner, Tunesier), gefolgt von Südeuropäern (Portugiesen, Italiener, Spanier).[28] In den letzten Jahren kommt ein Großteil der Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien in Subsahara-Afrika und in der Karibik. Die höchste Konzentration von ausländischer Bevölkerung findet sich im Südosten Frankreichs sowie im Großraum Paris.[28]

Bildungswesen [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Bildungssystem in Frankreich und Liste der Bildungsminister von Frankreich

Schulsystem in Frankreich
Die Verfassung der Fünften Französischen Republik definiert, dass der Zugang zu Bildung, Ausbildung und Kultur für alle Bürger gleich zu sein hat und dass das Unterhalten eines unentgeltlichen und laizistischen öffentlichen Schulwesens Aufgabe des Staates ist. Demnach ist das Bildungssystem Frankreichs zentralistisch organisiert, die verschiedenen Gebietskörperschaften müssen jedoch die Infrastruktur bereitstellen. Es koexistieren private und öffentliche Einrichtungen, wobei die größtenteils katholischen Privatschulen in der Vergangenheit mehrmals Gegenstand intensiver politischer Auseinandersetzung waren. Im Gegensatz zu den Schulsystemen der deutschsprachigen Länder liegt in Frankreich mehr Schwerpunkt auf Auslese und Bildung von Eliten, bzw. Ausbildung über Bildung. Seit 1967 herrscht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr.[29]

Der Kindergarten heißt in Frankreich École maternelle und bietet Vorschulerziehung für Kinder ab zwei Jahren an. Er wird von einem hohen Prozentsatz der Kinder besucht. Die Betreuer in den maternelles haben eine Lehrerausbildung. Die École élémentaire ist die Grundschule und dauert fünf Jahre, nach deren Abschluss die Kinder das Collège besuchen, welches einheitlich ist, vier Jahre dauert und welches man mit dem Brevet des collèges abschließt.

Hiernach hat der Jugendliche mehrere Möglichkeiten. Er kann in eine berufsbildende Schule eintreten, die er mit dem Certificat d’aptitude professionelle abschließt; ein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland ist sehr wenig verbreitet. Das Lycée entspricht in etwa dem Gymnasium. Es führt nach zwölf Schuljahren zum Baccalauréat. Mehrere Schulzweige wie naturwissenschaftlich, wirtschaftlich oder literarisch werden unterschieden. Wer ein Lycée professionnel oder ein Centre de formation d’apprentis besucht, kann dies nach 13 Schuljahren mit einem Baccalauréat professionnel abschließen. Im Fremdsprachenunterricht wird eher Englisch und Spanisch gelehrt als Deutsch, das als „Intello-Idiom“ gilt.[30]

Die akademische Bildung wird von der Koexistenz der Grandes écoles und der Universitäten geprägt. Die Grandes écoles haben gegenüber den Universitäten Frankreichs eine höhere Reputation, haben niedrige Studentenzahlen und hohe persönliche Betreuung. Man kann sie meist erst nach dem Besuch der Classe préparatoire besuchen, die in der Regel von Lycées angeboten wird. Zu den bedeutenderen der Grandes écoles gehören die École polytechnique, die École normale supérieure, die École nationale d’administration und die École Centrale Paris. Im Zuge der europaweiten Harmonisierung der Studienabschlüsse im Rahmen des Bologna-Prozess wird auch an französischen Hochschulen das LMD-System eingeführt. LMD bedeutet, dass nacheinander die Licence bzw. Bachelor (nach drei Jahren), der Master (nach fünf Jahren) und das Doktorat (nach acht Jahren) erworben werden können. Die traditionellen nationalen Diplome (DEUG, Licence, Maîtrise, DEA und DESS) sollen im Rahmen dieses Prozesses entfallen. Ende 2009 studierten rund 2,25 Millionen Studentinnen und Studenten an französischen Hochschulen.[31]

Sprachen [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Französische Sprachpolitik und Sprachen in Frankreich

Verteilung der Regionalsprachen
Die französische Sprache entwickelte sich aus dem francien, das im Mittelalter in der heutigen Region Île-de-France gesprochen wurde. Es verbreitete sich in dem Maße, wie die französischen Könige ihr Herrschaftsgebiet ausdehnten. Bereits 1539 bestimmte König Franz I., dass die französische Sprache die einzige Sprache seines Königreiches sein solle. Trotzdem sprach im 18. Jahrhundert nur etwa die Hälfte der Untertanen der französischen Könige französisch.[32] Nach der Revolution wurden die Regionalsprachen aktiv bekämpft; erst im Jahre 1951 erlaubte die Loi Deixonne Unterricht in Regionalsprachen.[33] Auch heute legt Artikel 2 der Verfassung von 1958 fest, dass die französische Sprache die alleinige Amtssprache Frankreichs ist. Sie ist nicht nur die in Frankreich allgemein gesprochene Sprache, sie ist auch Trägerin der französischen Kultur in der Welt. Die in Frankreich gesprochenen Regionalsprachen drohen aufgrund interner Wanderungen und der fast ausschließlichen Verwendung der französischen Sprache in den elektronischen Medien auszusterben. Frankreich hat die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zwar unterschrieben, jedoch nicht ratifiziert. Der Grund dafür liegt darin, dass Teile der Charta mit der französischen Verfassung nicht vereinbar sind. Seit 2008 erwähnt die Verfassung in Artikel 75-1 die Regionalsprachen als Kulturerbe Frankreichs.[34]

Regionalsprachen, die in Frankreich gesprochen werden, sind die romanischen Oïl-Sprachen in Nordfrankreich, die teilweise als französische Dialekte angesehen werden, wie Picardisch, Normannisch, Gallo, Poitevin-Saintongeais, Wallonisch und Champenois, das Franko-Provenzalische im französischen und (west-)schweizerischen Alpen- und Juraraum, Okzitanisch in Südfrankreich, Katalanisch im Département Pyrénées-Orientales, Elsässisch und Lothringisch im Nordosten Frankreichs, Baskisch und seine Dialekte im äußersten Südwesten, Bretonisch im Nordwesten, Korsisch auf Korsika und Flämisch im Norden des Landes. Weiterhin werden in den Überseebesitzungen verschiedenste Sprachen gesprochen wie Kreolsprachen, Polynesische Sprachen oder Kanak-Sprachen in Neukaledonien.

Französisch ist Arbeitssprache bei der UNO, der OSZE, der Europäischen Kommission und der Afrikanischen Union. Um die französische Sprache vor der Vereinnahmung durch Anglizismen zu schützen, wurde 1994 die Loi Toubon verabschiedet. Mit dem Durchführungsdekret von 1996 wurde ein Mechanismus zur Einführung neuer Wörter festgelegt, der von der Délégation générale à la langue française et aux langues de France und der Commission générale de terminologie et de néologie gesteuert wird. Dieses Dekret verlangt, dass die französischen Wörter, die in der Amtszeitung und im Wörterbuch FranceTerme veröffentlicht werden, von öffentlichen Stellen verpflichtend zu gebrauchen sind.

Die Einwanderer verschiedener Nationen, vor allem aus Portugal, Osteuropa, dem Maghreb und dem restlichen Afrika, haben ihre Sprachen mitgebracht. Im Unterschied zu den traditionellen Sprachen konzentrieren sich diese Sprechergemeinden besonders in den großen Städten, sind aber keinem bestimmten geografischen Gebiet zuzuordnen.

Religionen [Bearbeiten]

Frankreich ist offiziell ein laizistischer Staat, das heißt, Staat und Religionsgemeinschaften sind vollkommen voneinander getrennt. Da von staatlicher Seite keine Daten über die Religionszugehörigkeit der Einwohner erhoben werden, beruhen alle Angaben über die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung auf Schätzungen oder den Angaben der Religionsgemeinschaften selbst und weichen deshalb oft erheblich voneinander ab, weshalb auch die folgenden Zahlen mit Vorsicht zu behandeln sind. In einer Umfrage von Le Monde des religions bezeichneten sich 51 Prozent der Franzosen als katholisch, 31 Prozent erklärten, keiner Religion anzugehören, und etwa 9 Prozent gaben an, Muslime zu sein. Drei Prozent bezeichneten sich als Protestanten. Fast alle protestantischen Kirchen in Frankreich, von denen die Reformierte Kirche von Frankreich die mitgliederstärkste ist, arbeiten im Protestantischen Bund von Frankreich zusammen. Ein Prozent bezeichneten sich als Juden. Dies entspricht auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet 32 Millionen Katholiken, 5,7 Millionen Muslimen, 1,9 Millionen Protestanten und 600.000 Juden sowie 20 Millionen Nichtreligiösen. Sechs Prozent machten andere oder keine Angaben. Unter den Katholiken ist laut Umfragen nur ein geringer Teil tatsächlich gläubig und praktizierend, allerdings sind umgekehrt auch Strömungen des katholischen Traditionalismus in Frankreich stark vertreten. Außerdem leben in Frankreich, bedingt durch Zuwanderung aus Osteuropa und dem Nahen Osten, etwa 1 Million Orthodoxe und orientalische Christen, etwa 600.000 Buddhisten sowie eine größere Zahl an Hindus.

Gemäß aktuellen Umfragen glauben 58 Prozent der Franzosen glauben an einen Gott (andere Umfragen beziffern diesen Anteil noch weitaus niedriger); der Anteil der jungen Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ist aber seit 1981 von 31 Prozent auf 42 Prozent gestiegen.[35] Nach einer Studie des PewResearch Center bezeichnet sich nur eine Minderheit von 27 Prozent der Franzosen als „religiös“ und 10 Prozent als „sehr religiös“. Beides sind weltweit die niedrigsten Werte.[36]

Christliche Konfessionen

→ Hauptartikel: Römisch-katholische Kirche in Frankreich, Reformierte Kirche von Frankreich und Protestantischer Bund von Frankreich

Historisch war Frankreich lange Zeit ein katholisch dominierter Staat. Seit Ludwig XI. († 1483) trugen die französischen Könige mit Einverständnis des Papstes den Titel eines roi très chrétien (allerchristlichsten Königs). In der Reformationszeit blieb Frankreich immer mehrheitlich katholisch, auch wenn es starke protestantische Minderheiten (Hugenotten) gab. Diese mussten aber spätestens nach der Bartholomäusnacht 1572 die Hoffnung auf ein protestantisches Frankreich aufgeben. Als der Protestant Heinrich von Navarra Thronerbe Frankreichs wurde, trat er aus politisch-taktischen Gründen zum katholischen Glauben über („Paris vaut bien une messe“, zu Deutsch „Paris ist eine Messe wert“), garantierte aber gleichzeitig im Edikt von Nantes 1598 den Protestanten Sonderrechte und insbesondere Religionsfreiheit. Das Edikt von Nantes wurde 1685 unter Ludwig XIV. wieder aufgehoben, was trotz schwerster Strafandrohungen zu einer Massenflucht der Hugenotten ins benachbarte protestantische Ausland führte. Erst kurz vor der Französischen Revolution erhielten die Protestanten eine begrenzte Glaubensfreiheit zugestanden. Die Französische Revolution hob dann alle Beschränkungen der Glaubensfreiheit auf. Es kam in den Jahren nach der Revolution in der Ersten Französischen Republik zu einer kurzen Phase einer heftigen Kirchenfeindlichkeit, da die katholische Kirche als Vertreterin des ancien régime (alten Regimes) gesehen wurde. Nicht nur die Privilegien der Kirche, sondern sogar der christliche Kalender und Gottesdienst wurden abgeschafft und durch einen Revolutionskalender bzw. einen „Kult des höchsten Wesens“ ersetzt. Unter Napoleon Bonaparte kam es mit dem Konkordat von 1801 aber wieder zu einem Ausgleich zwischen katholischer Kirche und Staat. Unter der bourbonischen Restauration nach 1815 gewannen die katholisch-monarchistische Ideen wieder die Oberhand: So wurden die 1823 zur Niederschlagung der liberalen Revolution in Spanien einfallenden bourbonischen Truppen als die „100.000 Söhne des heiligen Ludwig“ bezeichnet, die Jesuitische Mission in Übersee wurde gefördert. In der Dritten Republik ergab sich erneut ein Konflikt zwischen Kirche und Staat, der in das am 9. Dezember 1905 verabschiedete Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat mündete, in dem die strikte Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben wurde.[37] Dies Gesetz gilt jedoch nicht für das damals deutsche Elsaß-Lothringen. In diesen heutigen drei Départements gilt nach ihrer Angliederung an Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg nach wie vor die Regelung von 1801. Dies führt dazu, dass die dortigen Priester vom französischen Staat bezahlt werden und es kirchliche Feiertage wie im deutschsprachigen Raum gibt.

Judentum und Islam

→ Hauptartikel: Geschichte der Juden in Frankreich und Islam in Frankreich

Die jüdische Gemeinschaft in Frankreich hat eine wechselhafte Geschichte. Seit der Römerzeit lebten Juden in Frankreich. Sie wurden jedoch in zwei Wellen 1306 unter Philipp IV. und 1394 unter Karl VI. vollständig des Landes verwiesen. Über viele Jahrhunderte gab es danach kaum ein jüdisches Leben in Frankreich. Einzige Ausnahme blieben die im 18. und 19. Jahrhundert erworbenen Gebiete im Osten des Landes, insbesondere das Elsass, das lange einen Sonderstatus besaß. Die Französische Revolution gewährte schließlich den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung. Frankreich blieb aber bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Land mit vergleichsweise geringer jüdischer Bevölkerung. Nach dem Ersten, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine starke Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien in Nordafrika sowie aus Osteuropa ein, so dass Frankreich heute das Land Europas mit der größten jüdischen Bevölkerungsgruppe darstellt.

Ebenfalls seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine starke Zunahme des Anteils an Muslimen zu verzeichnen, die auf Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien zurückgeht.

Geschichte [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geschichte Frankreichs

Urgeschichte bis Frühmittelalter [Bearbeiten]

Karte von Gallien zur Zeit Caesars (58 v. Chr.)
Es wird geschätzt, dass das heutige Frankreich vor etwa 480.000 Jahren besiedelt wurde. Aus der Altsteinzeit sind in der Höhle von Lascaux bedeutende Felsmalereien erhalten geblieben. Ab 600 v. Chr. gründeten phönizische und griechische Händler Stützpunkte an der Mittelmeerküste, während Kelten vom Nordwesten her das Land besiedelten, das später von den Römern als Gallien bezeichnet wurde. Die keltischen Gallier mit ihrer druidischen Religion werden heute häufig als Vorfahren der Franzosen gesehen und Vercingetorix zum ersten Nationalhelden Frankreichs verklärt, wenngleich kaum gallische Elemente in der französischen Kultur verblieben sind.

Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Caesar in den Gallischen Kriegen die Region; es wurden die römischen Provinzen Gallia, Gallia Narbonensis, Gallia Belgica und Aquitanien eingerichtet. In einer Periode von Prosperität und Frieden übernahmen diese Provinzen römische Fortschritte in Technik, Landwirtschaft und Rechtsprechung; große, elegante Städte entstanden. Ab dem 5. Jahrhundert wanderten vermehrt germanische Völker nach Gallien ein, die nach dem Zerfall des Römischen Reiches 476 eigene Reiche gründeten. Nach einer vorübergehenden Dominanz der Westgoten gründeten die Franken unter Chlodwig I. das Reich der Merowinger. Sie übernahmen zahlreiche römische Werte und Einrichtungen, u. a. den Katholizismus (496). Im Jahre 732 gelang es ihnen, in der Schlacht von Tours und Poitiers der Islamischen Expansion Einhalt zu gebieten. Die Karolinger folgten den Merowingern nach. Karl der Große wurde 800 zum Kaiser gekrönt, 843 wurde das Frankenreich mit dem Vertrag von Verdun unter seinen Enkeln aufgeteilt; dessen westlicher Teil entsprach in etwa dem heutigen Frankreich.

Mittelalter [Bearbeiten]

Jeanne d’Arc. Anonyme Miniaturmalerei, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts
Das französische Mittelalter war geprägt durch den Aufstieg des Königtums im stetigen Kampf gegen die Unabhängigkeit des Hochadels und die weltliche Gewalt der Klöster und Ordensgemeinschaften. Die Kapetinger setzten, ausgehend von der heutigen Île-de-France, die Idee von einem Einheitsstaat durch, die Teilnahme an verschiedenen Kreuzzügen untermauerten dies. Die Normannen fielen wiederholt in der Normandie ein, die daher ihren Namen bekam; im Jahre 1066 eroberten sie England. Unter Ludwig VII. beginnt eine lange Serie von kriegerischen Auseinandersetzungen mit England, nachdem Ludwigs geschiedene Frau Eleonore von Poitou und Aquitanien 1152 Heinrich Plantagenet heiratet und damit etwa die Hälfte des französischen Staatsgebiets an England fällt. Philipp II. August kann England zusammen mit den Staufern bis 1299 weitgehend aus Frankreich verdrängen; der englische König Heinrich III. (England) muss zudem Ludwig IX. als Lehnsherrn anerkennen. Ab 1226 wird Frankreich zu einer Erbmonarchie; im Jahre 1250 ist Ludwig IX. der mächtigste Herrscher des Abendlandes.

Nach dem Tod des letzten Kapetingers wird 1328 Philipp von Valois zum neuen König gewählt, er begründet die Valois-Dynastie. Die Bevölkerung Frankreichs wird für diese Zeit auf 15 Millionen geschätzt, und das Land verfügt mit der Scholastik, der gotischen und romanischen Architektur über bedeutende kulturelle Errungenschaften. Thronansprüche, die Eduard III. Plantagenet, König von England und Herzog von Aquitanien, erhebt, führen 1337 zum Hundertjährigen Krieg. Nach großen Anfangserfolgen Englands, das den gesamten Nordwesten Frankreichs erobert, kann Frankreich die Invasoren zunächst zurückdrängen. Eine Rebellion Burgunds und die Ermordung des Königs führen dazu, dass England sogar Paris und Aquitanien besetzen kann. Erst der von Jeanne d’Arc entfachte nationale Widerstand führt zur Rückeroberung der verlorenen Gebiete (mit Ausnahme von Calais) bis 1453. Zusätzlich zum Hundertjährigen Krieg rafft die Pest von 1348 etwa ein Drittel der Bevölkerung dahin.

Frühe Neuzeit [Bearbeiten]

Mit der Eingliederung Burgunds und der Bretagne in den französischen Staat befand sich das Königtum auf einem vorläufigen Höhepunkt seiner Macht, wurde jedoch während der Renaissance in dieser Position durch Habsburg bedroht – der habsburgische Kaiser Karl V. beherrschte ein Reich, dessen Länder sich rund um Frankreich gruppierten. Ab 1540 breitete sich durch das Wirken von Johannes Calvin der Protestantismus nach Frankreich aus. Die französischen Calvinisten, genannt Hugenotten, wurden in ihrer Glaubensausübung stark unterdrückt, die Hugenottenkriege und speziell die Bartholomäusnacht im Jahre 1572 führten zur Auswanderung von Hunderttausenden Hugenotten. Erst der erste Herrscher aus dem Hause Bourbon, Heinrich von Navarra, gewährte den Hugenotten im Edikt von Nantes 1598 Religionsfreiheit.

Die Renaissance-Zeit war auch von einer stärkeren Zentralisierung geprägt, der König wurde von der Kirche und dem Adel unabhängig. Es gelang den leitenden Ministern und Kardinälen Richelieu und Jules Mazarin, einen absolutistischen Staat zu errichten. Auf Betreiben Richelieus griff 1635 Frankreich aktiv in den Dreißigjährigen Krieg in Mitteleuropa ein; im Zusammenhang damit kam es zum Krieg gegen Spanien. Im Westfälischen Frieden von 1648 erhielt Frankreich Gebiete im Elsass zugesprochen; das Heilige Römische Reich und Spanien wurden geschwächt. Es begann das Zeitalter der französischen Dominanz in Europa. Alle Herrscher Europas orientierten sich am Vorbild der französischen Kultur, und das Französische wurde zur dominierenden Bildungssprache. Die teuren Kriege und die Adelsopposition führten jedoch zum Staatsbankrott und zum Aufstand (Fronde). Mit dem Edikt von Fontainebleau 1685 wurde die Religionsfreiheit der Hugenotten wieder aufgehoben. Trotz schwerer Strafandrohungen flohen abermals Hunderttausende Hugenotten. Unter Ludwig XIV., dem sogenannten Sonnenkönig, der 1643 als Vierjähriger inthronisiert wurde und bis 1715 herrschte, erreichte der Absolutismus seinen Höhepunkt. In dieser Zeit wurde das Schloss Versailles errichtet.

Zeitalter der Revolutionen [Bearbeiten]

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789
Die Kriege, die die absolutistischen Könige führten (etwa Devolutionskrieg, Holländischer Krieg, Pfälzischer Erbfolgekrieg, Spanischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg, Teilnahme am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg), ihre teure Hofhaltung und Missernten lösten eine große Finanzkrise aus, die König Ludwig XVI. dazu zwang, die Generalstände einzuberufen. Die Nationalversammlung arbeitete eine Verfassung aus, beschränkte die Macht des Königs und beendete das Ancien Régime. Die sich weiter verschlechternden Lebensbedingungen des Volkes führten 1789 zur Französischen Revolution mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte als zentraler Errungenschaft. Die Kirche wurde enteignet und sogar ein neuer Kalender eingeführt. Die 1791 verabschiedete Verfassung machte Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie. Nach der versuchten Flucht des Königs wurde dieser verhaftet und 1793 hingerichtet, die Erste Republik wurde verkündet. Die erste Erfahrung mit republikanischer Herrschaft, die auf dem Gleichheitsprinzip beruhte, endete jedoch im Chaos und der Terrorherrschaft unter Robespierre.

