Wake up – Menschen 2012 Wake up 14.01.2012, 11-12 Uhr, UKW 94.0

Wake up – Menschen 2012 Wake up 14.01.2012, 11-12 Uhr, UKW 94.0

 

In dieser Ausgabe der Sendung „Wake up“ beschäftigen wir uns mit den Schicksalen der Menschen, die in Österreich an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und wurden.

2010 waren 12% der Bevölkerung armutsgefährdet. Hochgerechnet auf die österreichische Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert mit 95% Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 11,0% und 13,2%, bzw. können zwischen 912.000 und 1.096.000 Österreicherinnen und Österreicher als armutsgefährdet bezeichnet werden. 4% der Gesamtbevölkerung sind erheblich materiell depriviert und 6% (nur Personen unter 60 Jahren) leben in (nahezu) Erwerbslosenhaushalten. Insgesamt ist in Österreich somit von rund 1,4 Millionen Ausgrenzungsgefährdeten nach Definition der Europa 2020-Strategie auszugehen, das entspricht 17% der Gesamtbevölkerung.

Armut ist ein relativer Begriff: Viele Menschen verbinden mit dem Wort Armut Bilder hungernder Menschen in Ländern der so genannten „Dritten Welt“. Armut gibt es aber auch in Industrieländern: Menschen, die keinen Zugang zu Selbstverständlichkeiten wie einer ausreichenden Krankenversicherung haben, die pflegebedürftig, aber unversorgt sind, die Bedürfnisse des täglichen Lebens wie gesunde Nahrung, eine menschenwürdige Wohnung, Zugang zu Bildung oder bestimmten Gütern des Alltags nicht leisten können…

Armut ist relativ
Arm ist nicht nur, wer hungert, obdachlos oder unterversorgt ist, sondern auch, wer nicht in der Lage ist, an einem für eine Gesellschaft typischen Leben teilzuhaben. In Tanzania ist arm, wer sich keine Schuluniform leisten und seine Kinder daher nicht in die Schule schicken kann. In den USA ist arm, wer sich die Kosten der Krankenversicherung nicht leisten kann (die sich in Tanzania über 90% der Bevölkerung nicht leisten kann); und in einem Land wie Österreich muss als arm gelten, wer am durchschnittlichen Lebensstandard nicht teilhaben kann: Wer sich das Heizen der Wohnung im Winter nicht leisten kann; oder die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel; wer die Kosten für Bücher oder Zeitungen nicht aufbringen kann oder nicht genug Geld hat, um Kindern die Teilnahme an einer Schulveranstaltung zu ermöglichen.

Die Statistik Austria erhebt jedes Jahr im Rahmen eines EU-Programms Armutsgefährdung und Armut in Österreich. Der zuletzt veröffentlichte Bericht weist über eine Million Menschen in Österreich als „armutsgefährdet“ aus. 495.000 Menschen gelten als „arm“.

Was heißt eigentlich „armutsgefährdet“?
„Armutsgefährdet“ ist, wer so wenig Geld zur Verfügung hat, dass er oder sie sehr wahrscheinlich nicht vollständig am gesellschaftlichen Leben und Reichtum teilhaben kann. Besonders deutlich wird das an der Lebenssituation von Kindern: Können sich die Eltern etwa die Teilnahme an Schulver- anstaltungen wie etwa Skikurse oder ähnlichem nicht leisten, so tragen die Kinder „soziale Folgekosten“: Sie können nicht vollständig am sozialen Leben der Klassengemeinschaft teilnehmen.

Müssen die Eltern etwa bei der Beheizung der Wohnung im Winter sparen, beeinträchtigt das auch das Lernverhalten der Kinder. Folgen: Schlechtere Schulergebnisse, geringere Bildungs- und Lebenschancen, die sich ein ganzes Leben lang auswirken können.

Wie wird „Armutsgefährdung“ gemessen?