Kaiser Napoleon III. wird König Wilhelm von Preußen übergeben
Napoleon Bonaparte ergriff in dieser Situation 1799 mit einem Staatsstreich die Macht als Erster Konsul; 1804 krönte er sich selbst zum Kaiser. In den folgenden Koalitionskriegen brachte er fast ganz Europa unter seine Kontrolle. Sein Russlandfeldzug 1812 wurde jedoch ein Misserfolg, die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 besiegelte die Niederlage der französischen Truppen. Während des Exils in Elba regierte mit Ludwig XVIII. wieder ein Bourbone, Napoleon kam 1815 zurück und regierte weitere 100 Tage. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Waterloo wurde er endgültig verbannt. Die Restauration brachte wieder die Bourbonen auf den Thron, die daran gingen, das verlorene Kolonialreich wieder aufzubauen. In Frankreich fand gleichzeitig die Industrielle Revolution statt, und eine Arbeiterklasse bildete sich langsam heraus. Die Julirevolution von 1830 stürzte den despotisch regierenden Karl X., der durch den Bürgerkönig Louis-Philippe ersetzt wurde. Eine erneute bürgerliche Revolution brachte Frankreich 1848 die Zweite Republik.

Zum Präsidenten der Zweiten Republik wurde Louis Napoléon Bonaparte gewählt, der sich bereits 1852 als Napoleon III. zum Kaiser krönen ließ. Unter seiner Herrschaft wurde Opposition gewaltsam unterdrückt, außenpolitisch gelangen jedoch Unternehmen wie der Erwerb von Nizza und Savoyen, die Eingliederung von Äquatorialafrika und Indochina ins Kolonialreich und der Bau des Sueskanals. Seine Herrschaft fällt zusammen mit der Nationalstaatsbildung in Deutschland unter Führung des Norddeutschen Bundes. Der Deutsch-Französische Krieg, den Napoleon III. begann, um einen mächtigen Konkurrenten um die Hegemonie in Europa zu verhindern, endete mit einer Niederlage, Wilhelm I. ließ sich im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamieren. Die Pariser Kommune, ein Aufstand, der sich gegen die Kapitulation richtete, wurde mit Gewalt und zahlreichen Todesopfern niedergeschlagen.

Imperialismus, Kolonialismus, Erster und Zweiter Weltkrieg [Bearbeiten]

J’accuse, Paukenschlag von Émile Zola in der Dreyfus-Affäre
Die Dritte Republik währte von 1871 bis 1940. In dieser Zeit dehnte sich das französische Kolonialreich auf eine Fläche von 7,7 Millionen Quadratkilometer aus. Die Industrialisierung Frankreichs führte zu einem Wirtschaftsaufschwung. 1878, 1889 und 1900 veranstaltete Paris drei Weltausstellungen.

Zwischen Frankreich und Großbritannien kam es zu einem Wettlauf um Afrika. Beide Länder praktizierten Imperialismus.[38] Höhepunkt des „Wettlaufs“ war die Faschoda-Krise 1898 zwischen den beiden Ländern. Großbritannien hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Nord-Süd-Gürtel von Kolonien in Afrika zu erobern, vom Kap der Guten Hoffnung bis Kairo (Kap-Kairo-Plan). Frankreich wollte dagegen einen Ost-West-Gürtel von Dakar bis Dschibuti. Die Ansprüche beider Staaten kollidierten schließlich in dem kleinen sudanesischen Ort Faschoda. Frankreich gab letztlich kampflos nach; die beiden Länder steckten im März 1899 ihre Interessengebiete ab (Sudanvertrag). Die Dritte Republik erlebte mit dem Panamaskandal (1889–1893), der Faschoda-Krise und der Dreyfus-Affäre (1894–1905) drei große Krisen innerhalb von zehn Jahren.

Die Römisch-katholische Kirche in Frankreich praktizierte jahrzehntelang eine antimodernistische Haltung; unter anderem deshalb wurde Frankreich – auch im Zuge der Dreyfus-Affäre – zu einem ausgeprägt laizistischen Staat (Gesetz zur Trennung von Religion und Staat im Dezember 1905).

1904 schloss Frankreich mit dem Vereinigten Königreich die Entente cordiale und trat 1914 in den Ersten Weltkrieg mit dem Ziel ein, Elsass-Lothringen zurückzugewinnen und Deutschland entscheidend zu schwächen. Nach dem Krieg war Frankreich zwar auf der Siegerseite, Nordfrankreich war jedoch weitgehend verwüstet. Zu den 1,5 Millionen gefallenen Soldaten kamen 166.000 Opfer der Spanischen Grippe 1918/19.

Die Zwischenkriegszeit war in Frankreich vor allem von politischer Instabilität gekennzeichnet. Im Friedensvertrag von Versailles wurde Deutschland 1919 verpflichtet, hohe Reparationen an die Siegermächte zu leisten. Vor allem der französische Ministerpräsident und Außenminister Poincaré bestand auf einer kompromisslosen und pünktlichen Erfüllung der Leistungen. Französisches Militär nahm Verzögerungen der Lieferungen mehrfach zum Anlass, in unbesetztes Gebiet einzurücken. Zum Beispiel besetzten am 8. März 1921 französische und belgische Truppen die Städte Duisburg und Düsseldorf in der Entmilitarisierten Zone. Wegen der immer größeren wirtschaftlichen Probleme des Deutschen Reiches verzichteten die Alliierten 1922 auf Reparationszahlungen in Form von Geld und forderten stattdessen Sachleistungen (Stahl, Holz, Kohle) ein. Am 26. Dezember stellte die alliierte Reparationskommission einstimmig fest, dass Deutschland mit den Reparationslieferungen im Rückstand war. Als am 9. Januar 1923 die Reparationskommission behauptete, die Weimarer Republik halte absichtlich Lieferungen zurück, nahm Frankreich dies als Anlass zum Einmarsch in das Ruhrgebiet. Poincaré strebte an, Rheinland und Ruhrgebiet eine mit dem Status des Saargebiets vergleichbare Sonderstellung zu geben, bei der die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich nur mehr formal gewesen wäre und Frankreich eine bestimmende Position gehabt hätte. Großbritannien und die Vereinigten Staaten betrachteten diesen fait accompli eher skeptisch. Der Ruhrkampf endete im September 1923; der überschuldete deutsche Staat konnte nur durch eine Währungsreform die Hyperinflation stoppen.

Die ab 1934 regierende Volksfront war vor allem auf Erhaltung des Status quo aus. Dementsprechend schlecht war Frankreich auf den Zweiten Weltkrieg vorbereitet. In ihrem Westfeldzug umgingen die deutschen Truppen die Maginot-Linie und marschierten in ein unverteidigtes Paris ein. Marschall Pétain musste am 22. Juni 1940 den zweiten Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnen. Frankreich wurde in eine zone occupée und eine zone libre geteilt, wobei in Letzterer das von Deutschland abhängige konservativ-autoritäre Vichy-Regime regierte. Bereits kurz nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands bildeten sich Gruppen der Résistance, in London gründete Charles de Gaulle die Exilregierung Freies Frankreich. In der von den Alliierten durchgeführten Operation Overlord wurde Nordfrankreich 1944 zurückerobert, nach der Schlacht um Paris wurde die Stadt im August 1944 unzerstört befreit. Im September bildete de Gaulle eine provisorische Regierung.

Nachkriegszeit und europäische Einigung [Bearbeiten]

Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
Die Verfassung der Vierten Republik war bereits am 13. Oktober 1946 durch einen Volksentscheid beschlossen worden. Frankreich, das sich auf Seiten der Siegermächte wiederfand, wurde zum Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und bekam im Sicherheitsrat ein Veto-Recht. Frankreich erhielt zur Förderung des Wiederaufbaus unter anderem Unterstützungsleistungen aus dem Marshallplan;[39] unter Ökonomen ist umstritten, ob diese volkswirtschaftlich nennenswerte Wirkungen hatten.[40] 1949 war Frankreich Gründungsmitglied der NATO; 1951 wurde mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl der erste Schritt zur Europäischen Integration gesetzt. Im März 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet; zum 1. Januar 1958 wurde die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet, aus der mittlerweile die Europäische Union geworden ist und in der Frankreich ein aktives und dominantes Mitglied ist.

Die Nachkriegszeit ist auch durch den Zerfall des Kolonialreiches geprägt. Der erste Indochinakrieg (1946–1954) endete mit der Schlacht von Điện Biên Phủ und dem Verlust aller französischen Kolonien in Südostasien. Einen noch tieferen Schnitt bedeutete der Algerienkrieg (1954–1962), der mit großer Härte geführt wurde und an dessen Ende Algerien in die Unabhängigkeit entlassen werden musste. Hunderttausende Pied-noirs mussten nach Frankreich rückgeführt werden (siehe auch Dekolonisation Afrikas).

Innenpolitisch wurde die instabile Vierte Republik im Oktober 1958 durch die Fünfte Republik abgelöst, die einen starken, von der Legislative weitgehend unabhängigen Präsidenten vorsieht. Diese Fünfte Republik wurde im Mai 1968 stark erschüttert, was langfristig kulturelle, politische und ökonomische Reformen in Frankreich nach sich zog (auch in Deutschland gab es die 68er-Bewegung). Um 1971, also schon vor der Ölkrise von 1973, beschloss Frankreich, sich durch Nutzung der Kernenergie vom Erdöl unabhängiger zu machen (siehe Kernenergie in Frankreich).

Eine weitere Zäsur war 1981 die Machtübernahme durch die Sozialistische Partei und die Präsidentschaft von François Mitterrand, die bis Mai 1995 andauerte. Während dieser wurden unter anderem massive Verstaatlichungen vorangetrieben, die Todesstrafe und Kernwaffentests abgeschafft, die 39-Stunden-Woche eingeführt und 1992 der Vertrag von Maastricht ratifiziert. Mitterrands Nachfolger Jacques Chirac setzte die Einführung des Euro um und brüskierte die USA, indem er – wie Bundeskanzler Gerhard Schröder in Deutschland – 2002/2003 die Teilnahme am Irakkrieg verweigerte.[41][42]

Dem ab 2007 amtierenden Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy folgte 2012 François Hollande, der Kandidat der Parti socialiste (PS). Bei den Französischen Parlamentswahlen im Juni 2012 errang die PS in der Nationalversammlung die Mehrheit der Sitze.

Im Rahmen der Staatsschuldenkrise im Euroraum werden Frankreichs Netto-Neuverschuldung, Staatsquote, Reformfähigkeit und anderes kritisch diskutiert.[43]

Politik [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Politisches System Frankreichs

Organigramm des politischen Systems der Fünften Französischen Republik
Seit der Annahme einer neuen Verfassung am 5. Oktober 1958 spricht man in Frankreich von der Fünften Republik. Diese Verfassung macht Frankreich zu einer zentralistisch organisierten Demokratie mit einem exekutivlastigen semi-präsidentiellen Regierungssystem. Gegenüber früheren Verfassungen wurde die Rolle der Exekutive und vor allem jene des Präsidenten weitgehend gestärkt. Dies war die Reaktion auf die extreme politische Instabilität in der Vierten Republik. Sowohl Präsident und Premierminister spielen eine aktive Rolle im politischen Leben, wobei der Präsident nur dem Volk gegenüber verantwortlich ist. Die Macht des Parlaments wurde in der fünften Republik eingeschränkt, die Verfassung hat ihm jedoch entscheidende Kontrollfunktionen übertragen.

Die Verfassung enthält keinen Grundrechtekatalog, sondern verweist auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die in der Verfassung der Vierten Französischen Republik von 1946 festgehaltenen sozialen Grundrechte.

Exekutive [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Staatspräsident (Frankreich) und Französische Regierung

Verfassungsgemäß ist der direkt durchs Volk gewählte Staatspräsident das höchste Staatsorgan. Er steht über allen anderen Institutionen. Er wacht über die Einhaltung der Verfassung, sichert das Funktionieren der öffentlichen Gewalten, die Kontinuität des Staates, die Unabhängigkeit, die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes und die Einhaltung von mit anderen Staaten geschlossenen Abkommen. Er tritt als Schiedsrichter bei Streitigkeiten zwischen staatlichen Institutionen auf.[44] Er verkündet Gesetze und hat das Recht, sie dem Verfassungsrat zur Prüfung vorzulegen. Er darf Gesetze oder Teile davon an das Parlament zur Neuberatung zurückweisen, hat aber kein Vetorecht. Dekrete und Verordnungen werden vom Ministerrat, dessen Vorsitz der Präsident führt, beschlossen; gegenüber diesen hat der Präsident jedoch ein aufschiebendes Veto.[45] Hinsichtlich der Außen- und Sicherheitspolitik verfügt der Staatspräsident sowohl über die Richtlinien- und über die Ratifikationskompetenz, sodass er sowohl die Außenpolitik gestaltet als auch völkerrechtliche Vereinbarungen für Frankreich verbindlich eingeht. Diese Praxis schälte sich in der Regierungszeit de Gaulles heraus und ist nicht zwingend der Verfassung zu entnehmen.[46] Auf Antrag der Regierung oder des Parlamentes darf der Präsident Volksabstimmungen initiieren. Er ernennt Mitglieder wichtiger Gremien, etwa drei der neun Mitglieder des Verfassungsrates, alle Mitglieder des Obersten Rates für den Richterstand sowie die Staatsanwälte. Der Staatspräsident ist keiner Kontrolle durch die Judikative unterworfen, dem Parlament gegenüber ist er nur bei Hochverrat verantwortlich. Des Weiteren befiehlt der Staatspräsident über die Streitkräfte und den Einsatz der Atomwaffen; im Falle der Ausrufung des Notstandes hat der Präsident fast unbeschränkte Autorität. Dem Präsidenten steht das Präsidialamt als Berater und Unterstützer zur Seite.

→ Hauptartikel: Liste der Premierminister von Frankreich

Der Präsident leitet die ihm verliehene staatliche Autorität an den Premierminister und die Regierung weiter, wobei die Regierung die vom Präsidenten vorgegebenen Richtlinien umzusetzen hat. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Präsidenten und Premierminister, die in einer Cohabitation schwierig sein kann, also wenn Präsident und Premierminister aus zwei entgegengesetzten politischen Lagern kommen. Der Präsident ernennt formell ohne jegliche Einschränkungen einen Premierminister und, auf Vorschlag des Premierministers, die Regierungsmitglieder. Die Regierung hängt in der Folge vom Vertrauen des Parlamentes ab, der Präsident kann eine einmal ernannte Regierung formal nicht entlassen. Die Regierung besteht aus Ministern, Staatsministern, ministres délegués, also Ministern mit speziellen Aufgaben, und Staatssekretären. Regierungsmitglieder dürfen in Frankreich kein anderes staatliches Amt, keine sonstige Berufstätigkeit oder Parlamentsmandat ausüben. Sie sind in ihrer Funktion dem Parlament verantwortlich.[47]

Legislative [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Französisches Parlament

Das Palais Bourbon, Sitz der Nationalversammlung
Das Parlament der V. Republik besteht aus zwei Kammern. Die Nationalversammlung (Assemblée Nationale) hat 577 Abgeordnete, die direkt auf fünf Jahre gewählt werden. Der Senat hat 317 Mitglieder (ab 2011 348 Mitglieder). Diese werden indirekt für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Die Wahl des Senats wird auf Ebene der Départements durchgeführt, wobei das Wahlkollegium aus den Abgeordneten des Départements, den Generalräten und Gemeindevertretern besteht.

Die Initiative für Gesetze kann vom Premierminister oder einer der beiden Parlamentskammern ausgehen. Nach der Debatte in den Kammern muss der Gesetzestext von beiden Kammern gleichlautend verabschiedet werden, wobei das Weiterreichen des Textes als navette bezeichnet wird. Nach der Annahme durch das Parlament hat der Präsident nur einmal das Recht, einen Gesetzestext zurückzuweisen. Das Parlament hat weiters die Aufgabe, die Arbeit der Regierung durch Anfragen und Aussprachen zu kontrollieren. Die Nationalversammlung hat die Möglichkeit, die Regierung zu stürzen. Das Parlament hat nicht die Befugnis, den Staatspräsidenten politisch herauszufordern.[48] Der Staatspräsident darf jedoch die Nationalversammlung auflösen; von diesem Recht wurde in der Vergangenheit wiederholt Gebrauch gemacht, um schwierige Phasen der Cohabitation zu beenden.[49]

Staatshaushalt [Bearbeiten]

1974 hatte der Staatshaushalt zum letzten Mal keine Neuverschuldung; er war ausgeglichen.[50] 2010 umfasste er Ausgaben von 1094 Milliarden Euro, dem standen Einnahmen von 957 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 137 Milliarden Euro beziehungsweise 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[51]

Die Staatsverschuldung betrug 2010 1591 Milliarden Euro oder 82,3 Prozent des BIP.[51] Damit liegen Neuverschuldung und Verschuldungsgrad weit über der in den EU-Konvergenzkriterien („Maastricht-Kriterien“) genannten Obergrenzen von drei Prozent pro Jahr bzw. 60 Prozent (Art. 126 AEU-Vertrag). Im Jahr 2011 betrug die Neuverschuldung 5,2 Prozent des BIP und lag damit 0,5 Prozent niedriger als ursprünglich erwartet. Die Staatsverschuldung betrug in diesem Jahr 1.717,30 Milliarden Euro.[52]

Ende 2012 wird der Schuldenstand auf rund 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Der größte Posten im Budget sind die Zinszahlungen: insgesamt rund 48,8 Milliarden Euro. Das Schatzamt (siehe auch Agence France Trésor) hat die Ermächtigung, Staatsanleihen im Wert von 179 Milliarden Euro auszugeben, um die Schuldenlast zu finanzieren.Im Rahmen der Staatsschuldenkrise im Euroraum wurde Frankreich im Januar 2012 von der Ratingagentur Standard & Poor’s herabgestuft; Präsident Sarkozy hat angekündigt, in den kommenden fünf Jahren rund 65 Milliarden Euro im Haushalt einsparen zu wollen, falls er bei den Französischen Präsidentschaftswahl 2012 wiedergewählt wird.[50]

Jahr

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Staatsverschuldung

58,9 %

57,3 %

56,9 %

58,8 %

62,9 %

64,9 %

66,4 %

63,7 %

63,8 %

67,5 %

78,1 %

82,3 %

Haushaltssaldo

−1,8 %

−1,5 %

−1,5 %

−3,1 %

−4,1 %

−3,6 %

−2,9 %

−2,3 %

−2,7 %

−3,3 %

−7,5 %

−7,1 %

Quelle: Statistisches Amt der Europäischen Union[53]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandsprodukt) folgender Bereiche:
Gesundheit:[54] 11,0 Prozent
Bildung: 5,7 Prozent (2005)
Militär: 2,6 Prozent (2005)

Politische Parteien [Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der politischen Parteien in Frankreich

Die französische Parteienlandschaft zeichnet sich durch einen hohen Grad der Zersplitterung und hohe Dynamik aus. Neue Parteien entstehen und existierende Parteien ändern häufig ihre Namen. Die Namen der Parteien geben nur sehr bedingt über ihre ideologische Ausrichtung Aufschluss, denn es ist zu einer gewissen Begriffsentfremdung gekommen. Französische Parteien haben in der Regel relativ wenige Mitglieder und eine schwache Organisationsstruktur, die sich häufig auf Paris als dem Ort, wo die meisten Entscheidungen getroffen werden, konzentriert.[55] Die politische Linke wird von der kommunistischen Parti communiste français, der sozialistischen Parti socialiste und der Parti radical de gauche besetzt. Die Parti socialiste stellte hingegen den langjährigen Präsidenten François Mitterrand und mehrere Premierminister. Die grüne Partei in Frankreich heißt Les Verts, wobei grüne Politik in Frankreich tendenziell weniger Zulauf genießt als in den deutschsprachigen Staaten. Die wichtigste Zentrumspartei ist die erst 2007 gegründete Mouvement démocrate. Zum konservativen Lager gehört die Union pour un mouvement populaire, die momentan den Präsidenten und den Premierminister stellt. Weiterhin ist der Mouvement pour la France eher noch zum bürgerlichen Lager zu zählen, während der Front National zum Rechtsextremismus gehört.

Innenpolitik [Bearbeiten]

Sitzverteilung der aktuellen Nationalversammlung
Momentan stellt das sozialistische Lager des amtierenden Staatspräsidenten François Hollande mit 295 Sitzen die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung.

Am 22. April 2012 errang der sozialistische Präsidentschaftsbewerber Hollande die meisten Stimmen bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl, musste sich aber am 6. Mai 2012 einer Abstimmung gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy stellen. Dabei gewann François Hollande, der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, mit 51,64 Prozent der Stimmen die französische Präsidentschaftswahl. Der bisherige Amtsinhaber Nicolas Sarkozy von der konservativen UMP errang dabei 48,36 Prozent der Stimmen.

Seit den Präsidentschaftswahlen ist das konservativ-liberale Lager in der Opposition.

Am 15. Mai 2012 ernannte Präsident Hollande den bisherigen Fraktionsführer der Sozialisten in der Nationalversammlung, Jean-Marc Ayrault, zum neuen Regierungschef. Dieser wurde am 21. Juni 2012 erneut im Amt bestätigt.

Der bisherige Präsident Nicolas Sarkozy zog sich daraufhin aus der aktiven Politik zurück.

Als wichtigste innenpolitische Vorhaben nannte die Regierung die Erhöhung der Kaufkraft der Bürger, eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, insbesondere durch die Abschaffung der 35-Stunden-Woche sowie ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität. Während seiner Zeit als Innenminister und seit der Wahl zum Präsidenten sah sich Sarkozy wiederholt mit Schwierigkeiten in der Banlieue, den Vorstadtsiedlungen großer Städte, konfrontiert. Immer wieder kommt es hier zu Sachbeschädigungen durch Vandalismus und zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Jugendlichen. Im Oktober 2005 hatten die Konflikte einen Höhepunkt erreicht und griffen von Paris in andere Städte über, nachdem zwei Jugendliche einen Unfalltod erlitten hatten.

→ Hauptartikel: Unruhen in Frankreich 2005

Außen- und Sicherheitspolitik [Bearbeiten]

Leitlinie der französischen Außenpolitik ist die zunehmende Integration Europas mit dem Ziel einer politischen Einigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben Deutschland und Frankreich unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse ihre Erbfeindschaft auf, die eine grundsätzliche Gefährdung des europäischen Friedens darstellte, und verfolgten die Aussöhnung untereinander. Frankreich ist Gründungsmitglied der Europäischen Union. Mittlerweile betreiben Frankreich und Deutschland eine oftmals kongruente Europapolitik, sodass es Pläne gibt, aus diesen beiden Ländern ein „Kerneuropa“ zu bilden, das die europäische Einigung nötigenfalls auch gegen einige andere EU-Mitglieder vorantreibt.

Indirekt ist dieser Prozess auch gegen ein als solches wahrgenommenes imperiales Streben der Vereinigten Staaten von Amerika, deren überbordende Machtfülle Frankreich mit der Schaffung einer multipolaren Weltordnung relativieren will.

Generell folgen Frankreichs Grundinteressen in der EU jedoch dem intergouvernementalen Ansatz, welcher zunächst keine Übertragung weiterer Kompetenzen auf die EU-Ebene vorsieht. Zentrales Ziel der französischen Europapolitik ist, die Führungsrolle Frankreichs in Europa zu festigen. Aufgeweicht wird diese Position jedoch teilweise durch neue pragmatische Ansätze. Besonders in der Klima- und Energie-, der Wirtschafts- und Finanz- sowie der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist Frankreich vermehrt Vorreiter europäischer Positionen. Der grundsätzliche Fokus auf nationalen Interessen bleibt allerdings erhalten.[56]

Aufsehen erregte das französische „Non“ im nationalen Referendum zum Entwurf des Vertrags über eine Verfassung für Europa 2005, welches neben dem negativen Referendum der Niederländer maßgeblich zum Scheitern des Verfassungsvertrags beitrug. Das französische Selbstverständnis als Motor der europäischen Integration wurde hierdurch geschwächt.[57] Abhilfe versuchte der neue französische Präsident Nicolas Sarkozy zu schaffen, als er bei seinem Amtsantritt 2007 Frankreichs „Rückkehr nach Europa“ forderte. Die EU sollte somit wieder als Teil des französischen Selbstverständnisses betrachtet werden.[56]

In der aktuellen Eurokrise setzen sich Frankreich und Deutschland weitestgehend für gemeinsame Positionen ein. Dies spiegelt sich in häufigen bilateralen Gesprächen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, auch im Vorfeld offizieller Gipfeltreffen, wider.

Wichtige Anliegen Frankreichs auf EU-Ebene sind der Aufbau einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein, ebenso wie die Schaffung einer neuen Mittelmeerunion.[57] Die EU-Ratspräsidentschaft hatte das Land zuletzt im zweiten Halbjahr 2008 inne.

Eine weitere Säule der französischen Außenpolitik ist die internationale Kooperation auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik und der Entwicklungshilfe bei ständiger Wahrung der französischen Souveränität. Dazu ist Frankreich Mitglied in zahlreichen sicherheitspolitischen Organisationen wie der OSZE und nimmt am Eurokorps teil. Außerdem engagiert sich Frankreich in der atomaren Abrüstung, hat bisher jedoch nicht verlautbaren lassen, auf das Potenzial der Force de frappe zu verzichten.

Frankreich ist zudem ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat mit Vetorecht. Über die Vereinten Nationen koordiniert es seine internationale Entwicklungszusammenarbeit und sein humanitäres Engagement.

Frankreich war 1949 Gründungsmitglied des Nordatlantikvertrages (NATO) und erhielt militärischen Schutz durch die Vereinigten Staaten. Mit der Machtübernahme von de Gaulle 1958 änderten sich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu der von den USA dominierten NATO dahingehend, dass Frankreich 1966 seine militärische Integration in die Strukturen der NATO aufgab und ausschließlich politisch integriert blieb. Im März 2009 kündigte Präsident Sarkozy die vollständige Rückkehr Frankreichs in die Kommandostruktur der NATO an. Das französische Parlament bestätigte am 17. März 2009 diesen Schritt, indem es Sarkozy das Vertrauen ausgesprochen hatte.[58]

Das offizielle Logo der Französischen Republik zeigt Marianne, die Nationalfigur Frankreichs.
Unter de Gaulles Führung entwickelte sich Frankreich 1960 zu einer Atommacht und verfügte ab 1965 mit der Force de frappe über Atomstreitkräfte, die zunächst 50 mit Atombomben (Kernwaffen) ausgestattete Flugzeuge in Dienst stellte. 1968 hatte Frankreich bereits 18 Abschussrampen für Mittelstreckenraketen aufgestellt, die 1970 und 1971 mit Atomsprengköpfen ausgestattet wurden. In den 1970er Jahren erweiterte Frankreich seine Atommacht auch auf See. Vier Atom-U-Boote verfügen über je 16 atomar bestückte Mittelstreckenraketen.

Ebenfalls von großer Bedeutung für die französischen Außenbeziehungen ist die französische Kulturpolitik und die Förderung der Frankophonie. International hat die französische Sprache mit ungefähr 140 Millionen Sprechern einen hohen Stellenwert. Dies unterstützt das französische Außenministerium mit einer Unterabteilung namens AEFE, deren etwa 280 Schulen in ungefähr 130 Ländern von rund 16.000 Jugendlichen besucht werden. Die Leistungen der knapp 1000 Lokalitäten der Agence française nehmen ungefähr 200.000 Studenten in aller Welt in Anspruch.[59]

Hinzu kommt ein Engagement auch nach Ende der Kolonialherrschaft in Afrika, wo Frankreich bis heute in vielen Ländern die bestimmende Ordnungsmacht geblieben ist.

Militär [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Französische Streitkräfte

Frankreich hat einen der höchsten Rüstungsetats der Welt und gehört zu den führenden Militärmächten sowie zum Kreis der offiziellen Atomwaffenstaaten. Die französischen Streitkräfte (Les forces armées françaises) sind seit Ende 1990er Jahre eine Berufsarmee und umfassen 350.000 Männer und Frauen.[60] 20.000 Soldaten sind in den Überseedepartements und -territorien stationiert, weitere 8.000 in afrikanischen Staaten, mit denen Verteidigungsabkommen vereinbart wurden. Die Streitkräfte teilen sich dabei in die drei klassischen Sektoren Heer (Armée de Terre), Luftwaffe (Armée de l’air), Marine (Marine nationale). Frankreichs Nuklearstreitkräfte (Force de dissuasion nucléaire) mit ca. 348 bis 350 Sprengköpfen stellt die Marine und zum kleineren Teil die Luftwaffe. Des Weiteren ist die Gendarmerie Nationale, eine zentrale Polizeibehörde, dem Verteidigungsministerium unterstellt. Militärisches und populärkulturelles Aushängeschild des französischen Militärs ist die Fremdenlegion (Légion étrangère).

Administrative Gliederung [Bearbeiten]

Datenstand: 1. Januar 2012[61]

Administrative Gliederung Frankreichs
Frankreich gilt spätestens seit Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu als Inbegriff des zentralisierten Staates. Zwar wurden später Maßnahmen zur Dezentralisierung ergriffen, diese hatten jedoch eher den Zweck, die Zentralgewalt näher zum Bürger zu bringen. Erst seit der Verwaltungsreform der Jahre 1982 und 1983 wurden Kompetenzen von der Zentralregierung auf die Gebietskörperschaften verlagert.[62]

Auf oberster Ebene ist Frankreich in 27 Regionen (régions) gegliedert. Regionen gibt es erst seit 1964, seit 1982/83 haben sie den Status einer Gebietskörperschaft. Jede Region wählt einen Regionalrat (Conseil régional), der wiederum einen Präsidenten wählt. Weiterhin ernennt der französische Staatspräsident einen Regionalpräfekten. Regionen sind zuständig für die Wirtschaft, die Infrastruktur der Berufs- und Gymnasialausbildung und finanzieren sich über Steuern, die sie einheben dürfen, und über Transferzahlungen der Zentralregierung.[63] Korsika hat unter den Regionen einen Sonderstatus und wird als Collectivité territoriale bezeichnet. Fünf Regionen (Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Mayotte und La Réunion) befinden sich in Übersee und hatten bis zur Verfassungsänderung 2003 den Status eines Überseedépartements. Die Regionen bilden die europäische Statistikebene NUTS-2 (auf der übergeordneten Ebene NUTS-1 bestehen 8+1 Zones d’études et d’aménagement du territoire (ZEAT, Raumplanungs- und -ordnungszonen)).

Eine Region ist ihrerseits in Départements unterteilt. Départements ersetzten 1790 die traditionellen Provinzen, um den Einfluss der lokalen Machthaber zu brechen. Von den heute 101 Départements liegen 96 in Europa. Die hohe Zahl dieser relativ kleinen Verwaltungseinheiten ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Départements wählen einen Generalrat (Conseil général), der einen Präsidenten als Exekutivorgan wählt. Erster Mann im Département ist jedoch der vom französischen Staatspräsidenten ernannte Präfekt. Départements haben die Aufgabe, sich um das Sozial- und Gesundheitswesen, die Collèges, Kultur- und Sporteinrichtungen, Departementsstraßen und den Sozialbau zu kümmern.[64][65] Sie dürfen Steuern einheben und bekommen Transferzahlungen der Zentralregierung. Die Départements bilden die europäische Statistikebene NUTS-3.

Administratives System Frankreichs
Die 343 Arrondissements, davon 13 in Übersee, stellen keine eigene Rechtspersönlichkeit dar. Sie dienen vorrangig der Entlastung der Départementsverwaltung. Ebenso dienen die 4055 Kantone (Cantons), 72 in Übersee, nur noch als Wahlbezirk für die Wahl der Generalräte. Die Arrondissements der Städte Paris, Lyon und Marseille haben den Status von Kantonen.[66][67]

Die kleinste und gleichzeitig älteste organisatorische Einheit des französischen Staates sind die Gemeinden (communes). Sie folgten 1789 den Pfarreien und Städten nach. Anfang 2012 gab es 36.700 Gemeinden, davon 129 in Übersee.[66] Trotz der hohen Zahl der Gemeinden, die größtenteils nur sehr wenige Einwohner haben, gab es in den letzten Jahren kaum Bemühungen um eine Gemeindereform. Jede Gemeinde wählt einen Gemeinderat (Conseil municipal), der dann aus seiner Mitte einen Bürgermeister wählt. Seit 1982 haben die Gemeinden deutlich mehr Rechte und werden vom Staat weniger bevormundet. Auf Gemeindeebene werden Grundschulbildung, Stadtplanung, Abfallbeseitigung, Abwasserreinigung und Kulturaktivitäten organisiert; auch sie finanzieren sich über eigene Steuern und Transferzahlungen.[68][69]

Verwaltungsrechtliche Sonderstatus gelten für die Départementskörperschaft (Collectivité départementale,) Mayotte, die Gebietskörperschaft (Collectivité territoriale) Saint-Pierre und Miquelon, die Überseeterritorien (Territoires d’outre-mer, T.O.M.) Französisch-Polynesien, Neukaledonien, Wallis und Futuna, Saint-Barthélemy, Saint-Martin und die Französischen Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises, T.A.A.F.) sowie die Îles Éparses und die Clipperton-Insel.

Frankreich sowie seine Überseeregionen, -départements sowie Saint-Barthélemy und Saint-Martin sind Teil der EU. Die restlichen Überseegebiete sind nicht EU-Mitglieder. In Frankreich erlassene Gesetze gelten in den TOM (Territoires d’outre-mer) nur, wenn dies ausdrücklich erwähnt ist.

Recht [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Recht Frankreichs und Gerichtsorganisation in Frankreich

Palais de Justice in Paris
In der Fünften Republik übernimmt der Verfassungsrat (Conseil constitutionnel) die Kontrollfunktion innerhalb des politischen Systems. In einem nicht erneuerbaren Mandat ernennen der Staatspräsident, und die Präsidenten der Nationalversammlung und des Senats jeweils drei Abgeordnete für eine Amtszeit von neun Jahren. Der Rat überprüft Gesetze auf Anfrage, überwacht die Gesetzesmäßigkeit von Wahlen und Referenden. Für eine Überprüfung von Gesetzen sind jeweils 60 Abgeordnete der Nationalversammlung (10,4 % der Abgeordneten) oder des Senats (18,1 % der Senatoren) nötig.

Die Todesstrafe wurde in Frankreich 1981 abgeschafft.

Wirtschaft [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Wirtschaft Frankreichs

Grundlagen [Bearbeiten]

Frankreich ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 16 weiteren EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, die Eurozone.
Traditionell betreiben staatliche Akteure in Frankreich eine intensive Wirtschaftspolitik und Industriepolitik; es gibt vergleichsweise starke staatliche Eingriffe. Die Ideen des Merkantilismus – im Speziellen des Colbertismus – wirken in Frankreich bis heute nach.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Typus des „gemischten Unternehmens“[70] geschaffen. Mit dieser Partnerschaft von privatem und öffentlichen Kapital sollte der nationalen Industrie das Vordringen in Bereiche ermöglicht werden, in die privates Kapital sich alleine nicht heranwagte (Ölindustrie: Compagnie Française des Pétroles (CFP), Chemie). Zuvor war es in Frankreich in ähnlichen Fällen üblich gewesen, dass der Staat einer einzelnen Firma eine exklusive Konzession erteilte.

1946 begann Frankreich ein System der Planification. 1981 kam mit François Mitterrand der erste sozialistische Staatspräsident an die Regierung; er regierte bis 1995 und betrieb zahlreiche Verstaatlichungen.

Frankreich ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Ein staatlich festgelegter Mindestlohn, der SMIC, sichert den Angestellten einen Stundenlohn von 8,86 Euro.[71]

Die französischen Exporte entstammen folgenden Wirtschaftsbereichen (Stand 20xx): Autos, Flugzeuge, pharmazeutische Produkte, Elektronik, Wein (siehe auch Weinbaugebiete in Frankreich). Auch der Tourismus spielt eine große Rolle.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2005 um 2,1 Prozent jährlich und erreichte 2005 den Wert von 1689,4 Milliarden Euro. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Frankreich einen Index von 111,4 (EU-25:100) (2003).[72]

Die Erwerbstätigenstruktur hat sich gegenüber früher grundlegend gewandelt. So arbeiteten 2003 nur noch vier Prozent der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, in der Industrie waren es 24 Prozent, im Dienstleistungsbereich 72 Prozent.

Frankreich exportierte 2003 14,9 Prozent seines Exportvolumens nach Deutschland, das seinerseits am Import mit 19,1 Prozent beteiligt war. Deutschland ist seit vielen Jahren der wichtigste Handelspartner Frankreichs. Frankreich importierte 2009 Waren im Wert von etwa 532,2 Milliarden US-Dollar und exportierte Waren im Wert von ca. 456,8 Milliarden US-Dollar und hat damit ein Außenhandelsdefizit.[73][74] 2001 hatte das Defizit erst 5,8 Mrd. Euro betragen; 2011 betrug es 84,5 Mrd. Euro.[75]

Wirtschaftspolitisch bedeutend ist Frankreichs Teilnehmerschaft an der Europäischen Union. Das Land ist Gründungsmitglied aller EU-Vorgängerinstitutionen seit den 1950er-Jahren. Mit zusammen rund 500 Millionen Einwohnern erwirtschaftete die EU in 2011 ein nominales BIP von 17,6 Billionen US-Dollar und bildet somit den größten Binnenmarkt der Welt. Frankreich ist mit insgesamt 17 Mitgliedsländern auch Teil der Eurozone, einer Währungsunion, die etwa 330 Millionen Einwohner umfasst. Offizielles Zahlungsmittel in Frankreich ist der Euro, dessen Währungspolitik von der Europäischen Zentralbank gesteuert wird. Der Euro wird international mit anteilig rund 30 % als zweitwichtigste Reservewährung der Welt genutzt und ist gemessen am Bargeldwert die weltgrößte Währung im Umlauf.

Unternehmen [Bearbeiten]

Die größten französischen Unternehmen 2003
(ohne Banken und Versicherungen)

Unternehmen

Umsatz
(Mrd. EUR)

Beschäftigte

1

Total

104,7

111.000

2

Carrefour

70,5

419.000

3

PSA Peugeot Citroën

54,2

200.000

4

France Télécom

46,1

222.000

5

Électricité de France

44,9

167.000

6

Suez

39,6

171.000

7

Les Mousquetaires

38,4

112.000

8

Renault

37,5

160.000

9

Publicis Groupe

32,2

35.000

10

Saint-Gobain

29,6

172.000

11

Groupe Auchan

28,7

156.000

12

Veolia Environnement

28,6

257.000

13

Centres Leclerc

27,2

84.000

Energie [Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Cattenom in Lothringen
Die Energiewirtschaft Frankreichs beschäftigte 2008 194.000 Personen (0,8 % der Erwerbsbevölkerung) und trug 2,1 Prozent zum BIP bei.[76] Ursprünglich verfügte Frankreich über reiche Kohlevorkommen, die Kohleförderung erreichte jedoch bereits 1958 mit der Förderung von 60 Millionen Tonnen ihren Höhepunkt. 1973 förderte man noch 29,1 Millionen Tonnen, 2004 schloss mit La Houve in Lothringen die letzte Kohlegrube Frankreichs. Kohle wird heute vor allem aus Australien, den USA und Südafrika importiert und in der Stahlindustrie und Wärmekraftwerken (6,9 GW installierte Leistung) verwendet.[77]

Frankreich verfügt über sehr geringe Vorkommen an Erdöl und Erdgas, die den Gesamtverbrauch des Landes für gerade zwei Monate decken könnten. Neben den knapp eine Million Tonnen Öl, die jährlich in Frankreich selbst gefördert werden, wird Erdöl aus dem Nahen Osten (22 %), den Nordsee-Anrainerstaaten (20 %), Afrika (16 %) und der früheren Sowjetunion (29 %) importiert. Insgesamt verbrauchte Frankreich 2008 82 Millionen Öleinheiten an Erdölprodukten, davon knapp die Hälfte für den Verkehr. Die 13 Raffinerien des Landes können 98 Millionen Tonnen Öl jährlich verarbeiten.[78] 22 Prozent des Energieverbrauches wird von Erdgas abgedeckt, vor allem im Wohnbereich und in der Industrie. Das Erdgas im Wert von 26 Milliarden Euro, das Frankreich 2008 importierte, stammte vor allem aus Norwegen, Russland, Algerien und den Niederlanden.[79]

Lage kerntechnischer Anlagen in Frankreich
Die Ölpreisschocks der 1970er Jahre veranlassten die Regierung ein Nuklearprogramm zu initiieren, nach Pierre Messmer auch bekannt als Messmer-Plan (Siehe auch: Kernenergie in Frankreich). Die Arbeit an den ersten drei Kernkraftwerken Tricastin, Gravelines, und Dampierre begann 1974. Die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague wurde 1976 der Staatsfirma Cogema übergeben, um abgebrannte Brennelemente nach dem PUREX-Prozess zu recyceln. Mit dem Bau der Gasdiffusionsanlage Georges Besse I wurde 1975 begonnen, der Betrieb wurde 1979 aufgenommen. Bereits 15 Jahre später waren 56 Reaktoren in Betrieb. Von den 44 Millionen Öleinheiten an Energie, die Frankreich 1973 produzierte, waren noch neun Prozent aus Atomkraftwerken. 2008 wurden 137 Millionen Öleinheiten produziert, davon waren 84 Prozent aus Atomkraftwerken. Zu Beginn des Jahres 2009 waren in Frankreich 21 Kernkraftwerke mit 59 Reaktoren und einer Gesamtleistung von 63,3 GW am Netz.

Die Kernkraftwerke Frankreichs basieren auf vier verschiedenen Designs. Die Ersten sind Kraftwerke vom Typ CP0, CP1 und CP2 welche etwa 900 MWe Leistung besitzen und hauptsächlich zwischen 1970 und 1980 errichtet wurden. Gegenüber der CP0- und CP1-Serie wurde bei der CP2-Serie die Redundanz erhöht, ab CP1 kann in Notfällen auch Wasser ins Containment gesprüht werden. Diese Reaktoren wurden sehr erfolgreich exportiert, zum Beispiel für das Kernkraftwerk Koeberg und Uljin oder die chinesische CPR-1000-Reaktorbaureihe. Die nachfolgende Baureihe P4 und P’4 liefert etwa 1300 MWe Leistung, das Kernkraftwerk Cattenom gehört zu dieser Bauart. Davon abgewandelt wurde das N4 Design in Civaux und Chooz mit 1450 MWe. Die neuste Baureihe ist der EPR, welcher sich mit Kernfänger, Doppelcontainment und gesteigertem Abbrand von den P4 und N4 Kraftwerken abhebt und ebenfalls Exporterfolge verzeichnet. Durch den hohen Atomstromanteil von 84 Prozent müssen die Kernkraftwerke auch im Mittellastbetrieb arbeiten. Frankreich besitzt deshalb eines der größten Leitungsnetze in Europa; mehrere Kraftwerke können so gemeinsam Bedarfsschwankungen ausgleichen.