Die Statistik Austria erhebt die Netto-Einkommen österreichischer Haushalte und rechnet diese Einkommen den einzelnen Haushaltsangehörigen zu. Dabei zählt der oder die erste Erwachsene mit dem Faktor eins, weitere Erwachsene mit dem Faktor 0,5 und Kinder unter 14 Jahren mit dem Faktor 0,3. Das gesamte Jahres-Nettoeinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 wird also durch 2,1 (nämlich 1+0,5+0,3+0,3) geteilt. Und so kann die Statistik Austria herausfinden, dass „erste“ Erwachsene in der Hälfte aller Haushalte mehr als € 1585,- im Monat zur Verfügung haben, während die andere Hälfte weniger zur Verfügung hat (weitere Erwachsene 742,50; Kinder € 475,50). Die Wissenschaft geht nun von der Annahme aus, dass Menschen, die weniger als 60% dieses „Medianwerts“ (das waren im Jahr 2008 € 951,-) im Monat zur Verfügung haben, nicht mehr vollständig am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können und damit Gefahr laufen, in die Armut zu rutschen.

Was heißt „arm“?

„Armutsgefährdet“ heißt aber nicht automatisch „arm“. Manche Menschen verzichten freiwillig auf Restaurant- oder Kinobesuche, auf ein Auto, einen Fernseher oder ein Telefon. Problematisch wird es jedoch, wenn Menschen gezwungen sind, auf Dinge zu verzichten, die sie eigentlich dringend brauchen. Aus diesem Grund erhebt die Statistik Austria auch zusätzliche Faktoren.

So etwa, ob es im Haushalt Probleme gibt,… eine unerwartete Ausgabe von € 900,- zu bewältigen; neue Kleider zu kaufen; die Wohnung warm zu halten; Rechnungen rechtzeitig zu bezahlen.
Treffen niedrige Haushaltseinkommen und einer oder mehrerer dieser Einschränkungen zu, spricht die Wissenschaft von „manifester Armut“. In Österreich lebten im Jahr 2008 495.000 Menschen in manifester Armut. Gerade in einem reichen Land wie Österreich wird armutsgefährdeten und armen Menschen gerne die Schuld für ihre Situation zugewiesen.

Die Statistik Austria straft dieses Vorurteil Lügen:

Armutsgefährdet sind in Österreich z. B. 286.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren 249.000 Menschen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen 159.000 Menschen mit Behinderung 92.000 AlleinerzieherInnen mit ihren Kindern
128.000 der 495.000 von manifester Armut betroffenen Menschen in Österreich (also 25%) sind Kinder oder Jugendliche bis 16 Jahren.
Materialien:

Bundesministerium für Arbeit Soziales und Konsumentenschutz (BMASK): Armutsgefährdung in Österreich. EU-Silc 2008, Wien 2009 – http://www.bmask.gv.at

Statistik Austria: Armut und soziale Eingliederung, http://www.statistik.at

Armutskonferent: http://www.armutskonferenz.at

Armut in Österreich – erschreckende Zahlen!

1 Million Menschen in Österreich sind armutsgefährdet

488.000 Menschen leben in akuter Armut

238.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind armutsgefährdet; 142.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre leben in Armut

7% der Erwerbstätigen sind trotz Arbeit armutsgefährdet

Quelle: EU-SILC 2009, Studie der Statistik Austria im Auftrag des BMASK, Wien 2011