Produktion von elektrischer Energie in Frankreich: Wasserkraft
Kernenergie
Fossile Brennstoffe
Andere Erneuerbare Energien

Für die Entsorgung radioaktiver Abfälle ist die Agence Nationale pour la Gestion des Déchets Radioactifs verantwortlich. Électricité de France berechnet dafür 0,14 Cent/kWh auf den Atomstrompreis, was mit anderen europäischen Ländern vergleichbar ist. Die Entsorgung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen findet in Soulaines und dem Endlager Morvillier im Département Aube statt, welches etwa 650.000 Kubikmeter aufnehmen kann. Für die Entsorgung des hochradioaktiven Abfalls (hauptsächlich Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung) wird das Tongestein nahe dem Ort Bure im gleichnamigen Felslabor untersucht.[80]

Frankreich nimmt auch in der Nuklearforschung eine führende Rolle ein: So beteiligt es sich am Generation IV International Forum und arbeitet auch an der kommerziellen Nutzung der schnellen Spaltung und Kernfusion. Die Aktivitäten sind hauptsächlich in Cadarache gebündelt. An einer Weiterentwicklung der Wiederaufarbeitungstechnologie wird ebenfalls gearbeitet, um in Zukunft auch andere Actinoide abtrennen zu können.[80]

Laut einem Bericht des Obersten Rechnungshofes in Frankreich vom Januar 2012 kosteten die Erforschung, Entwicklung sowie der Bau der französischen Kernkraftwerke insgesamt 188 Mrd. Euro. Diese Kosten konnten bisher durch den Verkauf der Elektrizität zu etwa 75 % amortisiert werden. Da die Kraftwerke größtenteils noch in Betrieb sind, werden diese Kosten aber vermutlich gedeckt werden können, jedoch gebe es kaum Rückstellungen für Folgekosten sowie die nur schwer zu schätzenden Folgen der Endlagerung des Atommülls.[81] Durch den hohen Atomstromanteil profitiert Frankreich erheblich vom EU-Emissionshandel. Von den 442 TWh elektrischer Energie, die 2008 in Frankreich erzeugt wurden, wurden 65 Prozent in den Privathaushalten und im Dienstleistungssektor verbraucht, weitere 27 Prozent in der Industrie (ohne Stahlindustrie). Frankreich ist Nettostromexporteur, 2008 wurden 50 TWh an die Nachbarländer verkauft, größte Abnehmer sind Italien und Großbritannien.[82] Erneuerbare Energieträger spielen in Frankreich noch eine eher untergeordnete Rolle, wenn auch der Ausbau politisch gefördert wird und im Wachsen begriffen ist: 2009 wurden 5,5 Prozent der Energie aus Wasserkraft, 8,7 Prozent aus Holz, 2,1 Prozent aus Biomasse, 1,2 Prozent aus Müll und 0,49 Prozent aus Wind gewonnen.[83] Marktführer bei der Erzeugung elektrischer Energie ist der staatlich dominierte Konzern Électricité de France.

Ende November 2011 machte das Französische Institut für nukleare Sicherheit auf die Notwendigkeit der Sanierung aller in Frankreich stationierten Atomkraftwerke aufmerksam. Nur so könnten mögliche Naturkatastrophen ohne größeres Unheil überstanden werden. Daraufhin wurden von grüner und sozialistischer Seite her Forderungen nach einem kompletten Atomausstieg laut. Laut Einigung sollen bis 2025 nun 24 der 58 Atommeiler vom Netz gehen.[84] Der 2012 neu gewählte Präsident François Hollande will den Anteil von Atomkraft von heute ca. 75 Prozent auf 50 Prozent reduzieren. In Umfragen spricht sich eine große Mehrheit der Franzosen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien aus. In einer jährlichen repräsentativen Umfrage der französischen Umwelt- und Energiebehörde ADEME lag die Zustimmung zum Ausbau Erneuerbarer Energien in Frankreich bei 96 Prozent (2011).[85]

Derzeit importiert das Land netto mehr Strom aus Deutschland, als es dorthin exportiert. In der Bilanz fallen für Frankreich insgesamt Importe von 8,7 Terawattstunden aus Deutschland an, wie aus der Jahresbilanz 2012 des französischen Stromnetzbetreibers RTE hervorgeht. Zu Spitzenlastzeiten sei der Strom aus deutschen Photovoltaikanlagen für Frankreich günstiger als aus seinen eigenen, oft überlasteten Atomreaktoren. Diese Entwicklung führte inzwischen zu einer öffentlichen Debatte über die Energiepolitik. Das der französischen Regierung unterstellte Zentrum für strategische Analysen kommt mittlerweile zu dem Schluss, der Ausbau der erneuerbaren Energien im Nachbarland Deutschland sichere nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die energetische Unabhängigkeit des Landes.[86]

Verkehr [Bearbeiten]

Straßenverkehr [Bearbeiten]

Ein dichtes Autobahnnetz verbindet in erster Linie den Großraum Paris mit den Regionen. Dabei wurde in erster Linie das auf Paris zu laufende Netz der Nationalstraßen ausgebaut. Nach und nach werden auch Querverbindungen zwischen den einzelnen Großräumen geschaffen. Die Verkehrswege Frankreichs gehören dem Staat, die meisten Autobahnstrecken werden seit 2006 aber privat betrieben, an Mautstellen müssen alle Benutzer Maut zahlen.[87] Nur wenige Abschnitte sind mautfrei, zum Beispiel im Bereich der Großstädte, die neue A75 oder die elsässische A35. Dabei gilt wiederum die Ausnahme, dass bestimmte, besonders aufwändige Autobahnabschnitte auch innerhalb des Großstadtbereichs Maut kosten (z. B. Nordumgehung von Lyon oder A14 bei Paris).

Siehe auch: Liste der Autobahnen in Frankreich

Schienenverkehr [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Schienenverkehr in Frankreich

Das TGV-Netz
Der öffentliche Nahverkehr ist in großen Zentren hervorragend ausgebaut. In Paris ist kein Ort weiter als 500 Meter von einer Station der Métro entfernt. Auch in anderen Städten werden die U-Bahnen mit großem Aufwand ausgebaut, zum Beispiel in Lyon, Lille, Marseille oder Toulouse. Außerhalb der großen Zentren wird der Nahverkehr hingegen nur spärlich betrieben.

Landesweit wurde seit Anfang der 1980er Jahre das Netz des Hochgeschwindigkeitszugs Train à grande vitesse (TGV) konsequent ausgebaut. Das Netz wird weiter ausgebaut und erreicht dabei auch zunehmend die Nachbarländer. Für Deutschland ist vor allem der Neubau der Ligne à grande vitesse (LGV, deutsch: Hochgeschwindigkeitsstrecke) Est européenne Richtung Straßburg und Süddeutschland beziehungsweise Richtung Saarbrücken und Mannheim relevant. Der Thalys verbindet Paris mit Brüssel, Aachen und Köln.

Seit 2003 muss die Staatsbahn Société nationale des chemins de fer français (SNCF) sich privater Konkurrenz stellen. De facto hat sie landesweit noch ein Fast-Monopol.

Luftverkehr [Bearbeiten]

Terminal 1 von Paris-Charles-de-Gaulle
Der Luftverkehr ist in Frankreich stark zentralisiert: Die beiden Flughäfen der Hauptstadt Paris (Charles de Gaulle und Orly) fertigten 2008 gemeinsam 87,1 Millionen Fluggäste ab.[88] Charles de Gaulle ist dabei der zweitgrößte Flughafen Europas und zentrales Drehkreuz der Air France. Er wickelt auch praktisch den gesamten Langstreckenverkehr ab. Die größten Flughäfen außerhalb von Paris sind jene von Nizza mit zehn Millionen Passagieren, danach folgen Lyon und Marseille. Air France, die führendes Mitglied der Allianz SkyTeam ist, fusionierte 2004 mit KLM zu Air France-KLM und ist seitdem eine der größten Fluggesellschaften der Welt.

Siehe auch: Liste von Flughäfen in Frankreich

Schiffsverkehr [Bearbeiten]

Frankreich hat die natürlichen und künstlichen Binnenwasserstraßen (Flüsse und Kanäle) aus wirtschaftlichen und militärischen Beweggründen in seiner Geschichte stark entwickelt und ausgebaut. Seine Hochblüte erlebte das Wasserwegenetz im 19. Jahrhundert mit einer Länge von 11.000 Kilometern. Durch Konkurrenz von Schiene und Straße ist es bis heute auf rund 8500 Kilometer zurückgegangen. Es wird zum Großteil von der staatlichen Wasserstraßenverwaltung Voies navigables de France (VNF) verwaltet und betrieben.

2007 wurden von der Frachtschifffahrt auf Frankreichs Wasserstraßen Güter mit einem Gesamtgewicht von 61,7 Millionen Tonnen befördert. Bezieht man die Distanz in die Statistik ein, ergibt sich ein Wert von 7,54 Milliarden Tonnen-Kilometer. Über die letzten zehn Jahre bedeutet dies eine Steigerung um 33 Prozent. Die Personenschifffahrt hat heute nur noch touristische Bedeutung, ist aber ein aufstrebender Wirtschaftsfaktor.

Der Canal Seine-Nord Europe (CSNE) ist das Projekt eines neuen, 106 Kilometer langen Kanals in Süd-Nord-Richtung durch Nordfrankreich zwischen den Einzugsgebieten der Flüsse Seine und Schelde. Das Projekt ist in den Verkehrswegeplan der Europäischen Union aufgenommen. Der Kanal soll 2016 in Betrieb genommen werden.

Siehe auch: Liste der schiffbaren Flüsse und Kanäle in Frankreich

Kultur [Bearbeiten]

Frankreich leitet seinen Rang in Europa und der Welt auch aus den Eigenheiten seiner Kultur ab, die sich insbesondere über die Sprache definiert (Sprachschutz- und -pflegegesetzgebung). Frankreich sieht sich selbst nicht als Grande Nation.[89] In der Medienpolitik wird die eigene Kultur und Sprache durch Quoten für Filme und Musik gefördert. Frankreich verfolgt in der Europäischen Union, der UNESCO und der WTO mit Nachdruck seine Konzeption der Verteidigung der kulturellen Vielfalt („diversité culturelle“): Kultur sei keine Ware, die schrankenlos frei gehandelt werden kann. Der Kultursektor bildet daher eine Ausnahme vom restlichen Wirtschaftsgeschehen („exception culturelle“).

Landesweite Pflege und Erhalt des reichen materiellen kulturellen Erbes wird als Aufgabe von nationalem Rang angesehen. Dieses Verständnis wird durch staatlich organisierte oder geförderte Maßnahmen, die zur Bildung eines nationalen kulturellen Bewusstseins beitragen, wirksam in die Öffentlichkeit transportiert. Im jährlichen Kulturkalender fest verankerte Tage des nationalen Erbes, der Musik oder des Kinos beispielsweise finden lebhaften Zuspruch in der Bevölkerung. Großzügig zugeschnittene kulturelle Veranstaltungen entsprechen dem Selbstverständnis Frankreichs als Kulturnation und von Paris als Kulturmetropole. Die Förderung eines kulturellen Profils der regionalen Zentren in der Provinz wird verstetigt.

Siehe auch: Liste französischer Schriftsteller, Liste französischer Komponisten klassischer Musik und Liste von Burgen, Schlössern und Festungen in Frankreich

Küche [Bearbeiten]

Paul Bocuse, der höchstdekorierte Sternekoch der Welt
→ Hauptartikel: Französische Küche

Die französische Küche (Cuisine française) gilt seit der frühen Neuzeit als einflussreichste Landesküche Europas. Sie ist sowohl für ihre Qualität als auch ihre Vielseitigkeit weltberühmt und blickt auf eine lange Tradition zurück. Das Essen ist in Frankreich ein wichtiger Bereich des täglichen Lebens und die Pflege der Küche ein unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Kultur.[90] Das „gastronomische Mahl der Franzosen“ wurde 2010 als immaterielles Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt.[91][92]

Architektur [Bearbeiten]

Das berühmteste Bauwerk Frankreichs: der Eiffelturm
Die ältesten architektonischen Spuren in Frankreich hinterließen die Römer vor allem in Südostfrankreich, wie beispielsweise das Amphitheater von Nîmes oder die Pont du Gard. Nach dem Zerfall der römischen Herrschaft wurden zunächst keine Bauwerke errichtet, die bis heute erhalten geblieben sind. Aus dem Mittelalter sind vor allem Sakralbauten erhalten geblieben, wie das Baptisterium Saint-Jean aus der Zeit der Karolinger, Kirchen in romanischem Stil wie St-Sernin de Toulouse, Ste-Foy de Conques oder Ste-Marie-Madeleine de Vézelay sowie Kirchen in gotischem Stil wie die Kathedrale von Beauvais. Daneben wurden Festungsstädte wie Carcassonne oder Aigues-Mortes errichtet.

Als die Renaissance auch in Frankreich aufkam, interpretierten die französischen Architekten diese Kunstform auf ihre Weise und errichteten zahlreiche Schlösser im ganzen Land. Das Schloss Ancy-le-Franc blieb das einzige vollständig von Italienern durchgeführte Bauwerk. Der Absolutismus führte dazu, dass der klassizistische Barock in ganz Frankreich bestimmend wurde, um die Macht des Königs zu symbolisieren. Zu den bedeutendsten Bauwerken dieser Zeit zählen der Louvre und Schloss Versailles, diese wurden auch zu vorbildern für Bauwerke im Ausland, etwa Schloss Sanssouci. Der technische Fortschritt ermöglichte es, Gebäude wie das Panthéon zu errichten, das für damalige Verhältnisse sehr wenig Baumaterial im Verhältnis zum umfassten Raum benötigte.

In der Zeit nach der Französischen Revolution herrschte der Klassizismus mit kühler, disziplinierter und eleganter Architektur; Beispiele hierfür sind der Arc de Triomphe oder die Kirche La Madeleine in Paris. 1803 wurde die Académie des Beaux-Arts gegründet, französische Architektur wurde erneut in zahlreichen Ländern imitiert, besonders in den USA, gleichzeitig wurden neue Baumaterialien eingeführt; es entstanden Monumente wie der Eiffelturm oder der Pariser Zentralmarkt Les Halles und man begann mit der Restaurierung von Baudenkmälern.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam zunächst der Jugendstil auf, aus dem sich in Frankreich rasch das Art Déco entwickelte. In diesen Stilrichtungen sind zahlreiche Eingänge von Métrostationen in Paris sowie das Théâtre des Champs-Élysées erhalten. Der Internationale Stil, der maßgebend von Le Corbusier mitgetragen wurde, zeichnete sich durch unverzierte geometrische Formen aus, Beispiel ist die Villa Savoye. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige prestigeträchtige Bauten in Frankreich erstmals durch Ausländer verwirklicht, wie das Centre Pompidou oder die Pyramide im Louvre. Zu den neuesten architektonischen Errungenschaften Frankreichs gehören schließlich das Institut du monde arabe und die Bibliothèque Nationale François Mitterrand.[93]

Film [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Französischer Film

Französisches Werbeplakat aus dem Jahr 1896: Beworben wird nicht ein einzelner Film, sondern das Erlebnis der Filmvorführung
Frankreich gilt als der Geburtsort des Filmes. Im Jahre 1895 veranstalteten die Brüder Lumière in Paris die erste kommerzielle Filmvorführung. Industrielle wie Charles Pathé und Léon Gaumont investierten große Summen in die Technik und Herstellung, so dass französische Unternehmen den Weltmarkt für Filme dominierten; in Paris gab es 1907 bereits mehr als 100 Vorführungshallen, 1920 waren es in Frankreich schon mehr als 4500. Auf Pathé geht auch die bis heute übliche Praxis des Filmverleihs zurück, nachdem er 1907 entschied, Filme nicht mehr als Meterware zu verkaufen.[94] Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Flucht zahlreicher Filmschaffender in die USA sowie die Einführung der Tonfilm-Technologie, die in Frankreich zunächst nicht eingeführt wurde, führten dazu, dass der Schwerpunkt der Filmproduktion sich in die Vereinigten Staaten verlagerte.

Die 1930er Jahre gelten als Goldenes Zeitalter des französischen Films. Die Weltwirtschaftskrise bedingten niedrige Budgets, junge Regisseure wie Jean Renoir, René Clair und Marcel Carné und Stars wie Jean Gabin, Pierre Brasseur und Arletty brachten sehr kreative und teils auch sehr politische Werke hervor (Poetischer Realismus). Auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges florierte der Film; die Vichy-Regierung gründete mit der Comité d’organisation de l’industrie cinématographique die Vorläuferorganisation des heutigen CNC. Trotz Mangelwirtschaft, Zensur und Emigration entstanden etwa 220 Filme, die sich vor allem auf die Ästhetik des gezeigten konzentrierten.

Nach 1945 setzt sich die französische Regierung das Ziel, die Filmindustrie wieder aufzubauen. Um die Dominanz des amerikanischen Films zu brechen, werden im Blum-Byrnes-Abkommen Einfuhrquoten festgelegt. Die Internationalen Filmfestspiele von Cannes werden gegründet, eine Zusammenarbeit mit Italien vereinbart und gesetzliche und finanzielle Unterstützungen beschlossen. In den 1950er Jahren wurden vor allem Literaturverfilmungen mit großem Augenmerk auf die Qualität (cinéma de papa) produziert, bis 1956 die weibliche Sexualität mit dem Auftauchen eines neuen Stars, Brigitte Bardot, filmfähig gemacht wurde.

Die Nouvelle Vague, die ab dem Ende der 1950er Jahre von einer Generation junger Regisseure wie Jean-Luc Godard, François Truffaut, Jacques Rivette, Claude Chabrol und Louis Malle getragen wird, bringt Anti-Helden auf die Leinwand, thematisiert deren intime Gedanken, macht Filme mit hohem Tempo und offenen Enden. Neue Technik ermöglicht eine neue Ästhetik und erlaubt es Halb-Profis, mit niedrigem Budget Filme zu verwirklichen. Die Kreativität der Nouvelle Vague war international äußerst einflussreich und wurde durch die Einrichtung der Cinémas d’art et d’essai noch gefördert. Popularität erlangten auch die Protagonisten zahlreicher Filme der Nouvelle Vague, vor allem Jean-Pierre Léaud und Jean-Paul Belmondo. Das Jahr 1968 brachte auch im französischen Film eine Zäsur, die zu stark politischen Filmen und zu einer stärkeren Präsenz von Frauen im Metier führte. Gleichzeitig setzte sich das Fernsehen durch; dies brachte neue Strukturen bei der Finanzierung und Distribution von Filmen mit sich.

In den 1980er Jahren investierte die neue sozialistische Regierung stark in die Kultur, Budgets für Filmproduktionen stiegen, während gleichzeitig die amerikanische Vorherrschaft bekämpft wurde. Es kam zu aufwändigen Verfilmungen von Literaturklassikern. Parallel kam die Strömung des unpolitischen cinéma du look auf, in dem Farben, Formen und Stil die Handlung überdeckten.[95]

Sport [Bearbeiten]

Anders als in vielen anderen Ländern Europas ist der Fußball in Frankreich bis heute nicht die unangefochtene Nummer eins unter den Sportarten. Besonders Rugby ist im Südwesten des Landes populärer. Das Interesse am Fußball hängt sehr stark mit der Leistung französischer Mannschaften auf internationaler Ebene zusammen. Als identitätsstiftendes Band gerade zwischen den verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen Frankreichs gilt die französische Fußball-Nationalmannschaft. Die Équipe Tricolore (in Frankreich meist les Tricolores genannt) trägt ihre Heimspiele meist im Stade de France in Saint Denis bei Paris aus.

1998 wurde in Frankreich die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Im Endspiel gegen Brasilien gewann der Gastgeber das Turnier.

Ähnlich populär dem Fußball ist Rugby Union. Gerade in den südlichen und südwestlichen Regionen ist Rugby tatsächlich der weitaus beliebteste Sport. Die höchste Liga ist die Top 14. Das Meisterschaftsendspiel findet jährlich im Stade de France statt. Die Nationalmannschaft, von den Fans Les Bleus genannt, was später auch auf die Fußballequipe übertragen wurde, gilt seit Jahrzehnten kontinuierlich als eines der besten Teams der Welt und war bislang bei jeder Weltmeisterschaft mindestens ins Viertelfinale vorgedrungen. Insgesamt wurde sie zweimal Vizeweltmeister und errang einmal den dritten Platz. Nationalstadion ist das Stade de France in St. Denis nahe Paris. Die besten Vereinsmannschaften der letzten Jahre sind Stade Toulousain, das insgesamt 16 Mal die französische Meisterschaft und dreimal den europäischen Heineken Cup gewinnen konnte, der aktuelle Meister Stade Français aus Paris mit 13 Meisterschaftserfolgen und der Meister der beiden Vorjahre Biarritz Olympique mit fünf nationalen Meistertiteln.

Siehe auch: Rugby Union in Frankreich

In der Zeit vom 7. September bis zum 20. Oktober 2007 fand erstmals die Rugbyweltmeisterschaft in Frankreich statt und man zählte Les Bleus zu den Topfavoriten auf den Titel. Allerdings kamen sie nicht über einen vierten Platz hinaus. Weltmeister wurde Südafrika.

Weitere populäre Sportarten sind der Radsport (insbesondere im Juli, während der dreiwöchigen Tour de France), Leichtathletik, Formel 1 (Großer Preis von Frankreich in Magny Cours) und Pétanque (Mondial la Marseille à Pétanque).

Großer Beliebtheit erfreut sich in den vergangenen Jahren auch Tennissport. 1997 und 2003 konnten die Französischen Tennisdamen den Fed Cup gewinnen. Außerdem siegte Mary Pierce im Jahre 2000 bei den French Open.

In Frankreich fanden bereits mehrmals Olympische Spiele statt: Sommerspiele 1900 und 1924 in Paris, Winterspiele in Chamonix 1924, Grenoble 1968 und Albertville 1992.

Siehe auch: Skigebiete in Frankreich

Musik [Bearbeiten]

Die französische Musik erreichte mit der Klassik eine erste Blüte und brachte bedeutende Komponisten wie Jean-Baptiste Lully, Marc-Antoine Charpentier (17. Jahrhundert), Jean-Philippe Rameau (18. Jahrhundert), Hector Berlioz, Charles Gounod und Georges Bizet hervor. Die französische klassische Musik galt jedoch als technik- und formenlastig.[96] Den Übergang zur Moderne in gesellschaftspolitischer wie musikalischer Sicht verkörpert Debussy am besten; weiterhin sind Maurice Ravel und der ebenfalls sehr experimentell arbeitende Erik Satie in dieser Epoche bedeutend.[97] Der Beginn der Avantgarde in der Musik wird besonders durch die Groupe des Six eingeleitet. Hauptfigur der zeitgenössischen Musik ist Pierre Boulez.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sich die populäre Musik im Aufwind. Das bekannteste einheimische Genre ist das Chanson, eine Liedgattung mit starker Konzentration auf den Text. Zu den wichtigsten Künstlern des Chanson zählen Charles Trenet, Édith Piaf, Gilbert Bécaud, Boris Vian, Georges Brassens, Charles Aznavour oder Yves Montand. Ausländische Musikstile finden ihren Widerhall in Frankreich: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begann der Jazz die französische Musik zu beeinflussen, mit Django Reinhardt oder Stéphane Grappelli stellte Frankreich auch bedeutende Künstler des Jazz.

In der Rock- und Popmusik prägten etwa Daft Punk und Étienne de Crécy den French House, Gotan Project ist Vorreiter des sogenannten Electrotango und St. Germain steht für eine Kombination von Jazz und House. Ein bekannter Vertreter von Ambient-Musik ist Air. Der Rap wurde in Frankreich adaptiert, erfolgreichster Vertreter des Französischen Hip-Hop ist MC Solaar.[96]

Lokal verbreitete Musikstile sind die bretonische Musik, deren bedeutendster Künstler Alan Stivell ist, oder die korsische Musik mit Bands wie I Muvrini. Zahlreiche afrikanische und maghrebinische Künstler leben und arbeiten in Frankreich, so gibt es eine lebendige Raï-Szene und zahlreiche Veranstaltungen mit afrikanischer Musik.

Die fünf Musiker, die zwischen 1955 und 2009 die meisten Platten in Frankreich verkauften, sind Claude François, Johnny Hallyday, Sheila, Michel Sardou und Jean-Jacques Goldman.[98]

Medien [Bearbeiten]

Die wichtigsten französischen Printmedien sind die nationalen Tageszeitungen Le Figaro (konservativ, Auflage: 315.400 Exemplare), Le Monde (linksliberal, Druckauflage 2009-2010: 285.500 Exemplare), Libération (linksorientiert, 111.700 Exemplare), La Croix (Zeitung) (katholisch, 95.100 Exemplare), L’Humanité (kommunistisch, 50.000 Exemplare), Les Échos und La Tribune (Wirtschaft, 120.400 bzw. 68.100 Exemplare) und L’Équipe (Sport, 310.000 Exemplare).

Die wichtigsten Nachrichtenmagazine in Frankreich sind Le Nouvel Observateur (400.000 Exemplare), L’Express (438.700 Exemplare), Le Point (407.700 Exemplare) und Marianne.

Die größte Regionalzeitung ist die Ouest-France mit einer Druckauflage von 758.500 Exemplaren.

Bedeutend ist auch das jeweils mittwochs erscheinende Investigations- und Satireblatt Le Canard enchaîné mit einer Auflage von 550.000 Exemplaren.[99]

Fernsehen

Wie in vielen anderen europäischen Ländern besteht auch in Frankreich eine Co-Existenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern. Zur 1992 gegründeten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt France Télévisions gehören die Sender France 2, France 3, France 4, France 5 und France Ô.

Des Weiteren gibt es mit TV5 Monde und ARTE zwei weitere Sender, an denen France Télévisions beteiligt ist. TV5 Monde ist ein französischsprachiges Gemeinschaftsprogramm der Staaten Frankreich, Belgien, dem französischsprachigen Teil Kanadas und der Schweiz. ARTE ist ein deutsch-französischer Sender, der von ARTE France zusammen mit den deutschen Rundfunkanstalten ARD und ZDF betrieben wird. France Télévisions ist darüber hinaus an dem Nachrichtensender EuroNews beteiligt.

Der größte Fernsehsender Frankreichs ist der Privatsender TF1, der bis 1987 noch öffentlich-rechtlich war. TF1 ist außerdem alleiniger Gesellschafter des Sportsenders Eurosport. Seit Dezember 2006 sendet der von TF1 und France Télévisions produzierte französische Nachrichtensender France24.

Soziale Medien

Der Nutzung von sozialen Medien kommt eine immer bedeutendere Rolle zu. Die Bruttoreichweite sozialer Netzwerke betrug per Januar 2011 24,8 Millionen Personen.[100]

Hörfunk

Dem öffentlich-rechtlichen Radio France steht eine Vielzahl kommerzieller Anbieter gegenüber. Sowohl Radio France als auch die Kommerziellen bieten überregionale und regionale bzw. lokale Dienste an.

Siehe auch: Hörfunk in Frankreich

Bibliotheken

Die Bibliotheken sind weitgehend Mediatheken und konnten in den vergangenen 15 Jahren ihre Benutzerzahl verdoppeln (2005: 21 Millionen; 1989: 10,5). Mehr als 40 Prozent der Franzosen über 15 Jahren sind eingeschriebene Bibliotheksgänger und leihen zu 90 Prozent Bücher aus. Im Angebot sind meist auch CDs und DVDs und Internetnutzung. (Quelle: F.A.Z. 6. Juni 2006)

Feiertage [Bearbeiten]

Liste der landesweit einheitlichen Feiertage. Details und regional zusätzliche Feiertage siehe

→ Hauptartikel: Feiertage in Frankreich

1. Januar

Neujahr (Jour de l’An)

Ostermontag

(Lundi de Pâques)

1. Mai

Tag der Arbeit/Maifeiertag (Fête du travail)

8. Mai

Tag des Sieges (Fête de la Victoire) (Kapitulation von Nazi-Deutschland 1945)

Christi Himmelfahrt

(Jour de l’Ascension)

Pfingstmontag

(Lundi de Pentecôte)

14. Juli

Tag des 14. Juli (Fête nationale) – Jahrestag des Sturms auf die Bastille 1789

15. August

Maria Himmelfahrt (Assomption)

1. November

Allerheiligen (Toussaint)

11. November

Waffenstillstand von Rethondes (Armistice 1918) zur Beendigung des Ersten Weltkrieges

25. Dezember

Weihnachtsfeiertag (Noël)

Auch bei den Inseln kann man zB Fuerteventura besuchen:

Fuerteventura:

Fuerteventura ist eine der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean, rund 120 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Mit einer Fläche von 1659,74 Quadratkilometern hat sie einen Anteil von 22,15 Prozent an der gesamten Landfläche der Kanaren, damit ist sie nach Teneriffa die zweitgrößte Insel des Archipels. Fuerteventura hat 104.072 Einwohner (Stand 1. Januar 2011).[1] Die Hauptstadt ist Puerto del Rosario. Hier befindet sich auch der internationale Flughafen von Fuerteventura. Die Landessprache ist Spanisch. Fuerteventura bildet mit der rund 11,5 Kilometer nördlich gelegenen Insel Lanzarote die östliche Grenze der Kanaren und gehört, wie die anderen kanarischen Inseln, geographisch zu Afrika.

Mit Lanzarote und Gran Canaria gehört Fuerteventura zur spanischen Provinz Las Palmas. Präsident der Inselregierung ist Mario Cabrera González von der Coalición Canaria.[2]

Geographie [Bearbeiten]

Fuerteventura ist die älteste Insel der Kanaren; sie entstand vor etwa 20,6 Millionen Jahren und ist vulkanischen Ursprungs. Der Großteil der Inselmasse entstand vor ca. 5 Millionen Jahren und ist seitdem durch Wind und Wetter stark erodiert. Die letzten vulkanischen Aktivitäten auf Fuerteventura erloschen vor 4.000 bis 5.000 Jahren.

Der höchste Punkt auf Fuerteventura ist der Berg Pico de la Zarza (807 m), auch Pico de Jandía genannt, auf der gleichnamigen Halbinsel.

Im Nordosten der Insel findet man (bei Corralejo) große Sanddünenbereiche (Wanderdünen), die die Nähe der kanarischen Inseln zu Nordafrika sehr anschaulich werden lassen (Parque Natural de Corralejo). Der Sand besteht aber zu großen Teilen aus zerriebenen Meerestiergehäusen (Muscheln, Schneckenhäuser). An manchen Stellen findet man auch Kalkformationen vom ehemaligen Meeresboden, die ebenso wie die schwarzen Vulkanreste stark erodieren und ihren Teil zum meist gesprenkelten Sand beitragen.

Die Insel erreicht zwischen der Nord- und Südwestspitze eine Länge von knapp 100 Kilometern und misst an der breitesten Stelle 31 Kilometer. Der Istmo de la Pared ist mit fünf Kilometern Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras und gliedert die Insel in zwei Teile: den nördlichen Teil Maxorata, nach dem auch die ursprünglichen Inselbewohner Majoreros benannt sind, und die südliche Halbinsel Jandía. Die Inselfläche von knapp 1700 Quadratkilometern ist, im Vergleich zu anderen Kanarischen Inseln, mit 54 Einwohnern pro km² nur sehr dünn besiedelt.

Geologie [Bearbeiten]

Phasen der Entstehung [Bearbeiten]

Das geologische Alter der vulkanischen Insel, das heißt der über Wasser erstarrten Gesteine, wurde mittels Ar/Ar-Datierung mit etwa 22 Millionen Jahre ermittelt,[3] andere Forscher sprechen von 20,6 Millionen Jahren.[4] Die ihr benachbarte und ursprünglich mit ihr verbundene Insel Lanzarote entstand hingegen vor ca. 15,5 Millionen Jahren.

Wie bei anderen Inseln des Archipels liegen der Entstehung von Fuerteventura drei Schildvulkanstrukturen zugrunde (12–22 Millionen Jahre alt).[5] Es handelt sich dabei um einen südlichen, einen mittleren und einen nördlichen Vulkankomplex, die inzwischen stark erodiert sind und teilweise unter der Meeresoberfläche liegen. An diesen wurden vor allem die radialen Gangschwärme untersucht.[6]

Die Schildvulkane wiederum ruhen auf noch älteren Strukturen, die entweder als unterseeische Vulkane (Seamounts) wirksam waren und unterhalb des Meeresspiegels blieben, oder aber später durch Landhebungen aufgrund der vulkanischen Aktivität (Intrusionen) bzw. absinkenden Meeresspiegel über die Wasseroberfläche hinausragten. Sie haben ein Alter von ca. 22–48 Mio. Jahren. Unterhalb der Seamounts wiederum befinden sich Sedimentschichten und ozeanische Kruste, die hier 180 Millionen Jahre alt ist.[5]

Wie auch auf anderen Inseln der Kanaren folgte den Aufbauperioden eine Phase der Erosion und eine einige Millionen Jahre währende Pause in der vulkanischen Aktivität. Diese setzte erst vor ca. 5 Millionen Jahren wieder ein und dauerte bis in die (erdgeschichtliche) Gegenwart an, die letzten Eruptionen fanden vor einigen Tausend Jahren statt.[3]

Erosion [Bearbeiten]

Die ältesten Teile der Insel sind im Westen, die jüngsten im Osten sichtbar. Daraus kann man ersehen, dass die Erosion große Teile der früheren Inselstruktur zerstört hat, was wohl nicht zuletzt auf enorme Flankenkollaps-Ereignisse zurückzuführen ist.[7] Wasser-, vor allem Meereserosion und Wind trugen das Ihrige zum heutigen Aussehen der Insel bei. In den Kaltzeiten wurde bei niedrigem Meereswasserstand durch den Wind viel Material abgetragen und in Dünen angehäuft, wobei sich Sedimente, etwa Muschelsand mit vulkanischen Gesteinspartikeln vermischten.[3] Auch hoben Intrusionen unter Fuerteventura und La Palma Teile dieser Inseln an, und zwar um mehrere Tausend Meter.[8]

Klima [Bearbeiten]

Klimadiagramm
Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm, was den Kanarischen Inseln den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“ eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara weitgehend fern (gelegentlich zeigt sich eine mit Calima bezeichnete Wetterlage). Fuerteventura ist mit 147 mm pro Jahr im Kanarenvergleich sehr niederschlagsarm. Die Wolken ziehen darüber hinweg, weil die Berge zu niedrig sind. Verstärkt durch die Fehler der Vergangenheit (Brennholzgewinnung, Haltung freilaufender Ziegen) wirkt sich dies in jüngster Zeit besonders auf die Landwirtschaft aus – der Tomatenanbau ist stark rückläufig, Olivenbäume sind erst im Kommen, nur Aloe vera wird noch reichlich angebaut. Man spricht von Halbwüste mit Tendenz zur Wüste. Die Palmen und anderen Gewächse, die man auf Postkarten sieht, werden fast ausschließlich künstlich aus den Abwässern der Hotels bewässert. Die teilweise sehr starken Regenfälle in den Wintermonaten fließen, begünstigt durch die fehlende Vegetation, größtenteils ungenutzt und ungebremst ins Meer ab. Die Erosion ist sehr hoch. Speicherbecken füllen sich immer wieder mit Material auf, müssen ausgebaggert oder neu angelegt werden. Ein besonderes Wetterphänomen ist Calima, ein heißer Ostwind aus der Sahara. Während einer Calima-Wetterlage steigt die Temperatur manchmal sprunghaft um 10 °C und die Luft wird extrem trocken. Der Wind bringt neben feinem Sand, der den Himmel verdunkelt und die Sicht auf 100 bis 200 Meter senkt, auch afrikanische Wanderheuschrecken sowie andere Insekten mit sich.

Einwohner [Bearbeiten]

Jahr

Einwohner[9]

1991

36.908

1995

42.882

1999

53.903

2003

74.983

2007

94.386

2008

100.929

2011

104.072

Obwohl sich heute die Bevölkerung an den touristisch geprägten Orten an der Küste konzentriert, befinden sich die Sitze der Gemeindeverwaltungen mit Ausnahme der Hauptstadt Puerto del Rosario in vergleichsweise kleinen historischen Orten im Inselinnern. Fuerteventura ist in sechs Gemeindebezirke eingeteilt (Einwohnerzahlen zum 1. Januar 2008/Vergleich 1. Januar 2000):
Antigua (9715 Einwohner/4821 Einwohner), mit dem Tourismuszentrum El Castillo/Caleta de Fuste
Betancuria (715 Einwohner/677 Einwohner)
La Oliva (21.354 Einwohner/10.578 Einwohner), mit El Cotillo und dem Tourismuszentrum Corralejo
Pájara (20.283 Einwohner/12.923 Einwohner), mit den Tourismuszentren Costa Calma und Morro Jable/Jandía
Puerto del Rosario (35.293 Einwohner/21.274 Einwohner), ehemals Puerto de las Cabras
Tuineje (13.569 Einwohner/9851 Einwohner), mit Gran Tarajal und Tarajalejo

Die Bevölkerungszahl hat sich von 1996 bis 2006 um 146,82 % erhöht. Im Dezember 2006 zählte die Insel 105.980 Einwohner. Davon sind knapp ein Drittel (29,20 %) Ausländer.

Geschichte [Bearbeiten]

Steilküste bei Ajuy
Die Kanaren, auch Fuerteventura, wurden von Ureinwohnern, den Guanchen, bewohnt. Als Herkunft vermutet man nordafrikanische Berberstämme, welche ab etwa 3000 v. Chr. die Inseln besiedelten. Ab dem 30. Jahrhundert v. Chr. findet eine erste Besiedlung der Kanaren in mindestens zwei Wellen statt. Um das 11. Jahrhundert v. Chr. besuchen wahrscheinlich phönizische Seefahrer Fuerteventura und Lanzarote, eindeutig belegt ist dies jedoch nicht. Um 850 v. Chr. beschreibt der griechische Dichter Homer in der Odyssee die Kanaren als „Die Inseln der Glückseligen“. Quer über die Landenge der Insel, die den nördlichen Teil vom südlichen trennte, soll es bis zur Ankunft der Spanier im 15. Jahrhundert einen Steinwall gegeben haben. Er grenzte die zwei Königreiche der Insel in das nördliche Maxorata mit König Guize und das südliche Gandía (heute Jandía) mit König Ayoze ab. Beim Durchwandern der Landenge von Jandía kann man unterhalb des Windparkes von Costa Calma auf Reste einer dicken, etwa drei Meter hohen Mauer treffen. Ob es der echte Wall der Legende ist, ist fraglich.

1312 landete Lancelotto Malocello auf Lanzarote. Aufgrund seiner fantastischen Berichte brachen – im Jahr 1340 – Spanier und Portugiesen mit Expeditionen in Richtung Kanaren auf. Die Inseln wurden von europäischen Goldsuchern, Händlern und Sklavenjägern heimgesucht.

Schwarzer Lavasand bei Ajuy

Gebäudeeingang
1402 brach der Normanne Jean de Béthencourt zu seiner Expedition von Lanzarote aus auf, das er vorher unterworfen hatte. Im Januar 1405 ließ sich König Guize mit seinen Gefolgsleuten taufen. Einen Tag später folgte auch König Ayoze mit vielen seiner Einwohner. Die Könige verblieben auf der Insel und bekamen sogar Ländereien zurück. Betancuria wurde als Hauptstadt gegründet. 1412 legte Béthencourt vor dem spanischen König den Lehnseid ab. 1424 wurde Fuerteventura aus politischen Gründen Bistum. Der Bischof trat sein Amt aber nie vor Ort an. 1430 wurde die Ernennung zum Bistum für ungültig erklärt und Guillén de las Casas erwarb den Besitzanspruch auf die Insel. 1441 kam der Franziskaner Didakus auf die Insel und gründete das Kloster Fortaventure. Er gilt als Missionar der Guanchen. 1456 ging der Besitz des Guillén auf dessen Erben, Diego García de Herrera, über. Herrera und seine Nachfolger herrschten als Señores über die Insel und erschlossen sie systematisch. Wichtige Einnahmequelle des Herrera-Clans war die Sklavenjagd an der nordafrikanischen Küste.

Wanderweg auf dem höchsten Berg Fuerteventuras
1708 wurde eine Militärherrschaft, die sogenannten Coroneles (dt.: die Obersten), mit Sitz in La Oliva gegründet. 1740 landeten englische Korsaren bei Gran Tarajal und wollten die Insel unterwerfen, sie wurden jedoch in zwei Schlachten bei Tuineje besiegt. Während des 17. und 18. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Überfällen von Freibeutern. Daher wurden zum Schutz der Insel 1740 die beiden Festungstürme von El Cotillo und Caleta de Fustes errichtet.

1834 wurde Antigua neue Hauptstadt, 1835 wurde der Verwaltungssitz nach Puerto de Cabras (heute: Puerto del Rosario) verlegt. 1836 wurde die Feudalherrschaft der Señores abgeschafft. 1852 wurden die Kanarischen Inseln von Isabella II. zur Freihandelszone erklärt. Die Militärherrschaft über die Insel wurde 1859 aufgelöst und Puerto de Cabras wurde 1860 schließlich die neue und jetzige Hauptstadt der Insel.

1912 wurden den Kanaren die Selbstverwaltungsrechte (Cabildo Insular) zugestanden. Fuerteventura und Lanzarote wurden 1927 Teil der Provinz Las Palmas. 1966 kamen die ersten Urlauber auf die Insel. 1975 wurden etwa 4500 spanische Fremdenlegionäre nach Puerto del Rosario verlegt. 1982 bekamen die Kanarischen Inseln einen eigenen Autonomiestatus. 1986 trat Spanien der EG bei, die Kanaren behielten aber ihren Sonderstatus. Der Fremdenverkehr wurde 1990 zur wichtigsten Einnahmequelle der Insel; die Bautätigkeiten erreichten ihren Höhepunkt. Die Fremdenlegion wurde 1996 wieder von Fuerteventura abgezogen.

Wirtschaft [Bearbeiten]

Ziegenkäse in einer Käserei auf Fuerteventura

Zuchtanlage für Aloe vera
Der Hauptwirtschaftszweig ist der Tourismus: von sanftem, naturnahem Tourismus im Inselinneren bis hin zu lauten und stark frequentierten Hotelketten für Massentourismus im Küstenbereich. Von den jährlich 1,7 Millionen Touristen sind 35 % Deutsche. Viele Sportarten werden angeboten – vor allem Wassersport: Segeln, Surfen, Schwimmen, Wasserski, Jetski, Tauchen und mit Einschränkungen auch Wandern und (Kamel-)Reiten. Bauern bieten regionale Produkte an und partizipieren somit geringfügig am Tourismus. Wenn sie aber nicht gerade im Besitz küstennaher Weideflächen sind, geht der Fortschritt am Großteil der alteingesessenen Bevölkerung vorbei oder schadet sogar den traditionellen Großfamilien durch Abwanderung der Jugend in die Touristenorte und das besonders bei Immobilien gestiegene Preisniveau. Vorteile sind in der verbesserten Infrastruktur zu sehen. Die Arbeitslosigkeit ist relativ niedrig, die meisten spanischen Servicekräfte kommen vom Festland und sprechen verschiedene Dialekte. Regionale Produkte sind vor allem Ziegenkäse und Meersalz, kanarische Kartoffeln (Papas Arrugadas) und kanarische Tomaten (rückläufig). In einigen Gemeinden wird seit längerer Zeit die Heilpflanze Aloe vera gezüchtet, angebaut und exportiert. Dieses einheimische Bioprodukt ist allerdings durch Markenpiraterie und Billigimporte bedroht.

Verkehr [Bearbeiten]

Die Insel, die hauptsächlich vom Tourismus lebt und daher eine starke Anbindung an den internationalen Verkehr braucht, besitzt einen internationalen Flughafen mit Verbindungen in viele europäische Länder.

Der Seehafen in der Inselhauptstadt Puerto del Rosario ist der größte Umschlagsplatz der Insel. Unter anderen unterhielt die Reederei Naviera Armas seit Anfang 2008 eine direkte Fährverbindung zum marokkanischen Hafen Tarfaya, die allerdings für unbestimmte Zeit unterbrochen wurde, als die Autofähre Assalama am 30. April 2008 vor Tarfaya sank. Weitere Häfen gibt es in Morro Jable, Corralejo, Gran Tarajal und El Castillo. Von Corralejo aus verkehrt stündlich eine Fähre nach Playa Blanca auf Lanzarote. Morro Jable hat eine Fährverbindung mit Las Palmas auf Gran Canaria. Die Fähre setzt einmal am Tag über und braucht etwa dreieinhalb Stunden. Der Hafen von Gran Tarajal wie auch der Hafen von Morro Jable sind immer noch im Ausbau (Stand: 2007). Von Las Palmas gibt es eine Verbindung nach Gran Tarajal.

Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Blick auf den Strand von Morro Jable

Steilküste bei La Pared
Bei Touristen beliebt sind die weiten Sandstrände entlang der Ostküste. Im Norden, nahe Corralejo, gibt es seit 1987 den unter Naturschutz stehenden Dünenpark, zu dem auch die vorgelagerte Insel Los Lobos gehört. Die konstanten Winde machen die Strände der Insel interessant für Wassersportler, Wellenreiter an der Westküste, Windsurfer im Norden bei Corralejo oder an der Ostküste (besonders am langen Strandabschnitt zwischen der Costa Calma und Jandía). Hier hat sich gerade in den letzten Jahren auch das Kitesurfen etabliert. Der Westen der Insel besteht zu einem großen Teil aus Steilküste mit lebensgefährlichen ablandigen Strömungen.

Sehenswert ist der Oasis-Park in La Lajita, ein Zoo mit Tier-Shows und Kamel-Safari. Dazu gehört ein botanischer Garten.

Eine Sehenswürdigkeit im nordwestlichen Inselinneren ist das Ecomuseo de Algocida in Tefia. Mit Mitteln der Europäischen Union wurden hier in den letzten Jahren mehrere verfallene Bauernhöfe restauriert, und es wird die Handwerkskunst und Lebensweise der Bevölkerung Fuerteventuras vor der Zeit des Tourismus gezeigt. Zu sehen sind Steinmetze, Bäcker, Stellmacher, Stickerinnen uvm.

In Fuerteventuras Berglandschaft, aber auch an den zu den Stränden der Ostküste abfallenden Hängen kann man auf Atlashörnchen (Atlantoxerus getulus) treffen, die sich flink durch die Steine bewegen und von Fall zu Fall an Menschen gewöhnt sind. Die ersten Tiere wurden 1965 aus Nordafrika eingeschleppt; sie vermehrten sich rasch und richten heute teilweise schwere Schäden an der Vegetation an. Außerdem kann man auf den Nordafrikanischen Igel (Erinaceus algirus, der als Insektentilger geschätzt wird), Fledermäuse und eine Spitzmausart (Crocidura canariensis) sowie Kaninchen (Jagdwild) treffen.

Bei Cofete auf der Halbinsel Jandía befindet sich die Villa Winter, ein nach dem ehemaligen Eigentümer benanntes Anwesen mit undurchsichtiger Vergangenheit.

Im Municipio Tindaya steht der La Montaña Tindaya. Er wird auch als heiliger Berg bezeichnet. Vor nicht allzu langer Zeit wurden dort bedeutende Überreste der Ureinwohner gefunden.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Miguel de Unamuno, ein baskischer Philosoph, lebte 1924 einige Monate auf der Insel als politisch Verbannter. Von ihm stammt die Zeile „Fuerteventura ist eine Oase in der Wüste der Zivilisation“. Seit einigen Jahren steht ihm zu Ehren ein Denkmal am Fuß der Montaña Quemada, nahe Tindaya.

Auch aufgezählt werden sollte:

Großbritannien

Das Vereinigte Königreich (englisch United Kingdom, kurz UK), Langform Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland (engl. United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) ist ein auf den Britischen Inseln vor der Nordwestküste Kontinentaleuropas gelegener Staat.

Der größte Inselstaat Europas ist eine Union aus England und den ehemals unabhängigen Einzelstaaten Wales und Schottland sowie dem Gebiet Nordirland, welches ministerial verwaltet wird. Über den weiteren Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich soll 2014 eine Volksabstimmung entscheiden. Die Kronbesitztümer der Isle of Man und der Kanalinseln sind der britischen Krone unterstellt, sind jedoch als selbständige Länder nicht Bestandteil des Vereinigten Königreichs. Deren Verhältnis zum Vereinigten Königreich lässt sich durch den Begriff der Suzeränität beschreiben. Als parlamentarische Monarchie unterhält der Staat ferner Beziehungen zu fünfzehn Commonwealth Realms, deren Staatsoberhaupt der britische Monarch ist, daneben bestehen noch 14 Überseegebiete.

Mit rund 63,2 Millionen Einwohnern[3] ist es der drittbevölkerungsreichste Staat der Europäischen Union. Darüber hinaus ist das Vereinigte Königreich Gründungsmitglied der NATO sowie der Vereinten Nationen. Es ist Atommacht, ständiges Mitglied des Sicherheitsrates und auch Mitgliedstaat der Gruppe der Acht.

Das Vereinigte Königreich besitzt internationalen Einfluss dank des weit verbreiteten Gebrauchs der englischen Sprache und des Commonwealth of Nations.

Staatsname [Bearbeiten]

Die amtliche Langform des Staatsnamens lautet in Deutschland und Österreich „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“, in der Schweiz wird die Variante „Vereinigtes Königreich von Grossbritannien und Nordirland“[6] gebraucht. Vereinfachenderweise wird im deutschen Sprachgebrauch meist die Bezeichnung Großbritannien als Synonym für das Vereinigte Königreich verwendet, auch von Politikern, Medien, Bildungseinrichtungen und den britischen Botschaften selbst.

Großbritannien ist jedoch nur die größte der Britischen Inseln oder das frühere Königreich Großbritannien (bis 1801), das nur England, Schottland und Wales umfasste. Auf der zweitgrößten Insel – Irland – befinden sich Nordirland und die Republik Irland.

Das „Groß“ in Großbritannien stammt ursprünglich aus dem Französischen: Großbritannien ist die Grande Bretagne, im Unterschied zu der auch im Deutschen so genannten Bretagne.

Die lateinische Bezeichnung Britannia stammt von dem keltischen Begriff brith, was buntfarbig oder gefleckt bedeutet.

Die synekdochische Bezeichnung England für das Vereinigte Königreich findet sich vor allem in Kontinentaleuropa und ist auf die Jahrhunderte anhaltende Dominanz Englands innerhalb des Königreiches zurückzuführen. Die Briten selbst bezeichnen ihr Land in der Alltagssprache als UK oder Britain.

Geographie [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geographie des Vereinigten Königreichs

Das Vereinigte Königreich besteht aus der Hauptinsel Großbritannien und etwa einem Sechstel der Insel Irland. Um die Hauptinsel liegen mehrere Inselgruppen mit über 1000 kleineren Inseln. Die wichtigsten Inselgruppen sind Shetland und Orkney in der Nordsee nördlich von Schottland, die Äußeren Hebriden und die Inneren Hebriden im Atlantischen Ozean westlich von Schottland, Anglesey in der Irischen See nördlich von Wales, die Scilly-Inseln in der Keltischen See südwestlich von England sowie die Isle of Wight im Ärmelkanal vor der englischen Südküste. Die einzige Landgrenze besteht auf der Insel Irland zur Republik Irland; diese ist 360 Kilometer lang. Nicht zum Vereinigten Königreich gehören (obwohl sie der britischen Krone unterstehen) die Isle of Man in der Irischen See und die Kanalinseln im Ärmelkanal vor der Nordküste Frankreichs.

England [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geographie Englands

Das Vereinigte Königreich besteht aus England, Schottland, Wales und Nordirland.
Größter Teilstaat ist England mit einer Fläche von 130.395 Quadratkilometern und rund 50,4 Millionen Einwohnern. Er bedeckt rund 57 % der Insel Großbritannien und besteht zum größten Teil aus Tiefebenen, die von Hügelketten durchzogen sind. Die Tees-Exe Line, eine zwischen den Flüssen Tees in Yorkshire und Exe in Devon gezogene imaginäre Linie, unterteilt England in zwei unterschiedliche Regionen.

Der Nordwesten und der Norden sind geprägt von Mittelgebirgen aus metamorphen und magmatischen Gesteinen. Dazu gehören die Cumbrian Mountains und die Pennines. Aus älteren Sedimentgesteinen besteht der südlich an die Pennines anschließende Peak District in Mittelengland. Weitere Mittelgebirge sind Dartmoor und Exmoor im äußersten Südwesten.

Im Süden und entlang der Ostküste liegen bedeutend flachere Hügelzüge aus jüngeren Sedimentgesteinen. Dazu gehören einerseits die Kalksteinhügel der Yorkshire Wolds, der Lincolnshire Wolds, der Cotswolds und der Isle of Purbeck, andererseits die Südenglische Kreideformation, bestehend aus Salisbury Plain, Chiltern Hills, North Downs und South Downs. Der höchste Berg Englands ist mit 978 Metern der Scafell Pike in den Cumbrian Mountains.

Die wichtigsten Flüsse sind Themse, Severn, Trent, Great Ouse und Humber. Die größten Städte sind London, Birmingham, Manchester, Sheffield, Liverpool, Leeds, Bristol und Newcastle-upon-Tyne.

Wales [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geographie von Wales

Westlich an England grenzt Wales (wal.: Cymru), das 20.779 Quadratkilometer groß ist und knapp drei Millionen Einwohner zählt. Das Land besteht fast gänzlich aus metamorphen Mittelgebirgen, wobei die Erhebungen von Norden nach Süden generell niedriger werden. Höchster Berg ist der Snowdon (Yr Wyddfa) mit 1085 Metern. Nach diesem ist Snowdonia benannt, das nördlichste der drei walisischen Gebirge. Im zentralen Landesteil liegen die Cambrian Mountains, daran anschließend in Südwales die Brecon Beacons.

Der längste Fluss des Vereinigten Königreichs, der Severn, entspringt in Zentralwales in den Cambrian Mountains. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf einen schmalen Küstenstreifen entlang des Bristolkanals im Süden mit den Städten Cardiff, Newport und Swansea sowie auf die vom Küstenstreifen abzweigenden südwalisischen Täler.

Schottland [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geographie Schottlands

Schottland (gäl.: Alba) ist 78.772 Quadratkilometer groß, zählt rund 5,1 Millionen Einwohner und umfasst den nördlichen Teil Großbritanniens. Das Land besteht aus drei Teilen; den gebirgigen Highlands im Norden und Westen, dem flachen Central Belt im Zentrum und den hügeligen Southern Uplands im Süden.

Die Geologie Schottlands ist weitgehend metamorph, Sedimente sind relativ selten. Magmatisches Gestein hingegen ist vor allem in den südlichen Highlands und auf den Inneren Hebriden in zahlreichen Gegenden zu finden. Ebenfalls das Ergebnis urzeitlicher vulkanischer Aktivität ist der Ben Nevis in den Grampian Mountains, mit 1344 Metern der höchste Berg Schottlands und der gesamten Britischen Inseln. Die nördlichen, etwas flacheren Highlands sind vom Rest des Landes durch den Great Glen geteilt, einer tektonischen Verwerfung.

Im Central Belt konzentriert sich der größte Teil der Bevölkerung, in den Ballungsgebieten der Großstädte Glasgow, Edinburgh und Dundee. Einzige Großstadt außerhalb dieser Region ist Aberdeen an der Nordostküste. Am südlichsten liegen die dünn besiedelten Southern Uplands; sie erstrecken sich entlang der englischen Grenze von der Irischen See zur Nordsee. Central Belt und Southern Uplands werden zusammen auch als Lowlands bezeichnet.

Die Westküste Schottlands ist stark zergliedert, dies aufgrund vieler vorgelagerter Inseln und zahlreicher tief in das Landesinnere reichender Fjorde (die in Schottland als Firths bezeichnet werden). Die bekanntesten dieser Meeresarme sind der Firth of Clyde und der Solway Firth. Hingegen ist die Ostküste wenig zergliedert, mit Ausnahme des Firth of Forth, des Firth of Tay und des Moray Firth, die aber mehr den Charakter großer Ästuare haben.

Nordirland [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geographie Nordirlands

Kleinster Teilstaat ist Nordirland (irisch: Tuaisceart Éireann), das 13.843 Quadratkilometer groß ist, rund 1,7 Millionen Einwohner zählt und den nordöstlichen Teil der Insel Irland umfasst. Das Gelände ist zumeist wellig. Das einzige Mittelgebirge sind die im Südosten gelegenen Mourne Mountains, der höchste Berg ist der Slieve Donard mit 849 Metern. Ungefähr in der Mitte Nordirlands liegt der Lough Neagh, mit einer Oberfläche von 388 Quadratkilometern der größte Binnensee der Britischen Inseln. Die größten Städte sind Belfast und Derry.

Klima [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Klima des Vereinigten Königreichs

Satellitenfoto der Britischen Inseln
Das Vereinigte Königreich liegt ganz in der gemäßigten Klimazone. Das Klima ist feucht und aufgrund des Einflusses des Golfstroms wärmer als in Gebieten auf den gleichen Breitengraden. Aufgrund der Lage des Landes in der Konvergenzzone von kalter polarer und warmer tropischer Luft ist das Wetter sehr unbeständig. Allgemein ist das Klima im Süden und Osten wärmer und trockener als im Norden und Westen. Die Regenmenge beträgt im Norden durchschnittlich 1000 mm pro Jahr, im Süden 700 mm. Am feuchtesten ist es in den westlichen Highlands mit über 3000 mm jährlich, am trockensten in Essex mit 600 mm (in besonders trockenen Jahren sogar nur 450 mm).

Während zwei Dritteln des Jahres ist der Himmel bewölkt, so dass die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer relativ gering ist. An der englischen Südküste beträgt diese 1750 und 2100, im westlichen Teil Schottlands oft weniger als 1000 Stunden. Das Land ist relativ selten von Naturkatastrophen betroffen, vor allem im Winter können jedoch starke Sturmwinde (bis zu Orkanstärke) und Überschwemmungen auftreten. Nebel tritt vor allem im Winter in den bergigen bzw. hügeligen Regionen sowie an der Küste auf.

Die höchste je im Vereinigten Königreich gemessene Temperatur ist 38,5 °C am 10. August 2003 bei Faversham in Kent, während der Hitzewelle 2003. Am kältesten war es am 30. Dezember 1995 bei Altnaharra in Sutherland mit −27,2 °C. Da die Durchschnittstemperatur auch im Winter meist über dem Gefrierpunkt liegt, fällt nur wenig Schnee. Ausnahme sind die schottischen Highlands, wo während einigen Wochen die Schneedecke dick genug ist, um Wintersport ausüben zu können.[7]

Flora und Fauna [Bearbeiten]

Der früher weit verbreitete Laub- und Mischwald ist wegen Raubbau und Landwirtschaft auf 8 % zurückgedrängt worden. Jetzt versucht man die Wälder wieder aufzuforsten. Die Gebirge sind mit Mooren und Heiden bedeckt.

Wild lebende Großsäugetiere sind Rothirsche und Rehe sowie die eingebürgerten Damhirsche, Sikahirsche und Wasserrehe. Die ehemals heimischen Wölfe und Wildschweine wurden ausgerottet. In Exmoor, auf den Shetland-Inseln und im New Forest gibt es halbwilde Ponys. Das Eichhörnchen wird durch das ausgesetzte nordamerikanische Grauhörnchen verdrängt. In Südengland lebt das ebenfalls eingebürgerte Benett-Känguru; eine weitere ursprünglich nicht heimische Säugetierart ist der Mink, ein nordamerikanischer Verwandter des Nerzes. In den Küstenregionen leben Seehunde und Kegelrobben.

Die Pflanzen- und Tierwelt Nordirlands entspricht in weiten Teilen der der britischen Hauptinsel. Einzig eine Spezies wilder Orchideen (Spiranthes stricta) stellt eine Besonderheit dar, die in den Tälern der Nebenflüsse des Upper und Lower Bann zu finden ist.

Bevölkerung [Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 2004 60.294.000 Einwohner. Seine Staatsbürger werden Briten genannt. Die Bevölkerung verteilt sich auf die einzelnen Regionen wie folgt:

England: 83,7 %, Schottland: 8,5 %, Wales: 4,9 %, Nordirland: 2,9 %

Sprachen [Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich hat keine offizielle Amtssprache, Englisch ist jedoch de facto offizielle Sprache und wird von 95 % der Bevölkerung als einzige Landessprache verwendet. Als „Hochsprache“ gilt die so genannte Aussprachevariante der Received Pronunciation, die jedoch von unter 10 % der Engländer, hauptsächlich im Süden des Landes, in der Region um London, im Alltag gesprochen wird. Dieses Englisch wird auch in den meisten Schulen Deutschlands unterrichtet. Allerdings haben zwei Teilstaaten offizielle Sprachen: In Wales sind sowohl Englisch als auch Walisisch offizielle Sprachen. In Schottland wird seit 2005 die Schottisch-Gälische Sprache neben Englisch als offizielle Amtssprache anerkannt. In Nordirland sind Irisch und Ulster Scots offiziell anerkannte Minderheitensprachen. Daneben gibt es im Vereinigten Königreich diverse lokale Dialekte des Englischen, die aber keinen offiziellen Status haben und meist rein mündlicher Natur sind. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein empfand man Dialekte und dialektal gefärbte Aussprache im klassenbewussten Königreich als sozialen Makel.

Die Minderheitensprachen sind durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt und geschützt. In Schottland sind dies die Scots sowie die schottisch-gälische Sprache, in Cornwall die kornische Sprache, in Nordirland das Ulster Scots sowie die irische Sprache. Walisisch genießt in Wales Gleichberechtigung mit Englisch. Im Vereinigten Königreich wird als Gebärdensprache der Hörgeschädigten die sogenannte British Sign Language verwendet.

Laut der Volkszählung von 2001 wird Walisisch von rund 20 % der Bevölkerung in Wales gesprochen (ca. 600.000 Menschen), schottisches Gälisch von rund 60.000 Menschen, Irisch von rund 20.000 Menschen (7 % der Bevölkerung Nordirlands) und Kornisch von 3500 Menschen (etwa 0,6 % der Bevölkerung von Cornwall).

Ethnische Gruppen [Bearbeiten]

92,1 % der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs sind Weiße. Daneben gibt es eine Minderheit von 7,9 %, die sich aus verschiedenen nicht-weißen Ethnien zusammensetzt. Zu über 50 % sind ihre Angehörigen im Vereinigten Königreich selbst geboren worden. Der relativ große Anteil der nicht-weißen Menschen erklärt sich vornehmlich aus Einwanderungsbewegungen aus ehemaligen britischen Kolonien in der Karibik und aus dem indischen Subkontinent, insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren.

Die „Black Caribbean“ bzw. „Black African“ betragen über 1,1 Millionen der Gesamtbevölkerung. Der Großteil der eingewanderten Westinder kam in den 1950er Jahren, in der Hoffnung auf Arbeit und um der schlechten Lebensqualität in ihren Heimatländern zu entfliehen. Die meisten kamen aus Jamaika, Dominica sowie Trinidad und Tobago. Bei der letzten Volkszählung 2001 wurden 1.148.738 Menschen gezählt (davon 565.876 aus dem karibischen Raum und 485.277 aus Afrika), was etwa 2,1 % der Gesamtbevölkerung entspricht.

2001 lebten über eine Million Inder in Großbritannien. Diese stellen die größte Einwanderergruppe aus einem einzigen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 1,8 %. Bei der letzten Volkszählung (2001) wurden 1.053.411 Menschen gezählt. Obwohl sie als eine einzige Minderheitengruppe zusammengefasst werden, gibt es weitere Unterschiede innerhalb derselben. 45 % der britischen Inder sind Hindus, die Sikhs folgen mit 29 % und an dritter Stelle die indischen Moslems mit 13 %. Diverse Gründe haben die Inder dazu veranlasst, ins Vereinigte Königreich auszuwandern; neben wirtschaftlichen Gründen wie Armut, Arbeitssuche oder dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard spielt auch politische Verfolgung eine Rolle.

Pakistaner sind die zweitgrößte südasiatische Minderheit. 2001 lebten 747.285 Pakistaner in Großbritannien. Sie kamen mit Seefahrern ins Vereinigte Königreich und suchten dort für kurze Zeit Arbeit, um Geld für ihre Familien zu verdienen, und um dann wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Viele von ihnen aber blieben im Vereinigten Königreich. Der größte Teil der Pakistaner sind Anhänger des Islam.

Die Bangladescher (2001 waren es 283.063) gehören ebenso wie die Inder und Pakistaner zu den sogenannten „Asian or Asian British People“. Die Gründe für ihre Einwanderung waren der Bürgerkrieg und die Abspaltung Bangladeschs von Pakistan 1971 ebenso wie die der Suche nach Arbeit und die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Die meisten Bangladescher sind ebenfalls Muslime.

Ein Großteil der chinesischen Einwanderer immigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg ins Vereinigte Königreich, vor allem aufgrund des Preisverfalls von Reis in Hongkong. Im Jahre 2001 lebten 247.403 Chinesen im Vereinigten Königreich, was 0,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Heutzutage gehören Chinesen zu den bestverdienenden und bestausgebildeten Einwohnern des Vereinigten Königreichs.

Auch etwa 150.000 Singhalesen leben im Vereinigten Königreich, davon gehören die meisten dem Buddhismus an.

Unter dem englischen Begriff „Gypsy“ oder „Traveller“ versteht man eine Vielzahl ethnischer Minderheiten. Die Minderheit, die den traditionellen „Zigeunern“ in ihrer Lebensweise am nächsten kommt, sind die Roma, deren Ursprung in Nordindien liegt. Die Hauptprobleme der Roma und auch der relativ wenigen britischen Sinti sind Diskriminierung, Armut und eine hohe Kindersterblichkeitsrate.

Nach Schätzungen der UNO leben im Vereinigten Königreich mehrere hunderttausend Menschen polnischer Herkunft. Viele dieser Polen dienten während des Zweiten Weltkriegs auf der Seite der Alliierten und kämpften in der Britischen Armee oder waren Flüchtlinge. Viele blieben in Großbritannien, als Polen nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion besetzt und von der Kommunistischen Partei Polens (PVAP) beherrscht wurde. Durch die EU-Mitgliedschaft Polens begünstigt sind viele Polen ins Vereinigte Königreich eingewandert, um Arbeit zu suchen.

Viele der griechischen und türkischen Zyprioten Großbritanniens leben in den Großstädten, vor allem in London (ca. 200.000). Zwei bekannte Briten mit zypriotischen Wurzeln sind die Popstars George Michael und Cat Stevens.