Armutsgefährdung in Österreich: Als Berechnungsbasis dient das mittlere Pro-Kopfeinkommen in Österreich. Armutsgefährdet sind jene Personen die unter 60% dieses Einkommens zu Verfügung haben. Dies sind in Österreich z. Zt. 13% der Bevölkerung, mehr als 1 Mio. Menschen. Diese Zahl beinhaltet aber KEINE Obdachlosen, Krank in Heimen und Anstalten, und teilweise Sozialhilfebezieher, die aus Scham oder Sprachbarrieren keine richtigen Auskünfte geben. .. und seit 2000 sind diese Zahlen stark steigend. Hohe Arbeitslosenraten gepaart mit Teilzeitbeschäftigung und freien Dienstverträgen prägt zudem einen neuen Begriff in unserem Jahrtausend: working poor, Menschen in der Erwerbstätigkeit verdienen so wenig, dass auch sie sich das Leben in Österreich nicht mehr leisten können. Dies gilt für ca. 350.000 Menschen. Warum diese Entwicklung möglich ist ? – Abbau der Sozialleistungen (z.B.: Kranke bekommen keine Frühpension, aber auch keinen Job = Langzeitarbeitslosigkeit = Armutsgefährdung) – Gleiches gilt für arbeitslose Dienstnehmer 55+ – Das Einkommen wird von den Armen zu den Reichen verteilt; war der Anteil der 20% schlechtest verdienenden 1987 noch bei 5,4% und der Anteil der 20% Bestverdienern 41,0% des Gesamteinkommens, so sank der Anteil der schlechtest verdienenden 2008 auf 2,1% während der Anteil der Bestverdiener auf 47,1 % stieg. – Auch der soziale Umgang mit der Nachkriegsgeneration, der heutigen Pensionisten, ist skandalös. Durch die jeweiligen Regierungen seit 2000 (ÖVP/FPÖ; SPÖ/ÖVP) werden immer mehr Pensionisten in die Armut getrieben. Vor allem Single-Pensionisten sind davon massiv betroffen. (258.000 Pensionisten sind armutsgefährdet) Neben dieser einkommensbezogenen Armut, gibt es noch die Ausgrenzungsgefährdung, die eigentlich aussagekräftigere Studie über Armut. Dabei wird nicht einseitig nur das Einkommen betrachtet, sondern, orientiert an einem – von der EU definierten – Mindestlebensstandard. Was kann man sich noch leisten : – 2,5 Mio Österreicher können sich keine unerwarteten Ausgaben bis 900€ leisten – 820.000 Österreicher können sich nicht saisonangemessen einkleiden – 333.000 Österreicher können die Wohnung nicht angemessen heizen – 233.000 Österreicher können sich einen notwendigen Arztbesuch nicht leisten – 559.000 Österreicher können ihre Zahlungen nicht zeitgerecht begleichen – die die Folgen davon: Mahnungen, Inkassogebühren, Gerichtskosten und Zinseszinsen, verschärfen die prekäre Situation noch zusätzlich.

DEM GEGENÜBER STEHT DIE VERMÖGENSENTWICKLUNG. Das Kapitalwachstum der Millionäre ist 3x höher als das Staatswachstum. 69.000 österreichische Millionäre besitzen 210 Milliarden € mit einem prognostizierten Wachstum bis 2013 auf 300 Milliarden. Die 10 !!! reichsten Familien Österreichs besitzen 60 Milliarden Euro. Was ist Schuld an dieser Entwicklung ? Wurden in der Vergangenheit mit einer Vermögensbesteuerung Staatsverschuldungen in Grenzen gehalten, explodieren die Schulden, nach Abschaffung dieser, da zwar ein personell kleiner aber vermögender Bevölkerungsteil seinen Beitrag einfach nicht entrichtet.

Ist das Gerechtigkeit ? 1% der Österreicher besitzen 33% des Vermögens 11%der Österreicher besitzen 68% des Vermögens !!! 20% der Österreicher leben in Armut !!!!!!

Hungernde, frierende und verzweifelte Familien gibt es auch in Österreich. In einem so reichen Land muss das nicht sein, sagt Caritas-Chef Küberl und startet im November 2011 die Hilfskampagne „Wärme schenken“.

Er werde oft gefragt, ob es denn in Österreich die Armen wirklich gebe, von denen er ständig spreche. „Ja, es gibt sie“, sagt Caritas-Präsident Franz Küberl. „492.000 Menschen sind manifest arm, weitere 500.000 armutsgefährdet, leben also unter der Armutsgrenze von 994 Euro im Monat. Ein schwerer Unfall, eine hartnäckige Krankheit oder plötzliche Arbeitslosigkeit, und auch sie rutschen ab in Armut und Elend.“

Grund genug, um im November die Caritas-Inlandshilfe „Wärme schenken“ zu starten – eine Kampagne, in der Spenden für Not leidende Frauen, Kinder und Männer in Österreich gesammelt werden. „Armut macht krank und einsam. Manche Menschen müssen mit ein paar Euro pro Tag für Essen, Kleidung und Hygieneartikel auskommen“, so Küberl beim Startschuss der Initiative im Rupert-Mayer-Haus für Obdachlose in Wien. „Eine defekte Heizung kann da schon zu einer finanziellen Überforderung werden, der Schulanfang ein großes Loch in das Familienbudget reißen.“

Viele fühlten sich allein gelassen und gedemütigt. „In einem reichen Land wie Österreich muss das nicht sein“, beklagt Küberl. Wobei er nichts gegen Reiche habe. „Es muss auch Starke geben – wenn sie sich ihren Wohlstand ehrlich verdient haben. Ich will hier nicht die General-Armut ausrufen, was ich fordere, ist ein General-Lebensrecht. Und dazu müssen wir alle beitragen.“ Wenn es anscheinend nicht mehr weitergehe, könne eine kleine Spende Wärme schenken. „Ein ausführliches Gespräch in der Sozialberatung, ein Platz in einem Obdachlosenheim, ein Zuschuss zu den Heizkosten, eine kräftigende Suppe.“ Diese Zeichen der Menschlichkeit machten den Unterschied zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Beispielhafte Hilfsprojekte

Das Rupert-Mayer-Haus, das 66 Frauen und Männern eine vorübergehende Unterkunft bietet, sei ein Paradebeispiel für Caritas-Hilfsprojekte. Um einen Einblick in weitere bewährte Einrichtungen zu ermöglichen, begleitete Küberl Medienvertreter auch durch die Wohngemeinschaft WeGe für Haftentlassene in Wels und das Mutter-Kind-Haus in St.Pölten. Die 1993 gegründete WeGe bietet Haftentlassenen in zwölf Einzelzimmern und sechs externen Wohnungen eine zeitlich begrenzte, betreute Wohnmöglichkeit und die Chance auf einen Neuanfang. Sozialarbeiter stehen den Bewohnern bei Behördengängen zur Seite, unterstützen sie beim Aufbau neuer Beziehungen und beraten bei der Schuldenregulierung. 130 Euro kostet ein Zimmer pro Monat.

„Mir wurden in der WeGe neue Perspektiven für ein straffreies Leben eröffnet“, schwärmt Exbewohner Herbert. Der 60-Jährige saß wegen eines Banküberfalls neun Jahre im Gefängnis und verbrachte fast zwei Jahre in der Wohngemeinschaft, ehe er vor kurzem eine eigene Wohnung bezog. „In der Haft wird man zur Unselbstständigkeit erzogen, man verlernt, soziale Kontakte herzustellen. Hier aber wurde ich Schritt für Schritt auf mein neues Leben in Freiheit vorbereitet. Ich kann diese Einrichtung gar nicht genug loben.“

„Voller Optimismus und Lebensmut“

Auf einen Neustart im Leben werden junge Frauen auch im Mutter-Kind-Haus in St.Pölten vorbereitet. Bis zu einem Jahr werden dort in Not geratene Schwangere und Mütter von Familienberatern betreut, damit sie im Anschluss wieder ein selbst bestimmtes Leben führen können. Mütter wie die 26-jährige Karin, die eineinhalb Jahre in dem Heim gelebt hat, bis sie wieder in der mentalen Verfassung war, eine eigene Wohnung zu beziehen. „Ich habe mich während der Schwangerschaft von meinem Freund getrennt und mich fürchterlich mit meiner Familie überworfen“, erzählt die Kindergartenpädagogin. „In meiner Verzweiflung habe ich hier Zuflucht gesucht und eine zweite Familie gefunden. Die Lebensgeschichten von Leidensgenossinnen haben mich sehr berührt.“ Ihr sei klar geworden, dass es andere Frauen noch härter getroffen habe als sie. „Meine Wertigkeiten haben sich während meines Aufenthalts hier verändert. Als ich das Haus verließ, war ich voller Optimismus und Lebensmut.“

Kein Verlass auf die Politik

Not sehen und unverzüglich handeln, genau darum gehe es bei Hilfsprojekten dieser Art, betont Michael Landau, Leiter der Caritas Wien. Die Menschen in Österreich hätten ein Recht auf Arbeit, von der sie leben können, eine angemessene Mindestsicherung und ausreichend Zugang zu fundamentalen Rechten wie Bildung und Gesundheitsversorgung.

Zwar wirke der Sozialstaat der Armut entgegen – durch Sozialleistungen werde die Armutsgefährdung um mehr als zwei Drittel reduziert. Aber es könne und müsse mehr getan werden. „Mit 30 Euro schenken Sie einer Familie in Österreich zwei Wochen lang eine warme Wohnung“, sagt Landau. „Helfen Sie mit, damit sich niemand mehr vor dem Winter fürchten muss.“ Man dürfe sich nicht nur auf Politiker verlassen. Diese würden zwar auffallen, „aber“, so Landau, „eher durch die Unschuldsvermutung“.

Moderation: Wake up Team

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