Insgesamt leben 2011 nach EU-Angaben im Vereinigten Königreich etwa 4,02 Millionen Ausländer, das sind 6,6 % der Bevölkerung, was etwa dem EU-Durchschnitt entspricht. Fast alle Einwanderer aus ehemaligen Kolonien und deren Nachfahren haben die britische Staatsbürgerschaft angenommen.

Religionen [Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Einwohner des Vereinigten Königreichs (ca. 59 %)[8] versteht sich als Christen. Bei der letzten Volkszählung 2001 beantworteten 92 % der Einwohner die freiwillige Frage nach der Religion. Wie in anderen Ländern auch ist die Kirchenmitgliedschaft nicht mit der Religionszugehörigkeit gleichzusetzen. Genaue Statistiken der Kirchenmitgliedschaft sind schwer zu erstellen, da man im Vereinigten Königreich gewöhnlich nur dann offiziell Mitglied einer Kirche wird, wenn man sich über den gelegentlichen Gottesdienstbesuch hinaus am Gemeindeleben beteiligen will. 1995 waren nur 14 % der Bevölkerung solche Mitglieder von Kirchen. Laut Umfragen aus dem Jahr 1995 fühlen sich ca. 27 Millionen (45 %) der anglikanischen Kirche zugehörig, 11 Millionen (19 %) anderen protestantischen Kirchen im weitesten Sinne und knapp 6 Millionen (10 %) der katholischen Kirche.

Kathedrale von Canterbury
Zu den großen Kirchen (grob nach Größe und Einfluss geordnet) zählen in
England die Church of England (anglikanisch) – Kirchenoberhaupt (Supreme Governor of the Church of England) ist der jeweils regierende britische Monarch
Römisch-Katholische Kirche
Methodist Church of Great Britain
United Reformed Church (reformiert)

Schottland die Church of Scotland (reformiert/presbyterianisch)
Römisch-Katholische Kirche
United Reformed Church (reformiert) (in Schottland entstanden aus der Congregational Union bzw. Church und anderen reformierten Gemeinden)
The Methodist Church of Great Britain

Wales die Church in Wales (anglikanisch)
United Reformed Church (reformiert)
Römisch-Katholische Kirche
The Methodist Church of Great Britain

Nordirland die Church of Ireland (anglikanisch)
Römisch-Katholische Kirche
Verschiedene presbyterianische Kirchen

Bait ul-Futuh, die größte Moschee in Westeuropa[9]
Daneben sind auch Islam, Hinduismus, Sikhismus und andere Religionen verbreitet:

Islam (Muslime)

1.625.700 – 2,7 %

Hindu

559.000 – 1,0 %

Sikhs

336.000 – 0,6 %

Juden

267.000 – 0,5 %

Buddhisten

152.000 – 0,3 %

andere

179.000 – 0,3 %

Über neun Millionen Einwohner gehören keiner Religion an.

Geschichte [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Geschichte der Britischen Inseln

Joan Blaeu: Karte von Großbritannien (aus dem Atlas Maior, 17. Jh.)
In der Antike waren weite Teile der Insel Großbritannien, abgesehen vom Gebiet des heutigen Schottlands, für rund 350 Jahre von den Römern besetzt. Als diese sich zurückzogen, bildeten sich mehrere kleine Königreiche, die von den eingewanderten Angeln und Sachsen (Angelsachsen), Jüten und später auch von den Nordmannen beherrscht wurden. Die keltische Urbevölkerung wurde in die westlichen Randgebiete verdrängt. Im 10. Jahrhundert entstanden die voneinander unabhängigen Königreiche Schottland und England. 1066 eroberten französisierte Normannen aus der Normandie die Insel und prägten sie für die folgenden Jahrhunderte.

Wales, das seit 1284 unter der Kontrolle Englands war, wurde mit der Act of Union 1536 Teil des Englischen Königreichs. Mit der Act of Union 1707 wurden die Königreiche Schottland und England zum Königreich Großbritannien vereinigt; beide Staaten hatten seit 1603 durch Personalunion denselben Monarchen. Die Act of Union 1800 vereinigte das Königreich Großbritannien mit dem Königreich Irland, das von 1169 bis 1603 mehr und mehr unter englische Kontrolle geraten war. Durch diese Verschmelzung entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. 1922 bildeten 26 irische Grafschaften den Irischen Freistaat (ab 1937 Éire, ab 1949 Republik Irland). Die restlichen 6 Grafschaften in der Provinz Ulster verblieben beim Vereinigten Königreich. Der heutige Staatsname „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“ wird seit 1927 verwendet.

Am 21. November 1806 verhängte Napoleon eine Kontinentalsperre über die britischen Inseln. Sie blieb bis 1814 in Kraft. Sie sollte Großbritannien mit Mitteln des Wirtschaftskrieges in die Knie zwingen und die französische Wirtschaft gegen europäische und transatlantische Konkurrenz schützen. Großbritannien erschloss sich neue Absatzmärkte, insbesondere in Nordamerika.

Das Vereinigte Königreich, die dominierende Industrie- und Seefahrtsnation im 19. Jahrhundert, spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der parlamentarischen Monarchie, in Literatur und Wissenschaft. Großbritannien trat über viele Jahrhunderte für ein Mächtegleichgewicht auf dem europäischen Kontinent ein (Pax Britannica) und schloss dafür wechselnde Bündnisse. Auf seinem Höhepunkt umfasste das Britische Weltreich zwei Fünftel der Landfläche der Erde, die in vielen Kriegen erobert worden waren. Durch die beiden Weltkriege verlor das Land seine Weltmachtstellung, obwohl es beide Male auf der Siegerseite stand. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Reich bis auf einige kleine Reste aufgelöst (Entkolonialisierung: Britisch-Indien wurde im August 1947 unabhängig (siehe hier; die Staaten Indien und Pakistan entstanden); in Afrika wurden z. B. am 26. Juni 1961 Britisch-Somaliland und am 1. Oktober 1961 Nigeria unabhängig. Das Vereinigte Königreich sah sich gezwungen, sich mehr Kontinentaleuropa zuzuwenden; es hält sich aber bis heute bei der Integration zurück. Das Land ist zwar Mitglied der Europäischen Union, hat aber den Euro wegen innenpolitischer Widerstände und Einfluss von Quantum Funds auf dem Devisenmarkt nicht eingeführt. Im Zuge einer Verfassungsreform (z. B. Scotland Act 1998) erhielten Schottland, Wales und Nordirland 1999 eigene Parlamente.

Nach dem gemeinsamen Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg gibt es u. a. folgende Eckdaten in der britischen Geschichte (siehe auch: Nachkriegsgeschichte):
Britische Unterhauswahlen 1945 am 5. Juli 1945: Sieger war die Labour Party, Parteiführer Clement Attlee wurde Premierminister.
1951–1964 Regierungen der Konservativen (Churchill, Eden, Macmillan, Douglas-Home – siehe Britische Unterhauswahlen 1951)
1952 wurde Elisabeth II. Staatsoberhaupt (Königin), nachdem Georg VI. gestorben war
Niederlage in der Suezkrise (1956/57) mit Ägypten
1964–1970 Regierungen der Labour Party
1970–1974 Regierungen der Konservativen
1973 Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft nach innenpolitischen Widerständen und dem Veto Frankreichs (siehe Mitgliedstaaten der Europäischen Union). Bis dahin hatte die EG nur ihre sechs Gründungsmitglieder; am 1. Januar 1973 traten UK, Irland und Dänemark bei
1974–1979 Regierungen der Labour Party
seit 1969 bürgerkriegsähnliche Zustände in Nordirland
1979–1997 Regierungen der Konservativen (Premierministerin Margaret Thatcher, 1979–1990; danach John Major. Siehe Britische Unterhauswahlen 1979, 1983, 1987, 1992)
Rückeroberung der 1982 von Argentinien besetzten Falklandinseln
1990 gewalttätige Protesten gegen eine neue Gemeindesteuer
Unterstützung der USA im Golfkrieg 1990/91
1997 Wahlsieg der Labour Party: Tony Blair wird Premierminister
1. Juli 1997 Rückgabe der britischen Kronkolonie Hongkong an China
1998 Friedensabkommen für Nordirland (Karfreitagsabkommen)
2001–2003 Beteiligung mit den USA an Kriegen in Afghanistan und im Irak
2007–2010 Am 27. Juni 2007 trat Blair vom Amt des Premierministers zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige Schatzkanzler Gordon Brown. Brown verlor die
Britische Unterhauswahlen 2010. Sein Nachfolger wurde David Cameron (‚Tories‘)

Siehe auch: Geschichte Großbritanniens, Geschichte des Vereinigten Königreiches, Geschichte Englands, Geschichte Irlands, Geschichte Nordirlands, Geschichte Schottlands, Geschichte von Wales, Britisches Weltreich, Commonwealth of Nations, Britische Unterhauswahlen 2010

Politik [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Politisches System des Vereinigten Königreichs

Das Vereinigte Königreich ist formal eine konstitutionelle Monarchie, da der britische Monarch theoretisch die Regierung absetzen kann, in der Praxis aber aufgrund eines jahrhundertelangen Gewohnheitsrechts nicht von diesem Recht Gebrauch macht. Es handelt sich daher de facto um eine parlamentarische Monarchie, da auch das Parlament das Recht hat, die Regierung abzusetzen. Das Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II., der Regierungschef ist Premierminister David Cameron, er steht dem Kabinett Cameron vor. Das Parlament besteht aus dem House of Lords (Oberhaus) sowie dem House of Commons (Unterhaus). Die Mitglieder des House of Lords sind heute größtenteils Angehörige des nichterblichen Verdienstadels, einige Adelige mit vererblichen Adelstiteln sowie 26 anglikanische Bischöfe. Die Abgeordneten des House of Commons werden nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt. Das demokratisch legitimierte House of Commons ist der heutzutage dominierende Zweig des Parlaments, in dem alle Gesetze eingebracht und verabschiedet werden. Aufgrund der „parliamentary sovereignty“ ist das Parlament, neben der Königin (de facto die Regierung), die einzige gesetzgebende Institution in Großbritannien. Die Parlamentssouveränität ist zudem der Grund, weshalb es keine Verfassungsgerichtsbarkeit gibt.

Die Magna Carta bildete das erste Staatsgrundgesetz (1215), allerdings räumte sie nur einer kleinen Oberschicht von Adligen (Council of Barons) gewisse Rechte ein. Dennoch bleibt Großbritannien das Land Europas mit der ältesten demokratischen Tradition, da das Parlament spätestens seit der Glorious Revolution (1688/89) und der damit verbundenen Bill of Rights stetig an Bedeutung gewonnen hat.

Eine geschriebene Verfassung gibt es nicht, de jure hat jedes Gesetz Verfassungsrang, da grundsätzlich alle Gesetze gleichwertig sind und das Parlament das Recht hat (parliamentary sovereignty), jedes bestehende Gesetz zu ändern oder abzuschaffen.[10] Es gibt allerdings Gesetze mit De-facto-Verfassungsrang, wie beispielsweise die Bill of Rights. Grundsätzlich gilt, dass große Ausgestaltungsfreiräume für Gesetze bei den Gerichten liegen (common law), da das britische Rechtssystem auf dem Prinzip des Gewohnheitsrechts (vgl. „conventions“) und der richtigen Auslegung von Präzedenzfällen (common law) durch Gerichte fußt.

Militär [Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich leistete sich mit 53 Milliarden Euro (2005/06) die höchsten Rüstungsausgaben in Europa und gehört zu den führenden Militärmächten der Welt. Traditionell und geographisch bedingt ist das große Gewicht, das Marine und Luftwaffe gegenüber dem Heer in den Streitkräften haben. Das Vereinigte Königreich besitzt seit 1952 Atomwaffen. Ihr Bestand wurde seit dem Ende des Kalten Krieges zwar deutlich reduziert; das heute ausschließlich auf Atom-U-Booten stationierte nukleare Abschreckungspotential Großbritanniens wird jedoch laufend modernisiert.

Die britischen Streitkräfte unterhalten etliche Militärbasen im Ausland. Hierzu gehören mehrere Basen in Deutschland mit ca. 27.000 Soldaten sowie zwei britische Hoheitsgebiete auf Zypern mit etwa 7.000 Soldaten. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als das Vereinigte Königreich. Etwa 2005 waren 67.000 britische Soldaten im Ausland stationiert, darunter 8.900 im Irak.

Kampf gegen den Terror [Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich ist ein Verbündeter der USA im „Krieg gegen den Terror“. Es hat – anders als z. B. Deutschland – im Irak-Krieg mitgewirkt und wirkt im Krieg in Afghanistan mit. Im Jahr 2000 wurde ein Anti-Terror-Gesetz (Terrorism Act 2000)[11] ratifiziert. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA wurde im November 2001 der „Anti-Terrorism, Crime and Security Act“ ins Parlament eingebracht. Er wurde verabschiedet und trat am 14. Dezember 2001 in Kraft.[12] Als Reaktion auf die Terroranschläge am 7. Juli 2005 in London wurde ein weiteres Anti-Terrorismus-Gesetz verabschiedet.[13] Großbritannien wurde vorgeworfen, im Kampf gegen den Terror Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Zwölf Verdächtige im Zusammenhang mit Terroranschlägen werden (Stand 20xx) auf Grund der Möglichkeiten des Anti-Terrorgesetzes bereits mehrere Jahre ohne Anklage in Hochsicherheitsgefängnissen in Großbritannien eingesperrt.[14] Im Irak-Krieg ist es nach Angaben von amnesty international zu Folterungen und Misshandlungen von Häftlingen durch britische und amerikanischen Soldaten gekommen.[15]

Polizei [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Polizei (Vereinigtes Königreich)

Im Landesinneren sind Polizeikräfte aus dem Verteidigungs- oder dem Innenministerium für die Landessicherheit zuständig. Die Uniform ist gleich. Des Weiteren ist der Geheimdienst MI5 allgemein bekannt.

Verwaltungsgliederung [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Verwaltungsgliederung des Vereinigten Königreichs

Verwaltungseinheiten des Vereinigten Königreichs
Wales, Schottland und Nordirland besitzen seit den 1990er Jahren eigene Landesteilparlamente und -regierungen mit einem sogenannten Ersten Minister als Chef (vergleichbar einem Ministerpräsidenten in Deutschland oder einem Landeshauptmann in Österreich). England besitzt mit Ausnahme Londons keine Landesverwaltung. Die Bildung einer Northern Assembly (Nordenglische Versammlung) wurde in einem Referendum am 4. November 2004 von den Wählern mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Aufgaben einer Staatsspitze Englands werden von Parlament und Regierung des Vereinigten Königreiches mit wahrgenommen. Dabei ist es inzwischen üblich geworden, dass sich im Parlament die Abgeordneten der anderen Landesteile enthalten, wenn eine Entscheidung nur England betrifft (siehe auch West-Lothian Question).

Die unteren Verwaltungsebenen sind seit dem späten 19. Jahrhundert mehrmals neu strukturiert worden, weitere Veränderungen sind in der Zukunft zu erwarten. Traditionell bestand England seit dem Mittelalter aus 39, Schottland aus 34, Wales aus 13 und Nordirland aus sechs Grafschaften (engl. counties). Heute gibt es in England 35 Grafschaften, 40 sogenannte Unitary Authories, sechs Metropolitan Counties sowie Greater London mit seinem Bürgermeister Boris Johnson (siehe hierzu auch Verwaltungsgliederung Englands). Wales besteht aus 22, Schottland aus 32 Unitary Authorities. In Nordirland gibt es 26 Bezirke (District). Die Namen der alten Grafschaften werden aber im Alltagsgebrauch aller Landesteile oft weiterhin verwendet.

Überseegebiete
Abhängige Gebiete (offiziell Britische Überseegebiete):
Akrotiri und Dekelia (Militärbasen auf Zypern)
Anguilla
Bermuda
Britische Jungferninseln
Britisches Antarktis-Territorium
Britisches Territorium im Indischen Ozean
Falklandinseln
Gibraltar
Kaimaninseln
Montserrat
Pitcairninseln
St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha
Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
Turks- und Caicosinseln

Gebiete, die nur der britischen Krone unterstehen und nicht dem Vereinigten Königreich (Crown dependencies):
Kanalinseln
Man

Beide haben eigene Legislativen und Rechtssysteme, werden jedoch im Bereich Verteidigung und internationale Beziehungen von der britischen Regierung vertreten.

Der britische Monarch ist nicht nur Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs, sondern auch einer ganzen Reihe weiterer, unabhängiger Commonwealth-Staaten.

Siehe auch: Liste der Städte im Vereinigten Königreich und Kronkolonie

Verkehr [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Verkehr im Vereinigten Königreich

Das Verkehrsnetz orientiert sich in Nord-Süd-Richtung und geht hauptsächlich radial von London aus. Im Straßenverkehr wird links gefahren, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern. Das Straßennetz ist rund 388.000 Kilometer lang. Davon sind rund 3500 km Autobahnen, die seit den 1950er Jahren errichtet worden sind. Neben den Autobahnen gibt es auch ein dichtes Netz von vierspurigen richtungsgetrennten Fernstraßen.

Das seit 1994 privatisierte Schienennetz des Vereinigten Königreichs besteht aus zwei voneinander unabhängigen Teilnetzen, in Nordirland und auf Großbritannien. Seit 1994 ist Letzteres durch den Eurotunnel mit dem europäischen Festland verbunden. Das nordirische Netz ist mit jenem in der Republik Irland verbunden. Das Schienennetz ist insgesamt 16.878 Kilometer lang, über die Hälfte weniger als noch in den 1950er Jahren.

Das Vereinigte Königreich ist eine der wichtigsten Drehscheiben des Weltluftverkehrs. Das gesamte Fluggastaufkommen ist mit rund 200 Mio. Passagieren pro Jahr (davon 125 Mio. auf den Londoner Flughäfen) das größte Europas. Größter Flughafen des Landes ist London-Heathrow, gefolgt von London-Gatwick und dem Manchester Airport.

Durch die Insellage des Landes, die räumliche Trennung Nordirlands vom restlichen Staatsgebiet und die vielen vorgelagerten Inseln besitzt die Seeschifffahrt traditionell eine große Bedeutung. Die wichtigsten Häfen sind Felixstowe, Tilbury, Southampton und Teesport.

Wirtschaft [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Wirtschaft des Vereinigten Königreichs

Allgemein [Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich zählt zu den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt. Die britische Wirtschaft ist der Ursprung des sogenannten „angelsächsischen Kapitalismus“, der auf den Prinzipien der Liberalisierung, des freien Marktes, niedriger Besteuerung und geringer Regulierung beruht. Das Land hat das weltweit sechstgrößte Bruttoinlandsprodukt (BIP), nach Deutschland und Frankreich das drittgrößte in Europa.[16] Bei der Kaufkraftparität (PPP) liegt es auf dem siebten Platz. Mit 28.300 Euro liegt das BIP pro Kopf im oberen europäischen Referenzrahmen. Im Vergleich mit dem BIP der EU (ausgedrückt in Kaufkraftstandards) erreicht das Vereinigte Königreich einen Index von 116,2 (EU-25 im Jahr 2003: 100).

Die Industrielle Revolution hatte ihren Ursprung im Vereinigten Königreich. Zu Beginn gab es eine Konzentration auf die Schwerindustrie, die Schiffbau, Kohlebergbau, Stahlproduktion und Textilherstellung umfasste. Das weltumspannende Reich schuf einen Überseemarkt für britische Produkte, was es dem Land erlaubte, während des 19. Jahrhunderts den internationalen Handel zu kontrollieren. Als sich aber auch andere Staaten industrialisierten und die Landwirtschaft keine überschüssigen Arbeitskräfte mehr stellen konnte, folgte im Verlaufe des gesamten 20. Jahrhunderts der langsame Niedergang der Schwerindustrie. Der Dienstleistungssektor hingegen wuchs ständig an und hat nun einen Anteil von 73 % am BIP.[17]

Die City of London, das größte Finanzzentrum Europas

Fawley-Erdölraffinerie bei Southampton
Dominiert wird der Dienstleistungssektor von den Finanzdienstleistungen, insbesondere Banken und Versicherungen. Die City of London mit ihren privilegierten Sonderrechten ist der größte Finanzplatz der Welt. Die ‚City‘ ist Sitz der London Stock Exchange, von Lloyd’s of London, der Bank of England und zahlreichen Banken wie HSBC, Citigroup und Barclays. Aufgrund ihres Charakters als Offshore-Finanzplatz besitzt die City of London die größte Konzentration von ausländischen Bankniederlassungen in der Welt. Die schottische Hauptstadt Edinburgh ist der fünftgrößte Finanzplatz Europas und Hauptsitz bekannter Unternehmen wie Royal Bank of Scotland und HBOS.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist der Tourismus; mit über 27 Millionen Touristen pro Jahr ist das Vereinigte Königreich die sechstwichtigste Touristendestination der Welt.[18]

Die industrielle Fertigung hat heute noch etwa einen Anteil von einem Sechstel am BIP. Ein bedeutender Zweig ist die Automobilindustrie, wenn auch alle Unternehmen mittlerweile in ausländischer Hand sind. Die Luftfahrt- und Rüstungsindustrie wird dominiert von BAE Systems und Rolls-Royce hat einen bedeutenden Anteil an der weltweiten Raumfahrtindustrie. Ein wichtiges Standbein ist die chemische und pharmazeutische Industrie; das zweit- und das drittgrößte Pharmaunternehmen der Welt – GlaxoSmithKline und AstraZeneca – haben ihren Hauptsitz im Vereinigten Königreich.

Die britische Landwirtschaft ist im europäischen Vergleich klein, mit einem Anteil von 0,9 % am BIP. Hingegen besitzt das Land große Reserven an Kohle, Erdgas und Erdöl. Die Industrielle Förderung der Bodenschätze trägt zu 10 % zum BIP bei, was für einen Industriestaat ein außerordentlich hoher Anteil ist. Allerdings dürfte dieser Anteil trotz steigender Rohstoffpreise sinken, da die Förderung von Kohle, Erdgas und Erdöl ihren Höhepunkt etwa 2000 erreicht hat. Seit 2005 ist Großbritannien Nettoimporteur von Erdöl und die Fördermenge betrug 2010 nur noch 45,9 % verglichen mit der 1999 erreichten Höchstmenge (Peak Oil). Erdgas und Kohle müssen seit einigen Jahren ebenfalls in immer größeren Mengen importiert werden. Bedeutende weltweit tätige britische Unternehmen dieser Branche sind unter anderem BP und Royal Dutch Shell.

Staatshaushalt [Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 1,14 Bio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 908 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 232 Mrd. US-Dollar bzw. 10,3 % des BIP.[19]

Der Schuldenstand des Staates beläuft sich per Ende 2010 auf 79,9 % des BIP. Die Europäische Kommission geht in ihrer Prognose vom Herbst 2011 von einem Ansteigen der Verschuldung auf 84 % im Jahr 2011 und 88,8 % im Jahr 2012 aus.[20]

Aufgrund der steigenden Verschuldung und der schwachen Konjunktur des Landes stufte im Februar 2013 die US-amerkanische Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit des Vereinigten Königreichs von der Bestnote „AAA“ auf „Aa1“ herab.[21]

Jahr

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Staatsverschuldung

39,0 %

40,9 %

42,5 %

43,4 %

44,5 %

52,1 %

68,2 %

79,9 %

84,0 %*

88,8 %*

Haushaltssaldo

−6,1 %

0,5 %

−3,0 %

−2,7 %

−2,7 %

−5,0 %

−11,4 %

−10,3 %

−9,4 %*

−7,8 %*

Quelle: Eurostat[22] * = geschätzt

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Gesundheit:[23] 8,2 %
Bildung:[19] 5,6 % (2005)
Militär:[19] 2,4 % (2005)

Kultur [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Kultur des Vereinigten Königreichs

Medien [Bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich gibt es ein vielfältiges Angebot an Medien, die aufgrund der Verbreitung der englischen Sprache auch international einen großen Einfluss besitzen.

Die BBC ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Landes und zugleich die älteste und größte der Welt. Sie wird durch obligatorische Rundfunkgebühren und teilweise durch Werbung finanziert und betreibt mehrere Fernseh- und Hörfunkstationen, sowohl im Inland als auch im Ausland. BBC World, der internationale Nachrichtenkanal der BBC, wird in die ganze Welt ausgestrahlt und die Radiostation BBC World Service sendet Programme in 33 verschiedenen Sprachen. Die wichtigsten Konkurrenten des BBC-Fernsehens sind ITV, Channel 4, Five und BSkyB.

Auch beim Hörfunk dominiert die BBC, die zehn landesweite und über 40 lokale Stationen betreibt. Die beliebteste Radiostation, gemessen an den Zuhörerzahlen, ist BBC Radio 2, gefolgt von BBC Radio 1. Darüber hinaus gibt es mehr als 200 kommerzielle Radiostationen, die hauptsächlich lokal verankert sind. Die größten privaten Stationen sind Virgin Radio, Classic FM und talkSPORT. Das mit Abstand bedeutendste Lokalradio ist Capital Radio aus London.

Bis vor wenigen Jahren unterschied man bei den britischen Zeitungen strikt zwischen „Broadsheet“-Zeitungen mit Artikeln von hoher Qualität und den Tabloid-Zeitungen, die im Boulevard angesiedelt sind. Aufgrund der größeren Lesefreundlichkeit haben aber zahlreiche „quality newspapers“ vom Broadsheet- auf das Tabloidformat umgestellt, so dass zumindest diese Unterscheidung weggefallen ist. Die höchste Auflage aller britischen Zeitungen hat das von Montag bis Samstag erscheinende Boulevardblatt The Sun, während ihre Schwesterzeitung News of the World bis zu ihrer Einstellung am 10. Juli 2011 den Sonntagszeitungsmarkt dominierte.[24] Die höchste Auflage bei den sogenannten Qualitätszeitungen haben The Daily Telegraph und The Times, die im politischen Spektrum rechts der Mitte stehen, sowie The Guardian, das links der Mitte steht. Führende Wirtschaftszeitung ist die Financial Times.

Der Nutzung von Social Media kommt eine immer bedeutendere Rolle zu. Die Bruttoreichweite der Social Networks betrug im Januar 2011 27,2 Millionen der im Vereinigten Königreich lebenden Personen.[25]

Sport [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Sport im Vereinigten Königreich

Fußball ist eine der beliebtesten Sportarten der Briten.
Sport spielt eine bedeutende Rolle im Vereinigten Königreich. Bei den einzelnen Sportarten sind jedoch teilweise deutliche regionale und soziale Unterschiede zu erkennen. In weiten Teilen der englischen und schottischen eher unteren sozialen Schichten („Working Class“) ist Fußball mit deutlichem Abstand die beliebteste Mannschaftssportart, wohingegen in Wales und in mittleren und höheren sozialen Schichten („Upper Class“) Englands und Schottlands Rugby Union meist der Mannschaftssport Nummer eins ist. Cricket ist ebenfalls traditionell ein eher sozial „elitärerer“ Sport. Diese Gegebenheiten haben meist historische Ursachen. So war es in den englischen Arbeitervierteln der Großstädte ohne Rasenflächen nicht möglich, Rugby zu spielen, für Fußball dagegen bedurfte es nur eines Hinterhofs. Die höheren Schulen der Upper Class verfügten allesamt über Rasenplätze, auf denen man Rugby und Cricket spielen konnte. Im Laufe der Zeit wurde der jeweilige Sport auch eine Möglichkeit der Identifikation mit seiner Klasse. Gerade wenn man auf die Zuschauerränge eines Rugby- und eines Fußballspiels beispielsweise der englischen Nationalmannschaften schaut, erkennt man heute deutliche Unterschiede im Klientel. Gewalt unter und durch Fans war lange im englischen Fußball ein enormes Problem, hat im Rugby jedoch nie eine Rolle gespielt.

Eine weitere beliebte Mannschaftssportart ist Rugby League. Bedeutende Einzelsportarten sind Leichtathletik, Fechten, Darts, Golf, Motorsport und Pferderennen. Das Regelwerk vieler bedeutender Sportarten entwickelte sich im Vereinigten Königreich. Dazu gehören unter anderem Fußball, Tennis, Squash, Golf, Boxen, Rugby, Cricket, Snooker, Billard, Badminton und Curling.

Die vier Teilstaaten besitzen in den meisten Mannschaftssportarten getrennte Nationalmannschaften. Zu den Olympischen Spielen werden aber gemeinsame Mannschaften aller vier „home nations“ entsandt (nicht jedoch zu den Commonwealth Games). Diese starten formell unter der Bezeichnung „Great Britain and Northern Ireland“, was jedoch üblicherweise zu „Great Britain“ verkürzt wird. Vereinsmeisterschaften werden in den meisten Mannschaftssportarten ebenfalls getrennt durchgeführt; „britische“ Meisterschaften sind deshalb eher selten. Wintersport ist nicht weit verbreitet, da trotz der Lage in den hohen nördlichen Breitengraden nur in wenigen Regionen genügend Schnee fällt.

Zu den bekanntesten Sportanlässen gehören neben den Fußballmeisterschaften die Wimbledon Championships (Tennis), The Ashes (Cricket), das Six-Nations-Turnier (Rugby Union), der London-Marathon (Leichtathletik), die Open Championship (Golf), der Große Preis von Großbritannien (Formel 1), der Motorrad-Grand-Prix, die Tourist Trophy (Motorrad), das Boat Race (Rudern) und Royal Ascot (Pferderennen). Darüber hinaus war London dreimal Austragungsort Olympischer Spiele (1908, 1948 und 2012).

Küche [Bearbeiten]

Siehe auch: Englische Küche und Schottische Küche

Sunday Roast

Whisky
Die britische Küche (insbesondere die englische) stand lange in dem Ruf, fade, eintönig, schwer verdaulich und wenig gewürzt zu sein sowie ungewohnte Geschmacksrichtungen zu kombinieren. Die traditionelle Kombination von Fleisch, Kartoffeln und Gemüse (meat and two veg) findet ihre etablierteste Form im Sunday roast. Kartoffeln spielen auch sonst eine entscheidende Rolle und werden auf vielfältige Weise zubereitet, meist aber in Form von Brei. Weit verbreitet sind Pasteten mit Fleischfüllung. Das bekannte britische Frühstück ist eine umfangreiche warme Mahlzeit. Unter den kalten Gerichten spielen diagonal durchgeschnittene Sandwiches eine herausragende Rolle. Inbegriff des britischen Fast-Food ist Fish and Chips. Als Nachspeise werden Kuchen bevorzugt. Darüber hinaus ist insbesondere England für diverse Käsesorten bekannt.

Immigranten aus Indien und Afrika haben dazu beigetragen, dass die lange Zeit als konservativ geltende englische Küche sich in den letzten Jahrzehnten der Welt geöffnet hat. Tatsächlich ist die typisch englische Küche im Alltag auf breitem Rückzug, zugunsten einer breiteren, (post-kolonial) britischen Identität. Starköche wie Jamie Oliver trugen außerdem dazu bei, dass die mediterrane Küche einen immer stärken Einfluss ausübt.

Die Küche Schottlands weist einige Unterschiede auf. Vor allem die Esskultur der gehobenen Schichten übernahm infolge der Auld Alliance zahlreiche Merkmale der französischen Küche. In den letzten Jahren wurde auch die schottische Küche durch internationale kulinarische Elemente beeinflusst, konnte sich aber im Großen und Ganzen ihren bodenständigen Charakter erhalten.

Beliebtestes nichtalkoholisches Getränk der Briten ist der Tee; die britische Teekultur ist weltweit bekannt und gehört zur typisch britischen Lebensart. Kaffee spielt dagegen eine völlig untergeordnete Rolle. Bei den leichten alkoholischen Getränken dominiert das Bier (hauptsächlich Ale und Stout), bei den hochprozentigen Gin und Whisky. Seit Jahrhunderten ist der britische Markt der Hauptabnehmer für süße Weine wie Sherry, Portwein und Madeira.

Edith Klinger

Edith Klinger (geborene Margulies; * 28. März 1922 in Wien, † 14. März 2013 ebenda) war eine österreichische Tierschützerin und Moderatorin, die in früheren Jahren als Film- und Theaterschauspielerin unter dem Namen Edith Prager bekannt war. Sie wohnte zuletzt alleine mit ihrem schwarzen Kater in einer kleinen Wohnung am Rande des Pötzleinsdorfer Schlossparks in Wien.[2]

Inhaltsverzeichnis
[Verbergen] 1 Leben 1.1 Karriere

2 Auszeichnungen
3 Filmografie
4 Weblinks
5 Einzelnachweise

Leben

Edith Margulies wuchs nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Mutter Nema Peretianu in Bukarest auf, wo sie mit hervorragendem Erfolg das renommierte Französische Lyzeum und die Akademie für darstellende Kunst absolvierte.

Karriere

Nach Kriegsende kam sie wieder nach Wien, der Heimatstadt ihres unter der Naziherrschaft in Theresienstadt umgekommenen Vaters, und startete eine Schauspielkarriere unter dem Namen ihres ersten Ehemannes (Prager). Diese Berufslaufbahn, die sie später unter anderem auch nach München führte, gab sie nach der (1954 erfolgten) Eheschließung mit ihrem zweiten Mann, dem Industriellen Harald Klinger, auf, um ihn in seinem Unternehmen (Textildruckereien) zu unterstützen.

Ab 1964[3] betreute Klinger 36 Jahre lang die „Tierecke“ in der Kronenzeitung. Für das Blatt verfasste sie zudem Kulturbeiträge, Reisegeschichte sowie Film- und Theaterkritiken; aufgrund ihrer profunden Fremdsprachenkenntnisse (Französisch, Italienisch, Rumänisch, Englisch) wurde sie zuweilen auch für Übersetzungsarbeiten in Anspruch genommen. Bevor sie von Herausgeber Hans Dichand als redaktionelle Mitarbeiterin angeworben wurde, hatte sie dessen Aufmerksamkeit durch die selbstlose regelmäßige Finanzierung von Annoncen zur Suche verlorengegangener Tiere gewonnen. Drei Jahre arbeitete sie unentgeltlich, da sie nicht wollte, dass ihr Engagement zum Beruf wird.[3] Gleichzeitig mit der „Tierecke“ hatte sie eine Tierschutz-Kolumne, in der sie gelegentlich den offenen Konflikt mit Interessen der Wirtschaft nicht scheute. Kurz nach der Einstellung der Fernsehsendung wurde ihr auch die Betreuung der „Tierecke“ entzogen. Großen Erfolg hatte ihr Fernsehauftritt in der „Nette Leit Show“ von Hermes Phettberg.

Von 1981 bis Ende 1999 war sie – nach Mitwirkung am TV-„Seniorenclub“ in den 1970er Jahren – als Fernsehmoderatorin der beliebten ORF-Tiersendung „Wer will mich?“ erst wochentags und bald immer Samstag am späten Nachmittag als Tiervermittlerin tätig, wobei sie strenge Kriterien für die Vergabe aufstellte. Ihre Sendung präsentierte sie stets im Dirndlkleid. Im Jahr 2000 wurde sie, für sie selber völlig überraschend, von einer 50 Jahre jüngeren ehemaligen Stewardess, Maggie Entenfellner, abgelöst und die Sendung sodann als „nicht mehr zeitgemäß“ eingestellt.

Die Tierschutzaktivistin, die sich auch in anderen Ländern (Italien, Griechenland, Ägypten) engagierte, war seit 2005 gesundheitlich angeschlagen, nachdem sie sich einen Oberschenkelbruch zugezogen hatte. Ihr Stiefsohn, zu dem sie ein gutes Verhältnis hatte, ist der Journalist Tom Klinger, der unter anderem für die Kronenzeitung und die Zeitung Österreich tätig war.

Auszeichnungen

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Klinger, die sich jahrzehntelang vehement für ein bundesweit geltendes Tierschutzgesetz einsetzte, ist Trägerin staatlicher und kirchlicher Auszeichnungen:
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
Preis der Leopold-Gratz-Stiftung für soziales Engagement

Filmografie [Bearbeiten]
1948: Die Schatztruhe
1949: Märchen vom Glück
1950: Glück aus Ohio
1950: Kind der Donau
1951: Eva und der Frauenarzt
1951: Czardas der Herzen
1952: 1. April 2000
1952: Wienerinnen
1953: Seesterne
1956: Lügen haben hübsche Beine
1960: Herr Puntila und sein Knecht Matti

Wetterinfo Wien:

Am Samstag ist das Wetter in Wien heiter mit viel Sonne und nur wenigen Wolken, und die Temperaturen gehen am Morgen auf -7 Grad zurück. Am Tage steigen die Werte dann auf 1 Grad. Der Wind kommt aus nördlichen Richtungen.

Wetterbericht der nächsten Tage
Am Sonntag scheint bei wolkigem Himmel teilweise auch die Sonne in Wien. Die Tiefsttemperaturen betragen -5 Grad, die Höchstwerte 2 Grad. Dazu weht der Wind aus Südost bis Süd.

Am Montag kommt die Sonne nur örtlich in Wien zum Vorschein, meist überziehen dichtere Wolkenfelder den Himmel. Die Luft kühlt sich in der Früh auf -3 Grad ab und erwärmt sich während des Tages bis auf 4 Grad. Der Wind kommt aus südöstlicher Richtung.

Am Dienstag gibt es bei verbreitet dichter Bewölkung keinen Sonnenschein. Dazu kühlt sich die Luft in den Frühstunden auf 1 Grad ab und erwärmt sich tagsüber bis auf 6 Grad. Der Wind weht aus West.

Am Mittwoch gibt es viel Sonnenschein in Wien und nur selten einige Wolken. Die Tiefstwerte liegen bei -1 Grad, die Höchsttemperaturen bei 10 Grad, und der Wind weht aus Südost bis Süd.

Wetterinfo St. Pölten:

Am Samstag ist der Sonnenschein nur selten durch einige Wolken getrübt. Dabei kühlt es sich in den Morgenstunden auf -7 Grad ab, im Tagesverlauf werden dann 2 Grad erreicht. Der Wind bläst aus nordwestlichen Richtungen.

Wetterbericht der nächsten Tage
Am Sonntag kommt die Sonne nur noch gelegentlich in St. Pölten zum Vorschein, meist wird sie von Wolken verdeckt. Die Tiefsttemperaturen betragen -5 Grad, die Höchstwerte 4 Grad. Dazu weht der Wind aus Südost.

Am Montag überwiegen viele Wolken in St. Pölten, nur örtlich gibt es zum Teil auch größere Wolkenlücken. Die Tiefstwerte liegen bei -1 Grad, die Höchsttemperaturen bei 7 Grad, und der Wind weht aus Südost.

Am Dienstag lassen dichte Wolken die Sonne in St. Pölten nicht zum Vorschein kommen. Die Luft kühlt sich in der Früh auf 2 Grad ab und erwärmt sich während des Tages bis auf 6 Grad. Der Wind kommt aus westlicher Richtung.

Am Mittwoch gibt es kaum Wolken, vielfach scheint die Sonne. Dazu kühlt sich die Luft in den Frühstunden auf -3 Grad ab und erwärmt sich tagsüber bis auf 9 Grad. Der Wind weht aus Südost.

Wetterinfo Hollabrunn:

Am Samstag gibt es viel Sonnenschein in Hollabrunn und nur selten einige Wolken. Die Tiefstwerte liegen bei -4 Grad, die Höchsttemperaturen bei 3 Grad, und der Wind weht aus Nordwest.

Wetterbericht der nächsten Tage
Am Sonntag ist der Himmel in Hollabrunn wechselnd bewölkt, vielerorts kommt auch die Sonne heraus. Die Luft kühlt sich in der Früh auf -4 Grad ab und erwärmt sich während des Tages bis auf 3 Grad. Der Wind kommt aus südöstlicher Richtung.

Am Montag überziehen dichte Wolken den Himmel in Hollabrunn. Die Sonne ist nicht zu sehen, und die Temperaturen gehen am Morgen auf -1 Grad zurück. Am Tage steigen die Werte dann auf 5 Grad. Der Wind kommt aus Südost.

Am Dienstag ist der Himmel weitgehend wolkenverhangen. Dabei kühlt es sich in den Morgenstunden auf 3 Grad ab, im Tagesverlauf werden dann 7 Grad erreicht. Der Wind bläst aus westlichen Richtungen.

Am Mittwoch scheint überwiegend die Sonne in Hollabrunn, nur hier und da gibt es vereinzelte Wolken. Die Tiefsttemperaturen betragen 1 Grad, die Höchstwerte 11 Grad. Dazu weht der Wind aus Südost.

Wetterinfo Retz:

Am Samstag ist der Sonnenschein nur selten durch einige Wolken getrübt. Dabei kühlt es sich in den Morgenstunden auf -6 Grad ab, im Tagesverlauf werden dann 3 Grad erreicht. Der Wind bläst aus Nordwest bis Nord.

Wetterbericht der nächsten Tage
Am Sonntag scheint bei wolkigem Himmel teilweise auch die Sonne in Retz. Die Tiefsttemperaturen betragen -5 Grad, die Höchstwerte 2 Grad. Dazu weht der Wind aus Südost.

Am Montag fällt aus einer dichten Bewölkung immer wieder Schnee, teils auch über längere Zeit. Die Luft kühlt sich in der Früh auf -2 Grad ab und erwärmt sich während des Tages bis auf 3 Grad. Der Wind kommt aus südöstlicher Richtung.

Am Dienstag überziehen dichte Wolken den Himmel in Retz. Die Sonne ist nicht zu sehen, und die Temperaturen gehen am Morgen auf 2 Grad zurück. Am Tage steigen die Werte dann auf 6 Grad. Der Wind kommt aus West.

Am Mittwoch gibt es kaum Wolken, vielfach scheint die Sonne. Dazu kühlt sich die Luft in den Frühstunden auf 0 Grad ab und erwärmt sich tagsüber bis auf 10 Grad. Der Wind weht aus Südost.

Wetterinfo Znojmo/Znaim:

Am Samstag scheint verbreitet die Sonne, begleitet von einigen Wolken. Die Luft kühlt sich in der Früh auf -7 Grad ab und erwärmt sich während des Tages bis auf 3 Grad. Der Wind kommt aus nördlicher Richtung.

Wetterbericht der nächsten Tage
Am Sonntag teilen sich Sonne und Wolken den Himmel. Dazu kühlt sich die Luft in den Frühstunden auf -6 Grad ab und erwärmt sich tagsüber bis auf 2 Grad. Der Wind weht aus Südost.

Am Montag gibt es in Znojmo verbreitet dichte Wolken, die zeitweise Schneefälle bringen. Die Tiefstwerte liegen bei -3 Grad, die Höchsttemperaturen bei 3 Grad, und der Wind weht aus Südost.

Am Dienstag überziehen dichte Wolken den Himmel in Znojmo. Die Sonne ist nicht zu sehen, und die Temperaturen gehen am Morgen auf 1 Grad zurück. Am Tage steigen die Werte dann auf 6 Grad. Der Wind kommt aus West.

Am Mittwoch ist der Sonnenschein nur selten durch einige Wolken getrübt. Dabei kühlt es sich in den Morgenstunden auf -1 Grad ab, im Tagesverlauf werden dann 10 Grad erreicht. Der Wind bläst aus südöstlichen Richtungen.

Wiener Linien Info:

Im Sinne der großen Mehrheit an zahlenden Fahrgästen führen die Wiener Linien umfangreiche Fahrscheinkontrollen auf ihrem Liniennetz durch. Im Schnitt sind täglich rund 100 Kontrollorgane gleichzeitig im Netz unterwegs und führen rund 20.000 Kontrollen durch.

16.03.2013: U1, 2, 24A, 31A, 32A

17.03.2013: U2, D, 37, 38

18.03.2013: U3, 73A, 13A, 69A, 2

Moderation/Redaktion:

Rene Thaler
Christian Rolly

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